Stadträtin Frauenberger: Die UEFA EURO 2008TM wird weiblich

Wien (OTS) - In der Fan Zone Wien und auf den Public Viewing-Plätzen werden während der UEFA-Fussball-Europameisterschaft rund 40 Prozent Frauen erwartet, im Stadion etwa 30 Prozent. Frei nach Alice Schwarzer "Frauen begnügen sich nicht mehr mit der Hälfte des Himmels, sie wollen die Hälfte der Welt" fordert Stadträtin Frauenberger für Frauen auch die Hälfte des Fußballplatzes. Die UEFA EURO 2008TM soll ein Fest werden, bei dem Frauen und Männer "gemeinsam" und gleichberechtigt feiern, jubeln und kommentieren.

Anpfiff gegen Gewalt an Frauen - dichtes Opferschutznetz in Wien

Auch wenn Wien auf die UEFA-Fussball-Europameisterschaft gut vorbereitet ist, so bergen länger andauernde Großveranstaltung die Gefahr in sich, dass die Gewaltbereitschaft steigt; vor allem die häusliche Gewalt. Die Gründe sind vielfältig und reichen von Frustration über nicht erfüllte Erwartungen bis hin zu vermehrtem Alkoholkonsum. Für Frauenstadträtin Frauenberger ist der Schutz vor Gewalt seit langem ein Schwerpunktthema. Wien verfügt über das bundesweit mit Abstand dichteste Netz an kinder- und frauenspezifischen Beratungsstellen und Kriseneinrichtungen.

Gewaltschutz - Maßnahmen anlässlich UEFA EURO 2008TM

Wien kommt - als eine der Austragungsstädte - eine große Verantwortung, nicht nur hinsichtlich des reibungslosen Ablaufes der UEFA EURO 2008TM, sondern auch hinsichtlich der Sicherheit für alle WienerInnen sowie BesucherInnen zu. In diesem Zusammenhang sind Frauenstadträtin Frauenberger insbesondere die Sicherheit der Mädchen und Frauen und ihr Schutz vor möglicher Gewalt ein wichtiges Anliegen.

Gewalt gegen Frauen ist kein Kavaliersdelikt. Gewalt dient dazu, Macht und Kontrolle über Frauen auszuüben und äußert sich in ungleichen Machtverhältnissen und Lebenschancen. Männliche Gewalt gegen Frauen ist alltäglich und zeigt sich auf vielfältige Weise -körperlich, sexuell, aber auch psychisch. Jeder Lebensbereich ist davon betroffen: Partnerschaft, Familie und Arbeitsplatz sowie in der Öffentlichkeit auf der Straße.

Frauen sollen sich in Wien, in ihrem Lebensumfeld sicher fühlen. Das reicht von der sozialen Sicherheit, also ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben führen zu können, bis hin zur Gewaltprävention und Gewaltschutz. Wien verfügt über ein breites und sehr eng gewobenes Gewaltschutznetz. Dabei sind einerseits akute Versorgung und Betreuung von Gewaltopfern, und andererseits Information, Beratung und Sensibilisierung Schwerpunkt bildend.

Neben dem 24-Stunden Frauennotruf (Serviceeinrichtung der MA 57) und den vier Wiener Frauenhäusern, ist die Förderung von Opferschutzvereinen durch die Frauenabteilung der Stadt Wien ein fixer Knotenpunkt des Gewaltschutznetzes der Stadt.

24-Stunden Frauennotruf - 71 71 9

Mit dem 24-Stunden Frauennotruf - Telefon 71 71 9 - verfügt Wien über eine rund um die Uhr Kriseninterventions- und Beratungsstelle für Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind. Frauen und Mädchen erhalten hier, auch während der UEFA-Fussball-Europameisterschaft, telefonische, persönliche und online-Beratung nach einer akut erlebten Gewalterfahrung. Im Rahmen der Soforthilfe bieten die Beraterinnen des 24-Stunden Frauennotrufes betroffenen Frauen und Mädchen eine individuelle Begleitung zur Anzeigenerstattung auf die Polizei sowie zur medizinischen Erstversorgung und Spurenabnahme in ein Krankenhaus.
Auch wenn es während der UEFA EURO 2008TM zu einem erhöhten Beratungsaufkommen kommt, kann das Beratungsangebot ohne Engpässe sichergestellt werden.

Vor allem eine möglicherweise höhere Anzahl an Krisenfällen, die einen persönlichen Soforteinsatz einer Beraterin erfordern, muss betreut werden können. Dies wird insofern erreicht, als es neben einer allgemeinen Urlaubssperre eine doppelte Nachtdienstbesetzung an den sieben Spieltagen in Wien sowie doppelt besetzte Rufbereitschaften an den Wochenenden geben wird.

Gute Vernetzung unerlässlich

Die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Beratungsstellen ist ein wesentlicher Bestandteil des Krisenmanagements und für eine professionelle und umfassende Beratungs- und Betreuungstätigkeit unerlässlich. Insbesondere Institutionen wie die Wiener Frauenhäuser, die Polizei, die Krankenhäuser und Frauenberatungsstellen sind wichtige Ansprech- und KooperationspartnerInnen für den 24-Stunden Frauennotruf.

Vernetzungsgespräche mit - sowohl im Bereich der nichtpolizeilichen, als auch im Bereich der polizeilichen Gefahrenabwehr arbeitenden - Sicherheitskräften und Institutionen haben im Vorfeld der UEFA EURO 2008TM stattgefunden:
AkutBetreuungWien (ABW), Bundespolizeidirektion Wien, Bürgerdienst der Stadt Wien, Rettungskräfte, Wiener Frauenhäuser, etc.

Versendung von mehrsprachigem Informationsmaterial an Sicherheitsstützpunkte, Polizeistationen, Bürgerdienst-Außenstellen und Stadtinformation.

Sicherheitspaket für Mädchen und Frauen

Gemeinsam mit der Frauenabteilung der Stadt Wien hat Stadträtin Frauenberger ein Sicherheitspaket für Mädchen und Frauen konzipiert, das Notruf-Pfeifen des 24-Stunden Frauennotruf, "Sicherheitstipps für Mädchen und Frauen" sowie einen für die UEFA EURO 2008TM konzipierten Flyer "10 Tipps für Ihre Sicherheit" beinhaltet. Mit dem Flyer sollen Mädchen und Frauen darauf aufmerksam gemacht werden, was sie zu ihrem eigenen Schutz beachten sollten, um nicht nur eine tolle, sondern auch eine sichere UEFA-Fussball-Europameisterschaft zu erleben. Im Vordergrund steht ganz klar: Auch während der UEFA EURO 2008TM müssen die individuellen Grenzen jeder einzelnen Frau und jedes einzelnen Mädchens respektiert werden.

Leitfaden für sensible Berichterstattung zum Thema Gewalt an Frauen

Gewalt an Frauen in all ihrer Vielschichtigkeit ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Langfristig kann nur eine bewusste Auseinandersetzung mit traditionellen Männer- und Frauenbildern sowie der gesellschaftlichen Ungleichheit der Geschlechter helfen, diese zu überwinden und somit Gewalt zu reduzieren. Medien leisten dabei durch fundierte Recherchen und eine differenzierte Betrachtungsweise einen wertvollen Beitrag. Medien als zentrale Nachrichtenquellen informieren darüber, welches Verhalten als gewalttätig bewertet wird, warum es zu Gewalt kommt, wer die Betroffenen sind, wie die Folgen aussehen, beziehungsweise welche Gegenstrategien es gegen Gewalt gibt. Auswahl, Aufmachung und Inhalt der Beiträge vermitteln der Öffentlichkeit wesentliche Interpretations-Schemata und beeinflussen die Wahrnehmung des Problems sowie den Umgang damit. Dadurch spielen Medien auch in der Gewaltprävention eine wichtige Rolle. Der "Leitfaden für sensible Berichterstattung zum Thema Gewalt an Frauen" bietet im Bemühen um verstärkt gemeinsame Arbeit gegen Gewalt an Frauen einen Leitfaden für die journalistische Praxis; eine der Broschüre beigelegte Checkliste liefert eine praktische Zusammenfassung.

Die Broschüre liegt während der UEFA EURO 2008TM in den Medienzentren auf und kann bei der Frauenabteilung der Stadt Wien unter 01/ 4000 - 83518 bestellt werden.

Frauen sollen sich angstfrei durch die "EURO"-Stadt Wien bewegen

Einen wesentlichen Beitrag zur Gleichstellung von Frauen und Männern stellt auch die gleichberechtigte Teilhabe bei der Gestaltung und der Nutzung des öffentlichen Raumes dar, bei der die Bedürfnislagen von Frauen und Mädchen berücksichtigt werden müssen. Auf Initiative von Frauenstadträtin Frauenberger gab es bereits in der Planungsphase zur UEFA EURO 2008TM eine Begehung durch mehrere Magistratsabteilungen mit dem Ziel, explizit auf Frauen-Angsträume im öffentlichen Raum zu achten und durch entsprechende Maßnahmen zu beseitigen. Denn, die UEFA-Fussball-Europameisterschaft stellt die Stadt Wien vor große Herausforderungen. Es werden in dieser Zeit neue Bereiche von Fußgängerinnen frequentiert, die bisher noch nicht unter dem Sicherheitsaspekt beleuchtet und überprüft wurden. So wurden -unter anderem auf den Wegen rund um das Stadion sowie im Bereich der Fan Zone Wien - zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Beleuchtungsqualität umgesetzt zu denen auch die bessere Ausleuchtung von öffentlichen WC-Anlagen gehören sowie das Zurückschneiden von Büschen.

Großveranstaltungen und Gewalt

Eine britische Studie belegt, dass bei Fußballgroßveranstaltungen die häusliche Gewalt bzw. Gewalt gegen Frauen bis zu 30 Prozent ansteigt. Im Auftrag des britischen Innenministeriums wurde im Jahr 2006, zeitgleich mit der Weltmeisterschaft in Deutschland, eine Untersuchung in 56 Polizeikommanden durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen großen Sportereignissen, Alkoholkonsum und der Zunahme häuslicher Gewalt. Demnach wurde an Spieltagen ein Anstieg der polizeilich gemeldeten Fälle häuslicher Gewalt bzw. Gewalt gegen Frauen um 18 bis 31 Prozent verzeichnet. Bei 40 Prozent dieser Verdachtsfälle standen die Gewaltverursacher unter Alkoholeinfluss.

o Häusliche Gewalt

Zeitperioden, die sich vom Alltag abheben wie etwa Urlaubszeiten, Feiertage wie Weihnachten, länger andauernde Großveranstaltungen, etc. können zu vermehrten Konflikten in der Familie führen und bergen das Risiko der Gewalteskalation. Mögliche Gründe dafür: hohe Erwartungen an diese "besondere" Zeit, Projektion (unerfüllter) Wünsche; diese hohen Erwartungen können leicht enttäuscht werden; unterschiedliche Interessen prallen aufeinander; Frustration über nicht erfüllte Erwartungen; die sonstigen alltäglichen "normalen" Strukturen und Grenzen fallen weg; Alkoholkonsum senkt zusätzlich die Hemmschwelle. Es muss aber zwischen den unter diesen Bedingungen auftretenden "normalen" Familienstreitigkeiten und Gewalttaten, die in der Regel von (Ehe-)Männern gegenüber Frauen und Kindern ausgeübt werden, klar unterschieden werden.

o Gewalt bei öffentlichen Veranstaltungen

Veranstaltungen, die sich auf öffentlichen Plätzen abspielen, auf denen viele Menschen sind, bewirken auch, dass die/der Einzelne in der Anonymität der Masse untergeht, Grenzen verschwimmen und daher Grenzüberschreitungen gesetzt werden. Meist sind der Alkoholkonsum und Lärmpegel hoch, Emotionen werden - stärker als sonst - nach außen hin getragen, die Hemmschwelle sinkt; dazu kommen Phänomene wie eine sich entwickelnde Gruppendynamik, deren Ursachen oft nicht nachvollziehbar sind.

o Gewalt unter Alkoholeinfluss

Alkohol ist nie der Grund für Gewalttaten, der Grund ist immer die Persönlichkeit und Gewaltbereitschaft des Täters. Hinschlagen, Gewalt ist oft der einzige Weg, den der Täter kennt, um Spannungen/Konflikte abzubauen. Alkoholeinfluss senkt die Hemmschwelle und kann früher zu aggressivem Verhalten führen.

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Mag.a (FH) Anja Richter
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