PRÖLL: Schutz der vielfältigen natürlichen Ressourcen ist unsere Zukunftsversicherung

Neunte Konferenz der Vertragsparteien zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt in Bonn

Wien (OTS) - "Der Schutz der vielfältigen natürlichen Ressourcen ist die Zukunftsversicherung unseres Planeten. Von der internationalen Artenschutzkonferenz in Bonn erwarten wir Anstrengungen, wie wir dem fortschreitenden weltweiten Artenverlust und auch den damit zusammenhängenden Auswirkungen auf Welternährung und Klimaänderung wirksam entgegentreten können," erklärte Umweltminister Josef Pröll in Bonn anlässlich neunten Konferenz der Vertragsparteien zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt.

In Bonn beraten Delegierte aus 191 Staaten bei der 9th Conference of the Parties to the Convention on Biological Diversity / COP9-CBD bereits seit 19. Mai 2008 darüber, wie die rapiden Verluste der weltweiten biologischen Vielfalt gebremst werden können. Umweltminister Josef Pröll trat heute in Bonn beim Treffen der Umweltminister dafür ein, dass konkrete Beschlüsse zur effizienteren und effektiveren Umsetzung des Übereinkommens und zur Erreichung des Ziels, die Verluste der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 entscheidend zu reduzieren, gefasst werden.

Großtrappenschutz - eine Erfolgsgeschichte

Eine Erfolgsgeschichte ist in Österreich der Schutz der Trappen, das sind hochbeinige, kräftige Kranichvögel. In letzten Jahren stieg die Zahl der in Österreich lebenden Trappen von circa 60 Tieren (1995) auf fast 200 Tiere im Frühsommer und auf über 350 Tiere im Winter. Die Anlage von mehr als 5.000 Hektar ÖPUL-Trappenschutzflächen, deutlich intensivierte Schutzmaßnahmen, sowie die Ausweisung großflächiger Natura 2000 - Vogelschutzgebiete waren die Ursache für die erfreuliche Bestandeserholung.

Im Rahmen eines LIFE-Projektes werden derzeit Erdverkabelung und Leitungsmarkierungen durchgeführt um Kollisionen von Großtrappen mit Leitungsdrähten zu verhindern. Gleichzeitig werden die intensiven Managementmaßnahmen und die Kommunikation mit Landwirten, Jägern und regionalen Politikern weitergeführt.

Roten Liste bedrohter Arten: 16.000 Arten weltweit vom Aussterben bedroht

Zahlreiche Studien belegen, dass trotz vieler Anstrengungen die weltweiten Artenverluste rasant fortschreiten. Laut der Roten Liste bedrohter Arten der Weltnaturschutzorganisation IUCN sind fast 16.000 Arten weltweit vom Aussterben bedroht, darunter 25 Prozent aller Säugetiere, 12 Prozent der Vögel und über 30 Prozent der Amphibien. Zwischen 1970 und 2000 hat die Gesamtzahl der Arten um 40 Prozent abgenommen. Laut "Millennium Ecosystem Assessment" der Vereinten Nationen (2005) sind circa 60 Prozent der weltweiten Ökosysteme gefährdet. Damit verbunden ist auch der Verlust an lebensnotwendigen Leistungen der Natur, wie etwa sauberes Wasser, saubere Luft oder der Schutz vor Naturgefahren.

Angesichts dieser Zahlen sind die Erwartungen an die neune Konferenz der Vertragsparteien zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt groß. Im Mittelpunkt werden vor allem die Biodiversität in der Landwirtschaft, der Wälder, der Meere, die weitere Errichtung von Schutzgebieten sowie insbesondere auch eine verstärkte Unterstützung der Entwicklungsländer in der Erhaltung ihrer natürlichen Vielfalt stehen.

Die Vertragsparteien des Biodiversitäts-Übereinkommens haben sich dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2010 ein weltweites Netz an Schutzgebieten zu errichten, in welchem alle Lebensräume der Welt repräsentativ erfasst sein sollen. Bis 2012 sollen auch die Lücken im Schutzgebietsnetzwerk der Meere geschlossen werden. Stabile, gesunde Ökosysteme sind nicht nur das Rückgrad für den Schutz der weltweiten Vielfalt, sie sind auch von entscheidender Bedeutung für die Regulierung des Weltklimas. Derzeit stehen etwa 12 % der weltweiten Landfläche unter Schutz, allerdings nur ca. 1% der Weltmeere. In Bonn sollen daher wissenschaftliche Kriterien für die Errichtung von Schutzgebieten auf hoher See beschlossen werden.

Die Europäische Union leistet mit dem Schutzgebietsnetzwerk "Natura 2000" einen wichtigen Beitrag zu diesem globalen Netzwerk. In Österreich sind circa 25 Prozent der Landesfläche nach verschiedenen Schutzkategorien geschützt. "Vor allem auch mit unseren sechs von der Weltnaturschutzorganisation IUCN anerkannten Nationalparks und den 19 Ramsar-Feuchtgebieten hat Österreich herausragende Schutzgebiete von internationaler Bedeutung," so Pröll.

Die Konvention über die biologische Vielfalt räumt den indigenen Völkern als Träger von traditionellem Wissen eine zentrale Rolle beim Schutz und der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt ein. Auch in Bonn wird sich Österreich dafür einsetzen, dass die Anliegen und Besorgnisse der indigenen Gruppen in den Verhandlungen entsprechend berücksichtigt und in die Beschlüsse einbezogen werden. Umweltminister Pröll: "Österreich setzt dazu auch ein konkretes Zeichen: das Lebensministerium finanziert die Teilnahme einer Delegation von Indigenen aus Brasilien bei der Konferenz in Bonn."

Die Wirtschaft in die Umsetzung des Abkommens einzubeziehen, ist ein wichtiges Anliegen. Die Ausstellung rund um das Konferenzgebäude in Bonn steht daher unter dem Thema "Business and Biodiversity". Auch Österreich wird in Bonn mit einer eigenen Ausstellung zum Thema "Die Österreichischen Nationalparks und ihre Partnerbetriebe" vertreten sein: "Wir werden die Schönheiten unserer österreichischen Nationalparks dem internationalen Publikum präsentieren und zeigen, dass Nationalparks nicht nur wichtige Schutz- und Erholungsfunktionen haben, sondern auch Partner für die Wirtschaft sind," so Pröll.

Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt wurde 1992 bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro zur Unterzeichnung aufgelegt und trat 1993 in Kraft. Heute sind 191 Staaten Vertragspartei des Übereinkommens. Die Vertragsparteien verpflichten sich zur Erreichung der drei übergeordneten Ziele: Schutz der biologischen Vielfalt, nachhaltige Nutzung der Komponenten der biologischen Vielfalt und fairer Ausgleich der Vorteile aus der Nutzung genetischer Ressourcen. Das Übereinkommen geht somit in Zielsetzung und Anwendungsbereich über die klassischen "Naturschutzziele" hinaus und bezieht den Umgang des Menschen mit der natürlichen Vielfalt mit ein. Biodiversität wird definiert als Gesamtheit der Vielfalt der Pflanzen- und Tierarten, der Vielfalt der Lebensräume und die genetische Vielfalt innerhalb der einzelnen Arten. Dies teilt das Lebensministerium abschließend mit.

Rückfragen & Kontakt:

Lebensministerium
Pressestelle
Tel.: (++43-1) 71100 DW 6703, DW 6823

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MLA0002