Lackner: Sport kann Zugang zum Glauben eröffnen

"Sport-Bischof" im "sonntagsblatt"-Interview über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Sport und Religion und die Aufgabe der Kirchen bei der Fußball-Europameisterschaft

Graz, 29.5.08 (KAP) Sport kann vielen Menschen einen Zugang zum Glauben eröffnen. Davon ist "Sport-Bischof" Franz Lackner überzeugt. In einem mit dem steirischen "Sonntagsblatt" meinte Lackner wörtlich:
"Der Glaube und das Leben brauchen immer Allianzen. Zum Glauben allein finden viele Menschen nicht den Zugang. Daher ist der Sport eine gute Allianz, oder die Kunst und Soziales". Der Sport verbinde "Geist und Leib zu einer Einheit", so Lackner.

Zwischen Sport und Religion gebe es sowohl Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede, betonte der Grazer Weihbischof: "Im Sport steht der Mensch im Zentrum, und in der Liturgie ist Gott das Subjekt. Dieser Unterschied muss bleiben und bleibt auch". Spitzensport lebe auch von der Übertreibung, Phänomene wie den Slogan "Rapid ist meine Religion" erlebe er aber nicht als Konkurrenz, so Lackner.

Eine Gefahr im Spitzenfußball liege darin, so der "Sport-Bischof", "dass das spielerische Moment verloren geht und wirtschaftliche Interessen zu sehr in den Vordergrund treten. Man will den Erfolg kaufen". Lackner erinnerte an Johannes Paul II., der sich sehr kritisch äußerte, als in Italien für einen Spielertransfer Unsummen genannt wurden. Das widerspreche dem Charakter des Spiels und sei ethisch bedenklich, so der Papst damals.

Zur Frage, was man vom Fußball für den Glauben lernen könne, verwies Lackner u.a. auf die innere Disziplin: "Im Leben sagt man heute ja eher, erlaubt ist, was dir gefällt. Aber im Sport sieht man: Wer Höchstleistungen erbringen will, muss Disziplin haben und auf seinen Trainer hören". Auch Glaube komme vom Hören, man könne sich diesen nicht selbst erdenken. Lackner: "Im Glauben oder im Leben akzeptieren wir das nicht gern, aber im Sport geht ohne das gar nichts".

Erfolg und Niederlage

Zu den Initiativen der Kirchen bei der Europameisterschaft meinte Lackner wörtlich: "Die Kirche hat ein unglaubliches Know-how in der Motivierung und auch im Umgang mit Niederlagen, die auch ein wichtiger Schritt zum Erfolg sein können. Zum Sport gehört die Niederlage einfach dazu. Es wäre falsch, sie als etwas total Negatives darzustellen. Auch Jesus hat Niederlagen einstecken müssen. Und das heißt nicht: Aus, Ende. Die Niederlage kann der erste Schritt zum größeren Erfolg sein".

Für die Kirche gelte es, bei der Europameisterschaft "atmosphärisch zu wirken", sodaß sich die Fußballfans wohl fühlen und in Freud und Leid einen Ansprechpartner finden.

Persönlich werde er die drei Gruppenspiele der Österreicher live im Stadion verfolgen, weiters werde er aber auch zum "Public Viewing" gehen und den Kontakt mit den Fans suchen, so Lackner: "Man muss dort hingehen, wo die Menschen sind. Und ich werde auch in der Kirche sein. Wir werden beten, dass die Veranstaltung als Ganze gut geht und Segen auf sie kommt, und natürlich auch für unsere Mannschaft". Wenn Menschen die Weltoffenheit der Kirche spüren und sehen, dass die Leibfeindlichkeit, die man ihr lange nachgesagt hat, nicht zutrifft oder dass auch ein Bischof eine Vorliebe für eine Mannschaft hat, würden sie das durchaus sehr positiv aufnehmen. (ende)
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