Niedermühlbichler: Vernünftige Sozialpolitik verlangt gute Wohnpolitik

Mietervereinigung präsentiert ersten Wiener Betriebskostenspiegel

Wien (SK) - "Eine vernünftige Sozialpolitik ist nur dann möglich, wenn eine gute Wohnpolitik gemacht wird", betonte der Präsident der Mietervereinigung Österreich Georg Niedermühlbichler am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz. Wohnen sei ein Grundrecht, gesetzliche Regelungen seien notwendig, damit leistbares Wohnen möglich sei. "Problematisch wird es dann, wenn es gesetzliche Regelungen gibt, die nicht eingehalten werden", so Niedermühlbichler weiter. Besonders oft sei das bei Betriebskostenabrechnungen der Fall, die Mietervereinigung habe mehr als die Hälfte der bei ihr zur Überprüfung vorgelegten Abrechnungen beanstandet. Die Mietervereinigung habe deshalb den ersten Wiener Betriebskostenspiegel erstellt, so werde es Mietern ermöglicht, zu überprüfen, ob die ihnen verrechneten Betriebskosten plausibel seien. ****

"Gerade in den letzten Monaten ist viel über leistbares Wohnen diskutiert worden", sagte Niedermühlbichler, deshalb sei es "notwendig zu schauen, wo zuviel verlangt wird". Daher habe die Mietervereinigung 1.441 Abrechnungen ausgewertet und so Durchschnittswerte für die einzelnen Wiener Bezirke ermittelt. Nadja Shah, die Bundesgeschäftsführerin der Mietervereinigung erläuterte die erfassten Werte im Betriebskostenspiegel näher: Eine Wiener Durchschnittswohnung umfasse eine Fläche von 70 m2, dafür würden die Wiener im Mittelwert 1.309,70 Euro netto pro Jahr an Betriebskosten bezahlen, dieser Wert würde Gemeinschaftsanlagen, wie beispielsweise den Lift, nicht berücksichtigen. Auf die einzelnen Wiener Bezirke bezogen habe sich ergeben, so Shah, dass die Betriebskosten im neunten Wiener Gemeindebezirk am geringsten, im 20. Bezirk am höchsten seien. Dies habe mit der Belegung der Wohnungen zu tun, während im innerstädtischen Bereich weniger Menschen in Wohnungen leben, würden sich in den Randbezirken mehr Menschen eine Wohnung teilen.

Als besonders problematisch erachte die Mietervereinigung die Posten Reinigung und Versicherung in der Betriebskostenabrechnung. Seit die Hausmeister abgeschafft wurden und somit klare Regelungen für den Bereich der Reinigung gefallen seien, sei jetzt im Gesetz nur mehr von "angemessenen" Reinigungskosten die Rede. "Angemessen" sei "ein Kaugummibegriff", so Shah und es sei schwer zu überprüfen, was angemessen sei. Bei den Versicherungsprämien plädiere die Mietervereinigung dafür, diese aus den Betriebskostenabrechnungen herauszunehmen.

Nicht stehen lassen wollte man auch das Vorurteil, dass die öffentlichen Abgaben die Preistreiber bei den Wohnkosten seien. Diese würden nur 25 Prozent der Betriebskosten ausmachen, käme es zu dem oft geforderten Gebührenstopp brächte dies für den Mieter einer Wiener Durchschnittswohnung lediglich eine Ersparnis von 9,38 Euro netto pro Jahr. Darüber hinaus seien die öffentlichen Abgaben in Wien in den letzten zehn Jahren lediglich einmal angehoben worden. Als wahre Preistreiber seien die Nettomieten zu bezeichnen, hier würden sich die Vermieter zunehmend am Marktpreis orientieren, kritisierte Shah.

Wer die Richtigkeit seiner Betriebskosten überprüfen möchte, hat dazu die Gelegenheit aus der Homepage der Mietervereinigung, unter www.mietervereinigung.at bietet ein Betriebkostenrechner Orientierungshilfe. Des Weiteren sei eine Hotline eingereichtet worden, unter 0800 208 800 können sich Interessierte sieben Tage die Woche zwischen acht und zwanzig Uhr über Betriebskosten informieren. (Schluss) sw

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