Bürokratie bei 24-Stunden-Betreuung: "Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars..."

Hilfswerk-Präsident Othmar Karas fordert Vereinfachung und Beschleunigung der Verfahren: "Manche Behördenwege sind verschlungen!"

Wien (OTS) - Seit sechs Monaten bietet das Hilfswerk legale 24-Stunden-Betreuung an. Bisher wurden etwa 300 selbständige Personenbetreuer/innen aus der Slowakei, Bulgarien und Polen an etwa 150 Familien vermittelt. Die Einschulung, die laufende Qualitätskontrolle und die Behördenwege erledigen Fachkräfte des Hilfswerks. Zudem ist das Hilfswerk bei der Legalisierung bestehender Personenbetreuungsverhältnisse behilflich.

"Im Prinzip funktioniert das System "Legale 24-Stunden-Betreuung.", meint Hilfswerk- Präsident Othmar Karas, aber eine weitere Vereinfachung, Vereinheitlichung und Beschleunigung der Verfahren ist dringend notwendig!", so Karas weiter.

Karas kritisiert in diesem Zusammenhang die regional unterschiedliche Verwaltungspraxis, die es den Betroffenen und dem um Hilfe für die Betroffenen bemühten Organisationen schwer mache.

Eine Behörde verlangt die persönliche Vorsprache, bei der anderen können alle Wege per Internet erledigt werden, bei einer Stelle werden die Leumundszeugnisse in der Landessprache anerkannt, bei anderen Stellen ist eine beglaubigte Übersetzung notwendig. Die Pflicht zum persönlichen Erscheinen bei der Bezirkshauptmannschaft oder beim Magistrat zum Erlangen der "Anmeldebescheinigung" nach drei Monaten Aufenthalt bereitet Betreuer/innen, die eigentlich rund um die Uhr beim Pflegebedürftigen sein sollten, ebenfalls Probleme, gerade in Gebieten, wo diese Behörden nicht am Betreuungsort liegen.

"Manchmal fühlt man sich noch immer an Reinhard Meys Schlager "Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars" erinnert, sagt Karas. Auch die bei der Verkündung der Amnestie ursprünglich versprochene rückwirkende Anmeldung funktioniere in der Praxis nicht. Zahlreiche Unklarheiten bestehen auch noch bei der konkreten Anwendung der neuen Befugnisse laut Gesundheits- und Krankenpflegegesetz.

Andererseits hätte sich seit Einführung der Regelungen letzten Sommer auch einiges in den Abläufen und in der Informationsarbeit verbessert. Karas verweist in diesem Zusammenhang etwa auf die Bemühungen des Gründerservices der Wirtschaftskammer.

Kritisch sieht der Hilfswerk-Präsident die Tatsache, dass sich durch unterschiedliche Förderbestimmungen in den Ländern auch bei der 24-Stunden-Betreuung die einstmals bundesweite Regelung zunehmend auseinanderentwickle. "Das Problem, das wir in diesem Bereich schon bei der mobilen Pflege haben, setzt sich jetzt bei der 24-Stunden-Betreuung fort", so Karas. Er fordert in diesem Zusammenhang dringend ein Gesamtkonzept für die Finanzierung der Pflege, das regional und zwischen den einzelnen Angeboten faire Bedingungen schaffe.

"Auch die Erfahrung in der Praxis zeigt, dass die 24-Stunden-Betreuung nur einen Teil der Pflegeproblematik abdecken kann", so Karas. Daher bleibt der Ausbau der mobilen Pflege sowie eine Verbesserung des Angebots von stationären und teilstationären Einrichtungen eine prioritäre Notwendigkeit.

Schließlich appelliert Karas an jene, die bisher mit der Legalisierung ihrer Betreuungskräfte gewartet haben, dies jetzt nachzuholen. Das Hilfswerk bietet dabei Unterstützung an (0810 820 024).

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