"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ja dürfen s' denn das? Die Ölmacht sorgt für Ohnmacht" (Von Ulrich Dunst)

Ausgabe vom 24.05.2008

Graz (OTS) - Ja dürfen s' denn das? Das fragte sich schon 1848 Kaiser Ferdinand der Gütige, als die aufgebrachte Menschenmenge vor seiner Residenz eine Revolution anzettelte. 160 Jahre später gibt's erneut eine aufgebrachte Menschenmenge, die nach einer Revolution schreit - beim Spritpreis. Diesmal sind es die Abermillionen geschröpfter Verbraucher, die sich angesichts einer Verdoppelung des Ölpreises in einem Jahr die Frage stellen: Ja dürfen s' denn das, die Ölkonzerne?

Leider ja. Sie sollten zwar nicht dürfen, aber sie können sich die schmierigen Öl-Geschäfte offenbar erlauben.

Sie können sich beim Preis das tägliche "Darf's ein bisserl mehr sein" leisten, weil sie keine Revolution befürchten müssen. Zu sehr hat sich weltweit die Abhängigkeit vom Erdöl in allen unseren Lebensbereichen breitgemacht. Zu preistreibend wirkt die Angebots-Keule, dass es bald einmal vorbei sein könnte mit den Ölreserven.

Sollten Revolutions-Gelüste dennoch spürbar werden, hat man schnell ein Gegenmittel parat. So erwischten die öffentlichen Spritpreisvergleiche der Autofahrerklubs in den letzten Monaten manch teure Tankstelle am falschen Fuß. Die Folge: Heute ändert man mehrmals täglich die Preise und macht damit jeden seriösen Vergleich unmöglich.

Auf der anderen Seite konnten zu viele Chancen auf eine echte Revolution - ob weltweit oder im eigenen Haushalt - bis dato nicht genutzt werden. An Alternativ-Treibstoffen wurde schon damals getüftelt, als Autos begannen, mit Benzin oder Diesel zu fahren. Doch nicht zuletzt die aktuelle Biosprit-Debatte zeigt in Zeiten knapper Lebensmittel die Grenzen auf. Weil den Menschen der Teller freilich näher ist als der Tank.

Auch beim Heizen wurde eine große Chance vertan, als vor zwei Jahren mit steigender Nachfrage nach Pellets europaweit die Preise in die Höhe schnellten. Das Vertrauen in den nachwachsenden Brennstoff ist seither schneller gesunken als dessen Preis.

Am wirkungsvollsten scheitert die Spritpreis-Revolution aber immer noch an der Politik. Bei Spritpreisen von bald 1,50 Euro je Liter zapft der Fiskus hierzulande rund 70 Cent in die eigene Kassa ab. Ja dürfen s' denn das? Die Regierung wird die Mineralölsteuer kaum senken, hat sie diese doch unter dem Deckmantel Klimaschutz erhöht. Und was Entlastungen an der Zapfsäule betrifft, wird vor allem politisches Kleingeld gewechselt.

Eine politische Revolution beim Spritpreis bleibt eine Illusion, so lange die Parteien eine (für alle) leistbare Mobilität mit der Mobilisierung von Wählerstimmen verwechseln.****

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