"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nicht Mensch, nicht Tier, nicht Kind, nicht Kalb" (von Stefan Winkler)

Ausgabe vom 21.05.2008

Graz (OTS) - In seinem Roman Schöne neue Welt beschreibt Aldous Huxley die perfekte Wohlstandsgesellschaft, aus der mit Hilfe der Massenproduktion und Manipulation von menschlichen Föten Krankheit und Hunger und Elend verbannt sind. Der Preis dafür ist hoch, denn mit dem totalen Glück ist auch jede Menschlichkeit aus der Welt verschwunden.

Millionen Leser haben Huxleys düstere Utopie seit ihrem Erscheinen im Jahr 1932 als bitterböse Satire auf die Fortschrittsgläubigkeit der Menschen gedeutet und sie tun es bis heute, obwohl der Albtraum längst Wahrheit zu werden droht: Erstmals haben englische Forscher ein Mischwesen aus Tier und Mensch geschaffen und das britische Parlament hat nun die Herstellung solcher embryonaler Schimären aus Kind und Kuh genehmigt.

Die Selbstermächtigung zu solchen Exzessen ist stets dieselbe, seitdem Wissenschaftler in den 1990er-Jahren mit dem Selbstumbau unserer Gattung begonnen haben und an menschlichen Embryonen experimentieren: Was sei schon ein Zellhaufen im Vergleich zum Leben von Millionen an Krebs, Parkinson oder Alzheimer Erkrankten, die eines Tages gerettet werden könnten?

Mit diesem Totschlagargument werden in der Debatte über das Mögliche und Erlaubte in der Biomedizin seit Jahren schrittweise die Grenzen verschoben. Im Mittelpunkt des Streits steht die Frage, ob Menschen schon vor ihrer Geburt einen Anspruch auf Personenrechte haben oder nicht.

Für die christlichen Kirchen, insbesondere die katholische, lautet die Antwort ja: Sie sehen das Leben als von Gott geschenkt und daher bereits im Mutterleib unantastbar an.

Schwieriger ist es da schon, die Menschenwürde eines Achtzellers ohne religiöse Voraussetzungen zu denken. Denn welche zwingenden Gründe außer dem vagen Grausen, das uns vor einem geklonten Mischwesen aus Kind und Kuh befällt, lassen sich weltanschaulich neutral für den Schutz eines Embryos finden?

Es ist dies eines der Grunddilemmata des modernen Menschen: An einen Schöpfer, der ihm gewisse Tabus auferlegt, vermag er nicht mehr zu glauben. Zugleich schafft er es aber auch nicht, diese Tabus aus sich selber zu garantieren.

Das ist auch der Grund dafür, warum sich die Klon-Spirale immer aberwitziger dreht und wir uns schneller als gedacht bald taumelnd in Aldous Huxleys Schönen neuen Welt wiederfinden könnten. Wollen die Menschen das verhindern, müssen sie schleunigst damit beginnen, sich vor sich selbst zu schützen. ****

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