"Lange Nacht der Kirchen":... (2)

"Werkelmann" und Fußballkino

Absolut bunt präsentiert sich das Programm der Kirchen in Wien: In der Kirche Am Hof hat der Besuch von Papst Benedikt XVI. im September 2007 Spuren hinterlassen, die zu besichtigen sind. Eine kleine Ausstellung zeigt Schnappschüsse rund um den Papstbesuch. Spannend wird es im 3. Bezirk, wenn in der evangelischen Pauluskirche Pfarrerin Christine Hubka ihren Kriminalroman präsentiert. In der Pfarre Mauer tritt "Werkelmann" Christian Wittmann mit seinen Drehorgeln auf und erzählt von seinem seltenen Gewerbe.

Die Franziskanerkirche ist Schauplatz der Auseinandersetzung mit dem schmerzlichen Phänomen Kirchenaustritt. Geistliche verschiedener christlicher Konfessionen erzählen über ihre Erfahrungen mit diesem Thema und stehen auch für Gespräche zur Verfügung.

Ins Fußballkino lädt die Reformierte Stadtkirche ein und präsentiert elf Kurzfilme aus Österreich und der Schweiz zum Mythos rund um die "wichtigste Wuchtel der Welt".

Gedenkjahr 1938

Auch das Gedenkjahr 1938 wird in der "Langen Nacht der Kirchen" Thema sein - zum Beispiel unter dem Titel "Vergesst uns nicht" in der Minoritenkirche. In Gestapo-Gefängnissen und KZ-Lagern entstandene Lieder und die "Mauthausen-Kantate" von Mikis Theodorakis werden von "musica viva", dem Chor der Pfarre Mauthausen, dargeboten. Karten und Briefe aus dem Konzentrationslager Theresienstadt halten die Erinnerung an jüdische Wiener Bürger wach, die von der Todesmaschinerie der Nazis erfasst wurden.

Das Gedenkjahr wird auch in der Franziskanerkirche bedacht. Das große Refektorium mutiert zum Kinosaal, wenn der Oscar-prämierte Holocaust-Film von Stefan Ruzowitzky "Die Fälscher" gezeigt wird. Zu einer Diskussion um die Mitschuld der evangelischen Kirche bittet die evangelische Thomaskirche im 10. Bezirk.

Über die Frage "Wie haben Kirche und Gesellschaft die Umbrüche der 68er- Bewegung verkraftet?" diskutieren in der Lutherischen Stadtkirche Trautl Brandstaller, Rudolf Mitlöhner und Prof. Paul M. Zulehner. Caritas-Präsident Franz Küberl wird sich in der Pfarre St. Johann Evangelist an einer Diskussion über die Situation der Roma beteiligen. Und der Frage "Spielt Gott Fußball?" gehen in der Pfarre Maria Treu Olympiaseelsorger P. Bernhard Maier und ORF-Journalist Oliver Polzer nach.

Tierisches Theater

Ein Programm für die ganze Familie bietet hingegen die Canisiuskirche, wo es beim Kindermusical "Der Löwe und die Maus" recht "tierisch" zugehen soll. Noch artenreicher gestaltet sich der Abend in der Lutherkirche in Währing, wo die Kinder eingeladen sind, das Abenteuer rund um die Arche Noah mitzuspielen.

Vor der Bernardikapelle im Heiligenkreuzerhof bieten die Zisterzienser ihren Klosterwein, Heiligenkreuzer Wildschweinwürstel und weitere Schmankerl zur Stärkung an, während Abt Gregor Henckel-Donnersmarck und andere Mönche durch die Kapelle führen.

Musik und Gebet

Klassische Musik kann man beispielsweise in der Pfarre Rossau genießen, wenn das Vokalensemble "uni-sono" geistliche Musik aus fünf Jahrhunderten zum Besten gibt. Moderner geht es hingegen in der Pfarre St. Johann Nepomuk unter dem Motto "Drums, Dudelsack and more" zu.

Ein Nachtgebet der etwas anderen Art wird in der Jugendkirche St. Florian beim "find-fight-follow night prayer" geboten: Ein Mix aus Musik, Aktionen und Texten.

Das Programm in St. Michael/Heiligenstadt ist von der melkitischen griechisch-katholischen Gemeinde geprägt, die im Pfarrgebiet beheimatet ist: arabische kirchliche Hymnen laden zum Zuhören ein, ein Vortrag zum Thema "Das Zusammenleben von Christen und Muslimen im Nahen Osten" bietet Einblicke in einen Brennpunkt des Weltgeschehens.

In der rumänisch-orthodoxen Kirche an der Simmeringer Hauptstraße werden "Rufe zu Christus" laut, die bulgarisch-orthodoxe Kirche lädt zu einem Abendgebet ein und in der polnischen Kirche am Rennweg gestaltet die Jugend eine Andacht mit Passions-und Ostergesang. (forts.)
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