Das erste Fußballmatch im Parlament - oder doch das zweite? Antirassismusveranstaltung im Vorfeld der Europameisterschaft 2008

Wien (PK) - Das Präsidium des Nationalrats im Mittelkreis eines Fußballfelds, auf Naturrasen. Es regnet in Strömen, und dennoch werden die drei nicht nass. Ein Wunder? Ergebnis einer Fünf-Parteien-Einigung auf eine Änderung der Verfassung, wonach PräsidentInnen des Nationalrats nicht nass werden dürfen? Der Regen trommelt auf das Glasdach, das die drei beschützt, die rund 15 Meter tiefer in der Säulenhalle des Parlaments stehen: auf Naturrasen. Große Ereignisse werfen große Schatten, und in 18 Tagen beginnt die Fußball-Europameisterschaft 2008. Sie stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung in der Säulenhalle des Parlaments, in Umsetzung einer Idee der Dritten Präsidentin Eva Glawischnig-Piesczek, der ja der grüne Naturrasen fraktionell gewissermaßen besonders nahe steht und am Herzen liegt. "Fußball verbindet! - Fußball. Versteht sich!" lautete das Motto der Veranstaltung, die Fairness und Teamgeist über die Grenzen von Hautfarbe und Klassen, Fraktionen und Ideologien hinweg tragen soll.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer sah hinter dem Sport-Event, gewissermaßen berufsbedingt, die Politik. In beiden Feldern gehe es um "Fair Play", sagte die Doppelpräsidentin, die nicht nur dem Nationalrat präsidiert, sondern auch als Präsidentin des Wiener Instituts für internationalen Dialog und Zusammenarbeit fungiert. "Fair Play" heißt dort eine Initiative unter dem Motto "Viele Farben. Ein Spiel", die vor einem Jahrzehnt gestartet wurde, mit Unterstützung der Europäischen Kommission und des Bundeskanzleramts, zu dem der Sport ja ressortiert. "Keine Chance dem Rassismus", betonte Prammer, und lud interessierte Fußballfans zum Besuch des Parlaments ein. Die haben es ja nicht weit, das Parlament liegt in der Fanmeile.

Dass inhaltliche Differenzen Fairness nicht unmöglich machen, sondern erst erfordern, machte ein innerkoalitionärer Zwist von nicht zu unterschätzender Sprengkraft deutlich: War dieses Prae-EURO-Match in der Säulenhalle das erste Fußballspiel im österreichischen Parlament, ja in einem Parlament überhaupt (Version Prammer) oder hat es derlei schon gegeben, in Form eines nächtlichen "Kickerls" einiger Parlamentarier vor 30 Jahren, damals verbotener Weise (Version Spindelegger)? Doch ist das nicht die List der Geschichte? Zuerst wird illegal probiert, was später Gesetz wird! Es ist weder zu befürchten noch zu erwarten, dass Fußball in der Säulenhalle gesetzlich verankert werden könnte, es sei denn, man sähe es eines Tages als "Verwaltungshandlung" gem. Art. 18 B-VG. Die Rettung des Koalitionsfriedens besteht in "zwei ersten" Matches in der Säulenhalle: Ein erstes verbotenes, ein erstes erlaubtes. Ob das zweite erste nicht doch das zweite ist, möge in einem Ausschuss geklärt werden.

Zweiter Präsident Michael Spindelegger möchte, dass die Euro 2008 nicht eine "Schlacht um einen Titel" werden möge, sondern ein friedlicher Wettbewerb, bei dem die Besten gewinnen. Er wird mit diesem Wunsch nicht allein sein, und auch nicht bei seinem zweiten:
dass wir gute Spiele erleben mögen.

Dritte Präsidentin Eva Glawischnig-Piesczek schlug eine rhetorische Brücke vom Fußball als "Volkssport Nummer 1" zum Parlament als dem "Haus der Volksvertretung". Da wie dort gehe es um das Gemeinsame, um Teamgeist und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg, ja der Fußball sei gar "eine Philosophie", eben des Gemeinsamen. Die Dritte Präsidentin, als einzige des Präsidiums in fußballmäßiger Adjustierung - der Schriftzug "Fußballgöttin" auf dem Rücken des roten Trikots - war es dann auch, die den Ankick vornahm, mit schlankem Fuß und wohl dosierter Energie.

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, den das Programm, weil ressortmäßig zuständig, als nächsten Redner auswies, war gesundheitlich indisponiert. In seiner Vertretung zitierte Staatssekretär Reinhold Lopatka einen berühmten Trainer, der gesagt habe, dass Fußball keine Frage von Leben oder Tod sei - Fußball sei viel wichtiger. Wenn das so ist, leuchtet die Bedeutung des "Fair Play" unmittelbar und ohne jede weitere Begründung ein.

Anders als zumeist sonst im parlamentarischen Alltag folgten den Worten Taten - in diesem Fall buchstäblich "auf dem Fuß": Es wurde Fußball gespielt - in der Säulenhalle, bei strömendem Regen draußen und trockenem Naturrasen drinnen. Weil Fußball verbindet und "sich versteht" stellte Ulrike Schwarz-Hinterberger, die den parlamentarischen Prae-EURO-Event moderierte, zwei bunt gemischte Mann/Frauschaften vor. Neben klingenden Namen erklangen weniger vertraute, auch die Farben der Haut und der Augen waren multicolor und von schöner Verschiedenheit. Es wurde Fußball gespielt, als Referee fungierte Fritz Stuchlik, und es gab keinen Sieger; das Spiel endete 4 : 4. Aber es gab viele Gewinner. Hoffentlich auch bei der EURO. Aber ein bisschen siegen würden wir Österreicher schon auch gern. Die Veranstaltung ist geschlossen.

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