Gusenbauer: Engagement der österreichischen Unternehmen in Ost- und Mitteleuropa stärkt österreichische Volkswirtschaft

Österreich versteht sich "als Partner und Anwalt" der Region

Wien (SK) - "Die österreichischen Unternehmen waren die Ersten,
die den Mut und die Perspektive gehabt haben, in die Märkte Mittel-, Ost- und Südosteuropas hineinzugehen", betonte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am Montag im Rahmen seines Einleitungsreferates zu einer Veranstaltung mit dem Titel "Erleben wir das Ende der CEE-Konvergenz?" organisiert von Goldman Sachs. Diese Weitsicht, so Gusenbauer, habe nicht nur dazu geführt, dass die einzelnen Firmen Rendite erwirtschaftet hätten, sondern es habe der gesamten österreichischen Volkswirtschaft Vorteile gebracht. Dass Österreich beim Wirtschaftswachstum über dem Durchschnitt der Eurozone liege, sei darauf zurückzuführen, dass sich Österreich in Mittel- und Osteuropa stärker engagiere als andere Staaten. ****

Nach dem Fall des eisernen Vorhangs 1989 habe es in den Osteuropäischen Staaten einen schwierigen Transitionsprozess gegeben. Einige Unternehmer, die damals investiert haben, hätten sich eine "blutige Nase" geholt, "was heute so locker aussieht, war ein ökonomischer Prozess, der viele Gewinner, aber auch einige Verlierer hervorgebracht hat". Das mutige Hineingehen in die neuen Märkte sei "kein staatlicher Prozess gewesen, sondern die Privatinitiative der Unternehmen", lobte der Bundeskanzler. Von Seiten der Politik habe man die Zeit nach 1989 oftmals als problematisch gesehen, die politische Diskussion sei "defensiv" gewesen und "auf die Bedrohungen hin und nicht auf die Chancen hin" ausgerichtet gewesen. Der "Akt der Befreiung von 1989" sei in den Diskussionen in den Hintergrund gedrängt worden und es dominierten Themen wie die Angst vor dem Zustrom von Arbeitskräften, die etwaige Absiedelung von Unternehmen, die Deregulierung und die Besorgnis über steigende Kriminalität. "Es hat eine Vorgängerregierung gegeben, die keine Notwendigkeit gesehen hat, die Autobahn zwischen Wien und Bratislava fertig zu stellen", kritisierte der Bundeskanzler.

Trotz aller Erfolge habe man es mit einigen Risikofaktoren in der Region zu tun, so Gusenbauer. In der Folge der Finanzmarktkrise komme es zu einer "Neubepreisung", denn "Geld wird teurer". Gerade dort, wo ein hohes Leistungsbilanzdefizit mit einer steigenden Anzahl an Privatkrediten zusammentreffe, könne es zu Eintrübungen kommen. "Der größte Risikofaktor ist für mich aber der demographische Faktor", bemerkte Gusenbauer, die Alterspyramide sehe in den Mittel- und Osteuropäischen Staaten "nicht besser aus als bei uns", dazu komme ein massiver brain drain in Richtung Westeuropa und USA. So seien etwa bereits jetzt rund zwei Millionen Polen in den USA oder Westeuropa tätig. "Die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften wird also größer", wenn man die benötigten Arbeitskräfte nicht auf den eigenen Märkten lukrieren könne, dann sei man genötigt, im Ausland nach Personal zu suchen. Dies werde dazu führen, dass die Managementgehälter "überproportional steigen" und der relative Lohnkostenvorteil geringer wird, erläuterte der Bundeskanzler.

Doch auch auf der "Habenseite" sei in den Mittel- und Osteuropäischen Staaten einiges zu verbuchen. So hätten sich etwa die institutionellen Rahmenbedingungen verbessert. Auch die Erweiterung der EU sei für Investitionen und Renditen günstig. Im Bereich der Korruption habe es einige Verbesserungen gegeben, dies bedeute für die Firmen die Eindämmung der "diskretionären Kosten". Des Weiteren zeigte sich der Bundeskanzler optimistisch, dass auch der Infrastrukturbereich in Zukunft ausgebaut werde. "Diese Investionen werden stattfinden", so Gusenbauer, werde doch der Ausbau der Infrastruktur in Ziel 1-Gebieten von der EU gefördert.

Zur Rolle Österreichs merkte Gusenbauer an, dass sich Österreich "als Partner und Anwalt der Region" verstehe. Als Beispiel nannte der Bundeskanzler, dass Österreich einer der Hauptbefürworter eines EU-Beitritts von Kroatien sei. Und man werde "weiter versuchen, politische Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Investitionen erleichtern". Darüber hinaus wolle man dafür sorgen, "dass Wien als Finanzdrehscheibe weiter ausgebaut wird", denn "wir sind durchaus der Meinung, dass zwischen Frankfurt und New York noch Platz ist".

Man wolle auch den Finanzdienstleistungssektor weiter stärken, denn dieser sei "eine Erfolgsgeschichte". Das Österreich im letzten Jahr einen Leistungsbilanzüberschuss von drei Prozent erwirtschaften konnte sei, neben dem starken Tourismus und der guten Exportindustrie, auch auf die positive Dienstleistungsbilanz zurück zu führen.

"Wien versteht sich als Teil eines Netzwerkes in der Region", so Gusenbauer. Es gehe keinesfalls um Herrschaftsansprüche, sondern das neue, offene Europa ermögliche einen völlig freien Zugang in diese Region. Insgesamt "ist die Wachstumsperspektive" in Ost- und Mitteleuropa "eine günstige", auch wenn es kurz- und mittelfristig zu Eintrübungen kommen kann, "aber langfristig stehen die Zeichen auf Wachstum". (Schluss) sw

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