Pharmig: Geplante Kassereform ist Weg in Zwei-Klassen-Medizin

Huber: Aut idem hilft nur den Apothekern

Wien (OTS) - "Es ist schon erstaunlich. Da brüstet sich die
Politik hierzulande gerne damit, dass Österreich eines der besten Gesundheitssysteme der Welt hat, und dann versucht man mit Brachialgewalt eben dieses System zu zerstören", kommentiert Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber die geplante Kassenreform.

Apotheker wollen mit Aut idem Lagerkosten sparen

Insgesamt werfen nicht nur die geplante Gesetzesnovelle, sondern auch die Vorgehensweise der Sozialpartner viele Fragen auf, findet Huber. Erst gestern habe ein Vertreter der Apotheker in der ORF-Sendung 'im ZENTRUM' behauptet, dass bei Nichtlieferfähigkeit eines Medikaments Aut idem bereits heute in Absprache mit dem Arzt zum Tragen komme. "Der Ablauf der temporären Nichtlieferfähigkeit von Medikamenten wird vom Hauptverband streng geregelt. Das Eintreten der Apotheker für Aut idem soll vor allen Dingen dazu dienen, ihre Lagerkosten zu minimieren, da sie nicht alle Medikamente vorrätig haben wollen. Ihr Ziel ist es, das abzugeben, was gerade verfügbar ist", ärgert sich Huber.

Keine ehrliche Diskussion trotz vieler Fragen

Wenn man schon die ökonomischen Fragen unseres Gesundheitssystems diskutieren wolle, dann doch bitte transparent, fordert Huber. "Warum wird die sogar im Gesetzesentwurf zitierte Studie, nach der Aut idem angeblich ein so großes Einsparungspotential birgt, nicht öffentlich gemacht, sondern in der Schublade versteckt? Der Hinweis seitens der Apotheker, Aut idem funktioniere auch in 17 anderen Ländern, bedeutet ja nicht, dass es sinnvoll wäre, es auch in Österreich einzuführen. Sonst müsste man auch den Fakt ernst nehmen, dass rezeptfreie Arzneimittel in anderen Ländern auch erfolgreich in Drogerien und Supermärkten verkauft werden", findet Huber.

Letztlich zahlt der Patient

Wenn ein Patient nach dem vorliegenden Gesetzesentwurf bei seinem bisher verschriebenen Präparat bleiben möchte, wird er nach ASVG-Novelle § 136 Absatz 2 den Differenzbetrag zum billigsten Produkt aufzahlen müssen. "Das ist nicht in Ordnung. Die Pflichtversicherten zahlen bereits hohe Selbstbehalte für ihre Gesundheitsversorgung. Und insbesondere für alte Menschen, die seit Jahren ein und dasselbe Medikament nehmen, wird die Aut idem-Regelung, wenn sie bei ihrem gewohnten Präparat bleiben wollen, entweder Zuzahlungen oder eine krasse Umstellung in Darreichungsform und Optik bedeuten. Das kann leicht zu Verwirrungen beim Patienten führen und die Therapietreue/ Compliance verschlechtern", so Huber.

Weg in die Zwei-Klassen-Medizin

"Die Politik hat immer propagiert, keine Zwei-Klassen-Medizin zu wollen und dem Patienten die bestmögliche Versorgung zu garantieren. Mit dieser geplanten Kassenreform etabliert sie die Zwei-Klassen-Medizin per Gesetz. Die Wenigen, die es sich leisten können, erhalten ihre bewährte medikamentöse Therapie, der Großteil kann sehen, wo er bleibt. Das zeugt weder von einer 'gesunden Politik' noch von sozialer Gerechtigkeit", schließt Huber

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