Stabile Schlaganfallpatienten sterben eher an einem nicht Schlaganfall-bedingten kardiovaskulären Ereignis als an einem weiteren Schlaganfall

Nizza, Frankreich (ots/PRNewswire) - - Das REACH-Register zeigt, dass 70 % der Todesfälle in der Population der stabilen Schlaganfallpatienten auf ein anderes kardiovaskuläres Ereignis als Schlaganfall zurückzuführen sind

Neue Zwei-Jahres-Ergebnisse des REACH-Registers, die auf dem Europäischen Schlaganfallkongress (European Stroke Congress) vorgestellt wurden, machen deutlich, dass die grosse Mehrheit (73 %) der Todesfälle bei Patienten, die nach einem Schlaganfall versterben, auf nicht Schlaganfall-bedingte kardiovaskuläre Ereignisse zurückzuführen ist. Die Gesamtsterblichkeit beträgt 4,45 %, wobei 3,23 % der Herz-Kreislauf-Todesfälle durch ein nicht Schlaganfall-bedingtes Ereignis hervorgerufen werden.

Die Zwei-Jahres-Ergebnisse des REACH-Registers zeigen, dass das Risiko sekundärer ischämischer Ereignisse (einschliesslich Herz-Kreislauf-Tod) bei Patienten mit vorhergehendem Schlaganfall und/oder TIA (transitorischer ischämischer Attacke) sehr hoch ist.

Das REACH-Register hat gezeigt, dass Atherothrombose häufig in mehr als einem Gefässbett auftritt: Ein Viertel der Patienten mit koronarer Herzerkrankung (KHK bzw. CAD), zwei Fünftel der Patienten mit zerebrovaskulärer Erkrankung (ZVE bzw. CVD) und drei Fünftel der Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK bzw. PAD) weisen Atherothrombose in anderen Arteriengebieten auf. Die Daten des REACH-Registers machen auch die unzureichende Behandlung von Patienten mit zerebrovaskulärer Erkrankung in der realen Versorgungssituation deutlich. Um Hospitalisierung und Tod vorzubeugen, ist es notwendig, die Behandlung zur Senkung des Risikos ischämischer Ereignisse bei diesen Patienten zu verbessern.

Ungefähr 28 % der im REACH-Register erfassten Patienten haben bei Aufnahme eine diagnostizierte zerebrovaskuläre Erkrankung. Ungefähr 40 % der Patienten mit zerebrovaskuläre Erkrankung weisen eine Erkrankung mehrerer Gefässbezirke ("polyvaskuläre Erkrankung") auf. Von der gesamten Population der Patienten mit zerebrovaskulärer Erkrankung hatten bei Aufnahme in das Register 71 % zuvor einen Schlaganfall, 51 % zuvor eine TIA und 20 % zuvor beides erlitten.

Die Zwei-Jahres-Ergebnisse für die Population der Patienten mit zerebrovaskulärer Erkrankung zeigen hohe Ereignisraten für nichttödlichen Schlaganfall (5,9 %). Das Risiko für Tod durch Schlaganfall, Herzinfarkt und zerebrovaskuläre Erkrankung betrug zum Zwei-Jahreszeitpunkt 11,5 % für die gesamte ZVE-Population. Patienten mit zerebrovaskulärer Erkrankung in der Vorgeschichte weisen ein beträchtliches Risiko für schwere unerwünschte kardiale Ereignissen (MACE - Major Adverse Cardiac Events) und Krankenhausaufenthalte auf (> 20 % zum Zwei-Jahres-Zeitpunkt).

"Patienten mit zerebrovaskulärer Erkrankung haben ein hohes Risiko, einen erneuten Schlaganfall und andere atherothrombotische Ereignisse zu erleiden. Darüber hinaus hat das REACH-Register gezeigt, dass für die Mehrheit der stabilen Schlaganfallpatienten das Risiko besteht, an einem nicht Schlaganfall-bedingten kardiovaskulären Ereignis zu versterben. Das Vorhandsein von Risikofaktoren, Begleiterkrankungen, Inanspruchnahme von Therapien zur sekundären Prävention und das Befolgen von Richtlinien beeinflussen zusammen die Rate des Auftretens eines erneuten Ereignisses. Die Zwei-Jahres-Ergebnisse zeigen, dass das Risiko des Auftretens weiterer atherothrombotischer Ereignisse in dieser stabilen Population hoch bleibt. TIAs werden oft als "Mini-Schlaganfälle" mit einer guten Prognose, die eine ambulante Behandlung erlaubt, heruntergespielt. Dabei haben TIA-Patienten fast ein gleich hohes Risiko für zukünftige atherothrombotische Ereignisse wie Schlaganfallpatienten. Weltweit werden diese Patienten häufig unzureichend behandelt. Die Einhaltung der Richtlinien muss durchgesetzt werden, um durch Herzerkrankungen und Schlaganfall bedingte Todesfälle zu verhindern", so Dr. Joachim Röther, Professor für Neurologie an der Neurologischen Klinik des Klinikums Minden der Medizinischen Hochschule Hannover in Minden (Deutschland).

Bei der zerebrovaskuläre Erkrankung findet sich ein heterogenes Bild, wobei die arterielle Verschlusskrankheit im Bereich der Halsschlagadern und grossen intrakraniellen Gefässe für ungefähr 20 bis 30 % aller ischämischen Schlaganfälle verantwortlich ist. Zu den anderen Ursachen gehören kardiogene Embolie (25 %), Mikroangiopathie (20 %) und der kryptogene Schlaganfall.(1,2) Hoher Blutdruck ist ein Risikofaktor, der stark mit Schlaganfall assoziiert ist. Die zerebrovaskuläre Erkrankung stellt ein globales Gesundheitsproblem dar, wobei die Schlaganfallhäufigkeit weltweit zunimmt.

Dies unterstreicht das sehr hohe Risikofaktorprofil und den hohen Anteil an Patienten mit zerebrovaskulärer Erkrankung, für die das REACH-Register zusätzliche Manifestationen der atherothrombotische Erkrankung aufzeigt. Das REACH-Register wurde zum ersten Mal im letzten Monat in der medizinischen Fachzeitschrift Cerebrovascular Diseases veröffentlicht.(3)

"Das REACH-Register zeigt weiterhin das wirkliche weltweite Ausmass der durch die atherothrombotische Erkrankung bedingten Belastung auf. Im Fall der zerebrovaskulären Erkrankung wurde durch weitere Auswertungen erneut die Notwendigkeit unterstrichen, dass Ärzte die evidenzbasierten Behandlungsrichtlinien, wie beispielsweise die thrombozytenaggregationshemmende Therapie oder die Behandlung des hohen Blutdrucks, befolgen müssen", so Dr. Gabriel Steg, Professor für Kardiologie am Hôpital Bichat-Claude Bernard, Paris, für den Wissenschaftlichen Rat des REACH-Registers.

Zusätzlich zu dieser Auswertung stellten die REACH-Forscher ein Poster im Rahmen der Europäischen Schlaganfallkonferenz 2008 zum Risiko koronarer Ereignisse bei Schlaganfall- bzw. TIA-Patienten vor. (Risk of coronary events in patients with stroke or TIA: Two-year follow-up data from the REduction of Atherothrombosis for Continued Health (REACH) Registry (Risiko koronarer Ereignisse bei Schlaganfall- bzw. TIA-Patienten: Zwei-Jahres-Nachuntersuchungsdaten des REACH-Registers): Touze E, Röther J, Alberts MJ, Goto S, Hill MD, Aichner F, Steg PG, Bhatt DL, Mas JL, für die Forscher des REACH-Registers). Während die Häufigkeitsraten für Herzinfarkt und nicht Schlaganfall-bedingte Todesfälle durch Gefässerkrankungen nur bei ungefähr 1 % pro Jahr liegen, steigt das Risiko bei Patienten mit zusätzlicher KHK auf 2 bis 2,5 %, was erneut das gesteigerte Risiko bei Beteiligung mehrerer Gefässbezirke unterstreicht.

Ziele und Umfang des REACH-Registers

Das Gesamtziel des REACH-Registers besteht in der Verbesserung der Erkennung und Behandlung von Schlaganfall, Herzinfarkt und der damit verbundenen Risikofaktoren für Atherothrombose. Es handelt sich hierbei um das grösste und geografisch umfassendste weltweite Register von Patienten mit Atherothrombose-Risiko. Über 68.000 Patienten wurden in 44 Ländern und sechs Regionen (Lateinamerika, Asien, Naher Osten, Australien, Europa und Nordamerika) erfasst und über 5.000 Prüfärzte waren an der Durchführung beteiligt.(4,5)

Das REACH-Register umfasst ein breites Spektrum an Patienten mit Atherothrombose, wobei der Gesundheitszustand und die Behandlung von Menschen mit Atherothrombose-Risiko dokumentiert, das Ausmass ihrer Beeinträchtigung überwacht und die Belastung durch die Krankheit gemessen wird. Patienten, die im REACH-Register erfasst sind, weisen entweder mehrere Risikofaktoren auf, die zu Atherothrombose führen können, wie beispielsweise hoher Cholesterinspiegel, hoher Blutdruck, Rauchen und Diabetes, oder es finden sich Herzinfarkt, Schlaganfall oder periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) in der Vorgeschichte. Die Teilnahme am REACH-Register ist grundsätzlich freiwillig.

Das REACH-Register basiert ausserdem auf alltäglichen Lebensbedingungen und ist bemüht, das allgemeine Verständnis der atherothrombotischen Erkrankung in mehreren Fachgebieten (Kardiologie, Neurologie, innere Medizin, Angiologie und medizinische Grundversorgung in der Arztpraxis) zu verbessern, was eine sorgfältigere Beurteilung der tatsächlichen Belastung durch diese Erkrankung ermöglicht.

Die Ursache von Herzinfarkt, Schlaganfall und peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK)

Atherothrombose entsteht, wenn sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) im Bereich einer rupturierten Plaque (Atherom) in der Blutgefässwand bildet. Plaques bestehen aus Fettsäuren und Cholesterin, Kalzium und anderen Substanzen.

Das Aufbrechen der Plaques und die nachfolgende Bildung eines Blutgerinnsels können den teilweisen oder vollständigen Verschluss einer Arterie in verschiedenen Teilen des Körpers zur Folge haben. Wenn ein Gefäss, das das Herz versorgt, teilweise oder vollständig durch ein Gerinnsel blockiert wird, kann dies zu einem Herzinfarkt führen. Im Gehirn kann der gleiche Prozess einen Schlaganfall oder eine TIA, die möglicherweise nur wenige Minuten dauert, auslösen. In anderen Teilen des Körpers kann dieser Prozess zur Reduzierung oder Blockierung der Durchblutung in den Beinarterien führen. Man spricht dann von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), die ein erheblicher Risikofaktor für Herzinfarkt oder Schlaganfall ist.

Die Atherothrombose ist somit das gemeinsame Bindeglied von Herzinfarkt, Schlaganfall und pAVK.

Hinweise für Redakteure:

Das REACH-Register

Das REACH-Register ist das erste Register für ambulante Patienten, das weltweit die tatsächliche Ereignisrate und Behandlungsmuster bei einem breiten Spektrum von Patienten mit Atherothrombose erfasst. Das Register verfolgt mehr als 60.000 Patienten über vier Jahre, wobei 44 Länder und 5.000 Prüfärzte beteiligt sind. Das REACH-Register hat die Beurteilung und Behandlung von Patienten mit koronarer Herzkrankheit, zerebrovaskulärer Erkrankung (Schlaganfall/TIA) oder peripherer Verschlusskrankheit in der Vorgeschichte sowie von Patienten mit einer Kombination von gravierenden Risikofaktoren zum Ziel.

Das REACH-Register wird von sanofi-aventis, Bristol-Myers Squibb und der Waksman Foundation (Tokio, Japan), die an der Planung und Durchführung der Studie sowie an der Datensammlung beteiligt waren, gesponsert.

Das REACH-Register wird von der World Heart Federation befürwortet.

Zum wissenschaftlichen Ausschuss des REACH-Registers gehören: -- Philippe Gabriel Steg, Hôpital Bichat-Claude Bernard, Paris (Frankreich) -- Deepak L. Bhatt, Cleveland Clinic Foundation, Cleveland (USA) -- E. Magnus Ohman, Duke University, Durham, NC (USA) -- Joachim Röther, Klinikum Minden, Medizinischen Hochschule Hannover (Deutschland) -- Peter WF Wilson, Emory University School of Medicine, Atlanta, GA (USA) Weitere Informationen zum REACH-Register finden Sie unter www.REACHRegistry.org Literaturnachweise (1.) Grau AJ, Weimar C, Buggle F et al. Risk factors, outcome, and treatment in subtypes of ischemic stroke: the German stroke data bank. Stroke 2001;32:2559-2566. (2.) Adams HP Jr, Bendixen BH, Kappelle LJ et al. Classification of subtype of acute ischemic stroke: definitions for use in a multicenter clinical trial. TOAST. Trial of Org 10172 in Acute Stroke Treatment. Stroke 1993;24:35-41. (3.) Röther J, Alberts MJ, Touze et al. Risk factor Profile and Management of Cerebrovascular Patients in the REACH Registry Cerebrovasc Dis 2008;25:366-374. (4.) DL. Bhatt, PG. Steg, EM. Ohman, AT. Hirsch, Y. Ikeda, J-L. Mas, S. Goto, C-S. Liau, A-J. Richard, J. Rother, PWF. Wilson, für die Forscher des REACH-Registers. International prevalence, recognition, and treatment of cardiovascular risk factors in outpatients with atherothrombosis. JAMA 2006;295:180- 189. (5.) PG. Steg, DL. Bhatt, PWF. Wilson, R. D'Agostino, EM. Ohman, J. Rother, C-S. Liau, AT. Hirsch, J-L. Mas, Y. Ikeda, MJ. Pencina, S. Goto, für die Forscher des REACH-Registers. One-year cardiovascular event rates in outpatients with atherothrombosis. JAMA 2007;297: 1197-1206.

Website: http://www.reachregistry.org

Rückfragen & Kontakt:

Louise Crathorne, +44-20-7300-6385, louise.crathorne@bm.com, für das
REACH-Registery

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