DER STANDARD-Kommentar: "Hinschauen bei der EURO" von Michael Möseneder

Ausgabe vom 16.8.2008

Wien (OTS) - Hysterie ist natürlich völlig fehl am Platz. Es ist ja nicht so, dass ein Terrorist öffentlich bekanntgegeben hat, an einer Bombe für die EURO zu basteln, mit der er Tausende in die Luft jagen will. Aber so ganz als Kinderei sollte man die in einschlägigen französischsprachigen Internetforen aufgetauchten Appelle, die Schweiz und Österreich "in eine Hölle" zu verwandeln, dann auch nicht von der Hand weisen.
Denn selbst wenn diese Aufrufe von Mohamed M. stammen, dem in Wien wegen Drohvideos verurteilten Islamisten, scheint es dennoch bedenklich, dass seine Botschaften ins Französische übersetzt worden sind - und offenbar in den vergangenen Wochen ins Netz gestellt worden sind. Aus Jux und Tollerei macht man so etwas nicht, man will zumindest Unruhe verbreiten. Dass die Polizei keine Erkenntnisse über aktuelle Bedrohungen hat, muss auch nicht für bare Münze genommen werden - schließlich will man keine Panik.
Sehr wahrscheinlich wird nichts passieren. Nur: Die einschlägigen Foren mit ihren hetzerischen Parolen, egal, ob alt oder aktuell, können Einzeltäter noch immer zu Anschlägen animieren. Aber selbst wenn sich jemand auf dem Schwarzmarkt Handgranaten besorgt und diese in die Menge schmeißt, wäre das katastrophal.
Wenn im Zuge von Amstetten so viel die Rede war von Hinschauen und Zivilcourage, sollte man einmal kommunizieren, dass das auch für die EURO gilt. Wie gesagt, keine Hysterie - aber wenn auffällt, dass irgendwer im Zug seinen Rucksack abstellt und dann aussteigt, sollte man das zumindest irgendwem melden und nicht einfach weiterfeiern.

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