Press Freedom Award 2008 für bulgarische und rumänische Journalisten Prammer. Pressefreiheit ist wesentliche Säule der Demokratie

Wien (PK) - Heute Nachmittag wurde im Parlament der Press Freedom Award, der seit dem Jahr 2001 von der Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" vergeben wird, an die PreisträgerInnen überreicht. Dieses Jahr war die Auszeichnung den neuen EU-Ländern Rumänien und Bulgarien gewidmet. Prämiert wurden Fernseh- und Printbeiträge von Svetlana Ivanova Batalova (Bulgarien), Kristina Ivanova Koleva-Tuntcheva (Bulgarien) und Ovidiu-Mihai Vanghele (Rumänien), die für ihren Kampf gegen Korruption, Machtmissbrauch und Kriminalität ausgezeichnet wurden und deren Arbeiten beispielhaft für den investigativen Journalismus in ihren Ländern sind, erklärte die Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, Rubina Möhring. Der "Press Freedom Award - Signal für Europa", der gemeinsam mit der OMV ins Leben gerufen wurde, ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert.

"Öffentlichkeit dort schaffen, wo keine Kameras hinkommen"

Durch die Verleihung des "Press Freedom Award - Signal für Europa" sollen Menschen sichtbar gemacht werden, die sich tagtäglich aktiv und oft unter sehr schwierigen Bedingungen für die Einhaltung der Menschenrechte und der Pressefreiheit einsetzen, erklärte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer. Ihrer Ansicht nach stelle die Pressefreiheit, die schwer erkämpft wurde und in vielen Regionen der Welt noch immer keine Selbstverständlichkeit sei, eine wesentliche Säule einer lebendigen Demokratie dar. Mit ihren herausragenden journalistischen Arbeiten sei es den PreisträgerInnen gelungen, eine Öffentlichkeit dort zu schaffen, wo normalerweise keine Kameras hinkommen und wo sonst keine Fragen gestellt werden. Doch kritischer und verantwortungsvoller Journalismus müsse auch gelernt werden, war Prammer überzeugt, weshalb auch im Rahmen der Demokratiewerkstatt ein Workshop dem Thema Medien gewidmet ist. Pressefreiheit und Demokratie seien aufs Engste miteinander verknüpft; von einem Angriff auf ein Prinzip sei auch immer auch das andere betroffen.

Auszeichnung für investigativen Journalismus

Der Press Freedom Award wurde von der politisch unabhängigen Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" dieses Jahr in den Kategorien Printmedien, elektronische Medien und Medienagentur vergeben. Die zahlreichen eingesandten Beiträge, die politisch brisante Themen aufgreifen, zeigen, dass die Journalisten aus Rumänien und Bulgarien, selbst unter schwierigen Umständen, Mut zu investigativem Journalismus beweisen, erklärte Rubina Möhring. Seit dem Beitritt zur Europäischen Union Anfang des Jahres wurde zwar viel über diese Länder berichtet, doch vorwiegend über rein wirtschaftliche Agenden und nicht über die dortige Situation im Hinblick auf die Menschenrechte. Der Sprecher der Jury, Botschafter Albert Rohan, meinte einleitend, dass die Mediensituation in Rumänien und Bulgarien nicht katastrophal, aber auch nicht zufriedenstellend sei. Es komme immer wieder vor, dass politischer Druck auf Journalisten ausgeübt und Verleumdungsklagen gegen sie eingebracht werden. Teilweise gebe es massive Einschüchterungsversuche bis hin zu körperlichen Angriffen. Gerade in Ländern, die erst am Beginn einer wirtschaftlichen und demokratischen Entwicklung stehen, sei es daher sehr wichtig, dass unabhängige Journalisten den Mut haben, Missstände aufzugreifen und öffentlich anzuprangern.

Machenschaften des rumänischen Agrarministers aufgedeckt

Ovidiu-Mihai Vanghele aus Rumänien wurde mit dem Press Freedom Award 2008 in der Kategorie Medienagentur, die dieses Jahr das erste Mal vergeben wird, geehrt. Mit seiner Arbeit hat er die Machenschaften des rumänischen Agrarminister Decebal Traian Remes aufgedeckt und so seinen Rücktritt bewirkt. Erschienen ist seine Arbeit über Mediafax, die als Teil der unabhängigen rumänischen Nachrichtenagentur MediaPro group eine führende Rolle in der Nachrichtenvermittlung einnimmt.

Krebspatienten in Bulgarien ihrem Schicksal überlassen

Die Auszeichnung für den besten Fernsehbeitrag ging in diesem Jahr nach Bulgarien, an Kristina Ivanova Koleva-Tuntcheva. Ihr Beitrag über Krebspatienten, die durch den Rost der medizinischen Versorgung fallen, thematisiert, dass überteuerte Medikamente und die Weigerung des Staates, die Kosten dafür zu übernehmen, die Familien neben der körperlichen und seelischen Belastung auch noch in den finanziellen Ruin treiben.

Menschenhandel innerhalb der EU aufgedeckt

Svetlana Ivanova Batalova erhielt den Preis in der Kategorie Print-Journalismus. Sie deckt in ihrer Publikation Menschenhandel innerhalb der EU auf. Anhand eines Einzelschicksals wird
geschildert, wie in Bulgarien Menschen als Sklaven nach Griechenland verkauft werden. Mit Jobangeboten locken die Schlepper arbeitslose Männer und Frauen, um sie dann als Sklaven in das südliche Nachbarland zu verkaufen. Ihr Beitrag ist in der Wochenzeitschrift 168 Hours erschienen. (Schluss)

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