WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Es läuft gut, aber Gratulationen gibt es später - von Alexis Johann

Waren die Konjunktur-Prognosen falsch oder nur deren Timing?

Wien (OTS) - Die Überraschung ist groß: Der Wirtschaft geht es weitaus besser als erwartet. In Österreich und Deutschland hat sich das Wachstum sogar beschleunigt. Noch eine gute Nachricht:
irtschaftsexperten zufolge wird sich die Inflation in den kommenden Wochen einbremsen. Für Politiker ein gefundenes Fressen, einander auf die Schulter zu klopfen. So geschehen in Deutschland, so geschehen in Österreich. Es sei ein Zeichen "für die gute und richtige Politik der SPÖ-geführten Regierung" verbreitete die rote Regierungshälfte wenige Stunden nach der Schnellschätzung des Wifo. Das sind also Good News in eigener Sache. Die Analyse der Politik ist natürlich falsch. Denn die Inlandsnachfrage, die Politik ja ankurbeln kann, ist schwach. Die starken Zahlen sind auf den boomenden Export zurückzuführen.

Insofern sind die Daten auch weniger überraschend, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Die Auftragsbücher der Industrie waren schon im Herbst vergangenen Jahres voll, die Investitionsprojekte wurden daraufhin 2008 in die Tat umgesetzt, um liefern zu können, was bestellt wurde. Außerdem war der Winter mild, die Bausaison lang. Insofern hatten die Wirtschaftsweisen recht, als sie zu Mitte des vergangenen Jahres, noch vor Beginn der Finanzkrise, ihre Prognosen erhöht hatten. Falsch lagen sie in der Frage, wie heftig die Finanzkrise die USA als Konsumenten der globalen Industrie trifft -oder haben sie sich bloß im Timing geirrt?

War das vielleicht alles? Das heimische Wifo warnt davor,
dass in den USA die Wirtschaft beinahe stagniere und die Welt mitreißen werde. Teure Nahrungsmittel, teure Treibstoffe würden den Konsumenten die Kauflust vermiesen.

Frage zwei: Wird hier etwas übersehen? Tatsächlich gibt es eine Reihe von US-Unternehmen, die stärker wachsen als zuvor. Allen voran verkauft der weltgrößte Einzelhändler WalMart mehr als erwartet, ähnlich gut geht es Online-Marktführer Amazon, aber auch Ford, Disney, Nike klagen nicht. Diese Firmen profitieren davon, dass das Geld - verschärften Kreditvergaben zum Trotz - locker sitzt. Die Steuererleichterungen der US-Regierung greifen. Kann Europa mithalten? Klappt die US-Erholung, an die Wirtschaftsforscher nicht glauben wollen? Wenn nicht? Dann wären kräftige Steuererleichterungen umso wichtiger. Erst dann werden auch wir den Politikern auf die Schulter klopfen.

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