Der Patient soll ruhig wissen, was ärztliche Leistung wert ist

Der Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich hält Patientenquittungen für sinnvoll, allerdings nur wenn faire Spielregeln herrschen

Wien (OTS) - Der verpflichtende Nachweis der erbrachten Leistungen unmittelbar nach dem Arztbesuch ist Bestandteil des Teiles der Gesundheitsreform, welche diese Woche in Begutachtung ging. Diese so genannte "Patientenquittung" soll ab August 2008 für Neuverträge und ab 2012 für bereits bestehende Kassenverträge gelten. "Gegen eine Information der Patientinnen und Patienten über erbrachte Leistungen und deren Wert ist prinzipiell nichts einzuwenden", meint der niederösterreichische Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner. Jedoch aus seiner Sicht nur mit fairen Spielregeln.

Selbst als Wahlarzt tätig, hat Präsident Dr. Reisner bereits umfangreiche Erfahrung mit "Patientenquittungen". Diese werden der Patientin/dem Patienten nach jedem Wahlarztbesuch in Form einer Honorarnote ausgehändigt. "Das alles erfordert zusätzlichen administrativen Aufwand sowie Zeit, um dem Patienten die Positionen auch zu erklären. Ohne Erklärung hat auch eine Quittung keinen Sinn. Ich als Wahlarzt muss das in meiner betriebswirtschaftlichen Kalkulation berücksichtigen." Für Präsident Dr. Reisner ist es daher logisch, dass der Aufwand einer Patientenquittung im Kassenbereich auch abgegolten wird. "Ein Argument, welches von unserer Bundesministerin sicherlich verstanden wird, da sie immer großen Wert auf betriebswirtschaftliches Grundverständnis legt."

Sollten Honorare auf den Quittungen abgedruckt werden, sind jedoch weitere Probleme vorprogrammiert. Die Systematik der Abrechnung mit Abschlägen und Limitierungen sorgt dafür, dass das ärztliche Honorar zum Zeitpunkt der Leistungserbringung nicht feststeht und sich auch nicht ermitteln lässt. "Bei den derzeitigen Jahresabrechungen der Gebietskrankenkassen wird dieses Problem ersichtlich: Die Patientin/der Patient bekommt den ungekürzten Betrag genannt, der bei eingeschränkten Leistungen deutlich von dem Betrag abweichen kann, der dem Arzt tatsächlich ausbezahlt wird. Natürlich nur zu Ungunsten des Arztes." Genau dies darf bei der Ausstellung von Patientenquittungen nicht passieren: Wenn etwa 13,80 Euro als Honorar für eine Leistung ausgewiesen werden und der Arzt nur 2,70 Euro tatsächlich ausbezahlt bekommt.

In diesem Zusammenhang regt Präsident Dr. Reisner auch an, größere Transparenz bei der Rückerstattung von Wahlarzthonoraren zu schaffen. "Die Wahlärztinnen und -ärzte legen saubere, genau aufgeschlüsselte Honorarnoten. Patientinnen und Patienten bekommen jedoch nur einen Anteil gutgeschrieben. Ohne Hinweis, welcher Betrag nun für welche Leistung rückvergütet wird." Eine Offensive zur Sensibilisierung der Patienten über den Wert von ärztlichen Leistungen ist aus Sicht der Ärztekammer für Niederösterreich also durchaus erwünscht. "Allerdings mit den fairen Spielregeln "Aufwandsentschädigung" und "Lieferung von Echtdaten".

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