WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wer in der Wirtschaft die Tore schießt - von Wolfgang Unterhuber

Nachhaltig zu agieren erfordert hohe unternehmerische Kunst

Wien (OTS) - Familienbetriebe werden gemeinhin als das Rückgrat
der Wirtschaft bezeichnet. In der Fußball-Sprache könnte man auch sagen: Sie sind das Mittelfeld. Je nach Situation offensiv oder defensiv eingestellt. Im Unterscheid zur österreichischen Nationalmannschaft haben die Familienbetriebe aber vor allem eines:
einen langen Atem. Das zeigt allein die Geschichte des diesjährigen vom WirtschaftsBlatt ausgezeichneten Österreich-Siegers. Im Zweiten Weltkrieg verlor Riedel Glas nahezu alles. Mit einem ungeheuren Energieaufwand gelang in den 50er-Jahren dann ein fulminanter Neustart.

Das Beispiel Riedel Glas zeigt, wie Familienunternehmen mit oft dramatischen Rückschlägen fertig werden. Das kommt unter anderem daher, weil sie nachhaltig denken. Wenn heute der Begriff Nachhaltigkeit von tatsächlichen und selbsternannten Experten überstrapaziert und neu erfunden wird, so ist zu sagen, dass Familienunternehmen schon immer nachhaltig gewirtschaftet haben. Dazu bedarf es übrigens besonderer unternehmerischer Kunst. Es ist leicht, nur für die kommenden vier, fünf Jahre zu planen - wie das oft in den Vorstandsebenen internationaler Multis geschieht. Es ist jedoch eine hohe Kunst, 20, 30 - ja, manchmal sogar über zwei Unternehmergenerationen hinweg - in die Zukunft zu blicken und sich vorzustellen, wie das eigene Unternehmen dann dastehen wird.

Eine besondere Herausforderung dabei ist der Generationenwechsel innerhalb der Unternehmen. Es gibt genug Beispiele, wo das nicht funktioniert oder wo die Nachfolgegeneration die unternehmerischen Fähigkeiten ihrer Ahnen nicht mehr aufzubringen vermag. Zu den besten Familienunternehmen, die das WirtschaftsBlatt jährlich kürt, gehören aber nur solche, die es über Generationen hinweg geschafft haben, eine reibungslose Hofübergabe über die Bühne zu bringen. Nachhaltigkeit, ein professioneller Führungswechsel, gepaart mit Innovationsgeist und Kreativität, sind somit die tragenden Säulen, um zu den Besten zu gehören. Es gibt zahllose österreichische Familienbetriebe, welche diese Merkmale aufweisen. Sie sind auch diejenigen, die die Arbeitsplätze schaffen und absichern und nicht, wenn nötig, dem schnellen Profit opfern. Arbeitsplätze aber bedeuten Wohlstand und soziale Sicherheit.

Somit ist auch die Politik gefordert. Ihre Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich der unternehmerische Geist der Familienunternehmen voll und ganz entfalten kann. Denn ohne Mittelfeld fallen bekanntlich keine Tore.

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