- 14.05.2008, 10:06:49
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OeNB - Direktinvestitionen trotzen Finanzmarktturbulenzen
Direktinvestitionsflüsse im Jahr 2007
Wien (OTS) - Mit annähernd 23 Mrd Euro erreichten aktive wie
passive Direktinvestitionen im abgelaufenen Jahr trotz der
Finanzmarktturbulenzen im zweiten Halbjahr Rekordwerte. Entscheidend
dafür war das Geschehen um die Bank Austria. Zunächst wurden die
Eigentumsrechte an der Bank Austria von der deutschen HypoVereinsbank
mittelbar an die italienische Unicredit übertragen, was zu
erheblichen Verschiebungen der Regionalstruktur der passiven
Direktinvestitionen geführt hat. Andererseits wurde der Bank Austria
die Eigentümerschaft für große Teile des Ostgeschäfts des Konzerns
übertragen, was einen erheblichen Anstieg der aktiven und passiven
Direktinvestitionen nach sich zog. Aber selbst wenn man diese im
ersten Halbjahr 2007 abgewickelte Umgestaltung des Unicredit-Konzerns
in Abzug bringt, war das Direktinvestitionsgeschehen im Jahr 2007
sehr lebhaft.
Die strategischen Investitionen inländischer Investoren in
ausländische Unternehmen, also die aktiven Direktinvestitionen,
erreichten 2007 einen Wert von 23,2 Mrd EUR. Zieht man von diesem
Wert den Kauf privater Liegenschaften im Ausland (166 Mio EUR) und
die Aktivitäten sogenannter "Special Purpose Entities" - ausländische
Holdinggesellschaften ohne wirtschaftliche Aktivität in Österreich -
ab, so bleiben 23,0 Mrd EUR an Direktinvestitionen im engeren Sinne.
Davon entfielen 19,7 Mrd EUR auf den Eigenkapitalerwerb und 4,3 Mrd
EUR auf reinvestierte Gewinne, während die konzerninternen
Forderungen um 1,1 Mrd EUR zurückgingen. Etwa zwei Drittel des
Direktinvestitionsvolumens resultiert aus der Übertragung der
Ostaktivitäten des Unicredit-Konzerns an die Bank Austria. Aber
selbst ohne diese in ihrer Größenordnung einzigartige Transaktion war
das Jahr 2007 von einer Vielzahl mittlerer und größerer
Direktinvestitionsprojekte gekennzeichnet.
Die Regionalstruktur der aktiven Direktinvestitionen im Jahr 2007
bestätigt eindrucksvoll die Hypothese eines schrittweisen "Go-East".
Betrachtet man die zwölf wichtigsten Zielländer, auf die mehr als 90%
des Investitionsvolumens entfallen, finden sich nur zwei Mitglieder
der "alten" EU-15, nämlich Deutschland - das historisch wichtigste
Zielland - auf Platz 4 und Belgien auf Platz 11. Die
mitteleuropäischen EU-Mitglieder Slowakei, Tschechien und Ungarn
liegen auf den Plätzen 12, 10 und 6, wobei der vordere Rang Ungarns
mit dem "Kampf um die MOL" zu erklären ist, während im übrigen die
Reinvestionen dominieren. Auf den Rängen sieben bis neun liegen mit
Bulgarien, Zypern und Rumänien weiter entfernte neue Mitgliedsländer.
Die drei wichtigsten Investitionsziele des Jahres 2007 waren aber die
Kandidatenländer Kroatien, und Türkei, sowie der EU-Nachbar Russland
mit einem Investitionsvolumen von zusammen 11,3 Mrd EUR. Der vierte
Platz Kasachstans verweist bereits über Europa hinaus, und dürfte
eher eine Ausnahme bleiben. In acht der zwölf genannten Länder waren
die 2007 investierten Beträge historische Rekordwerte.
Klar dominiert war das Geschehen des Jahres 2007 durch den
Finanzsektor. Neben der Bank Austria haben vor allem Erste Bank,
Raiffeisen und die Volksbanken, aber auch Versicherungen umfangreiche
Auslandsinvestitionen getätigt.
Neben sechs Milliardeninvestitionen zeigt die Statistik etwa 40
Investitionen im dreistelligen Millionenbereich. Weiters verzeichnete
die OeNB 2007 immerhin 120 Investitionen jenseits der Schwelle von 10
Mio Euro und 270 kleinere Investitionen von mehr als 1 Mio EUR.
Ausländische Unternehmenseigner investierten 2007 netto 22,6 Mrd
EUR in ihre österreichischen Beteiligungen, womit die aktiven
Direktinvestitionen die passiven geringfügig überstiegen. Wenn man
auch auf der Passivseite die Aktivitäten des Unicredit-Konzerns in
Abzug bringt, zeigen sich auch die Nettoinvestitionen in Österreich
nahe den historischen Höchstwerten. Der längerfristige
Planungshorizont von Direktinvestitionen hat offenbar zur Folge, dass
in diesem Bereich - zumindest noch - keine Auswirkungen der
amerikanischen Subprime-Krise zu Tage treten. Bemerkenswert ist die
Finanzierungsstruktur, die ausnahmsweise Kredite als die wichtigste
Finanzierungsquelle (+14,7 Mrd EUR) ausweist. Die vorläufigen
Schätzungen für die reinvestierten Gewinne ergeben einen Wertzuwachs
von 5,0 Mrd EUR. Der Nettozuwachs an ausländischem Eigenkapital war
mit 2,7 Mrd EUR relativ schwach weil der Bruttozustrom an
Eigenkapital in Höhe von 19,9 Mrd EUR durch Desinvestitionen von 17,2
Mrd EUR nahezu kompensiert wurde.
Der wichtigste Investor im Jahr 2007 war Italien mit +11,4 Mrd
EUR. Dies reflektiert unter anderem die Tatsache, dass die Unicredit
im Gegenzug für die Übertragung des gesamten Ostgeschäfts (außer
Polen und Ukraine) 55 Mio junge Aktien der Bank Austria erhalten hat.
Gegenüber Deutschland verzeichnet die aktuelle
Direktinvestitionsstatistik ein Minus von 9 Mrd EUR, was den Rückzug
der HypoVereinsbank widerspiegelt. Gleichzeitig gab es aber natürlich
auch neue Engagements deutscher Unternehmen in Österreich, man denke
an den Einstieg der Bayerischen Landesbank bei der Hypo-Alpe-Adria,
oder die Übernahme des Baumaschinenkonzern Neuson-Kramer durch die
Wacker AG. Dem Ausstieg Deutschlands aus der Bank Austria steht auf
der anderen Seite eine größere Zahl von Kreditfinanzierungen aus
unterschiedlichen Ländern in ähnlichem Volumen gegenüber, die als
"konzerninterne Finanzierung" zu den Direktinvestitionen zählen.
Weitere große Transaktionen, die im Jahresergebnis 2007 enthalten
sind, sind der Verkauf der BAWAG an den US-Fonds Cerberus oder die in
den Medien kolportierte Investitionen des russischen Investors
Deripaska.
Weitere statistische Informationen finden sich unter
statistik.oenb.at und dieaktuellezahl.oenb.at.
Herausgeber:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +43-1-40420-6666
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