WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Telekom: Viel Zeit zu pokern ist nicht mehr - von Robert Gillinger

Die Mobilkom hat jetzt einen Wert, aber einen sinkenden

Wien (OTS) - Die ÖIAG hat ein Problem, eigentlich mehrere: Bei der Post kommt bald neben den Troubles im Paket-Bereich die Liberalisierung des Briefgeschäfts dazu; bei der AUA hat man sich aus irgendeinem Grund auf einen Alleingang festgelegt, auch wenn jeder weiß, dass das langfristig nicht zum Ziel (das Überleben der Airline) führt; und bei der Telekom Austria steht im Festnetzbereich ein Generationswechsel an, der Milliarden verschlingen wird. Keine Sorge, es geht nicht um Abfertigungen für altgediente Manager, es geht um die Ablöse des technologisch ins Hintertreffen geratenen Kupferdrahtes durch Glasfaserkabeln, die ein x-faches an Datenvolumen transportieren können.

Soweit, so klar. Doch die ein bis zwei Milliarden, die die Telekom für ihren Umbau des Festnetzes benötigt, liegen nicht auf der Straße herum. Da ist also Kreativität angesagt, und natürlich sind jeglichen Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Klar ist, dass eine adäquate Infrastruktur zu den wichtigsten Standortfaktoren eines Landes zählt, wie Festnetz, Schienen oder Stromkabel. Bereiche, bei denen der Staat darauf zu schauen hat, dass sie bestmöglich funktionieren.

Wenn jetzt der Staat auf die Idee kommt, die Telekom Austria in zwei Teile zu spalten (Mobilfunk und Festnetz), ist das also nicht zwingend schlecht. Mobilfunk gilt heute noch als Asset - eines, für das man noch viel Geld bekommt und ins Festnetz stecken könnte. Geld, das man in ein paar Jahren wohl nicht mehr bekommt, da auch dort der Wettbewerb seine Spuren hinterlässt und Margen immer stärker unter Druck geraten. Verkaufen zu guten Preisen kann man aber immer nur, wenn das verkaufbare Objekt attraktive Assets besitzt. Bei der Telekom Austria sind das die mittlerweile zahlreichen Mobilfunk-Töchter in Osteuropa. Warum sollte man hier nicht einen Partner an Bord holen? Einer, der dem Unternehmen vielleicht sogar neue Perspektiven eröffnet!

Zur Auswahl stehen natürlich mehrere, bringen würden es aber nur zwei: Telefonica etwa ist in Tschechien stark, die TA schwach - das riecht förmlich nach einer Wiener Osteuropazentrale der Spanier. Und Russlands Mobilfunkgigant MTS will bereits seit Längerem gen Westen vorstoßen (biss sich aber beim Wunschpartner Deutsche Telekom die Zähne aus) und bietet dafür Zugang zum russischen Markt. Die Deutsche Telekom selbst scheidet aus kartellrechtlichen Gründen aus, France Telekom bringt höchstens für die innerösterreichische Konsolidierung (One, künftig Orange) etwas. Bleibt zu hoffen, dass ÖIAG-Boss Michaelis weiß, dass er (noch) ein gutes Blatt in Händen hat und auch weiß, was ein Pokerface ist...

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