"KURIER"-Kommentar von Magdalena Rauscher-Weber: "Hinschauen"

Kinder sollen besser geschützt werden - leider erst aus aktuellem Anlass.

Wien (OTS) - Der Gesetzgeber will Kinder und Jugendliche besser gegen Missbrauch und Misshandlung schützen - mit strikter Anzeigepflicht, längeren Tilgungsfristen für Sexualstrafen und einer Sexual-Straftäterdatei.
Damit sollen Behörden und Berufsgruppen, die mit Kindern zu tun haben, gezwungen werden, genauer hinzuschauen. Das ist gut und wichtig. Zu denken gibt aber der Zeitpunkt der Initiative: Das Gewaltschutzpaket wurde kurz nach Bekanntwerden des unglaublichen Verbrechens in Amstetten präsentiert. Es wird zwar seit Monaten vorbereitet, aber auch im Herbst gab es einen Anlassfall, der die Debatte erst in Schwung brachte. Damals war es der Tod des kleinen Luca, mutmaßlich verursacht durch den Freund der Mutter. Anlass-Gesetzgebung ist immer problematisch - auch wenn die Intention an sich richtig ist. Mitten im populistischen Getöse mancher Medien und etlicher einschlägig bekannter Politiker kommt es leicht vor, dass mögliche Folgen übersehen werden. Siehe die Einwände von Ärzten und Sozialarbeitern gegen die Anzeigepflicht. Wirklich bedenklich ist aber, dass offensichtlich auch die Politik immer erst dann reagiert - also genau hinschaut -, wenn auch die Öffentlichkeit hinschaut.

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