Bures: Wir müssen Bewusstsein für Machtmissbrauch weiter schärfen

Wien (OTS) - Die Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie feiert ihr 10-jähriges Bestandsjubiläum. Frauenministerin Doris Bures eröffnete gemeinsam mit Innenminister Günter Platter die neuen Räumlichkeiten der Institution in der Wiener Neubaugasse.

"Wir haben in der Bundesregierung der Gewalt in den Familien den Kampf angesagt!", eröffnete Bures, "Kampf ansagen heißt aber auch, ausreichend Ressourcen und Geldmittel zur Verfügung zu stellen." So habe sie gemeinsam mit dem Innenminister eine 60-prozentige Budgeterhöhung für den Gewaltschutz durchgesetzt.

Bures erinnerte daran, wie sie vor knapp 13 Monaten erstmals die Interventionsstelle besuchte und dabei kaum Platz für ein Pressegespräch fand. Nun habe die Stelle eine neue Bleibe, die dreimal so groß sei und doppelt so viele Mitarbeiter beschäftigen könne. Doch es gehe nicht nur um schöne, neue Räume, es gehe darum, die notwendige Hilfe in entsprechendem Rahmen leisten zu können, betonte die Frauenministerin. "Denn im Vorjahr konnten rund 500 hilfesuchende Frauen aufgrund von Personal und Platzmangels gar nicht betreut werden." Nun könnten alle Opfer Beratung und Unterstützung finden.

Dabei würden gegenwärtig geschätzte 2 von 10 Frauen Opfer von Gewalt. "Das kann nicht als Randerscheinung abgetan werden!" unterstrich die Frauenministerin. Zudem wachse der Andrang bei den Interventionsstellen massiv. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Zahl der Hilfesuchenden verdreifacht, in Wien sogar mehr als vervierfacht. Daraus müsse man aber die richtigen Schlüsse ziehen. Nicht die Gewalt in den Familien habe zugenommen, sondern auch die Sensibilität der Gesellschaft: "Mehr Frauen wissen heute, wohin sie sich wenden können, mehr Frauen erkennen ihre Chance, sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen."

Dazu hätten Kampagnen ihres Ministeriums beigetragen, aber auch die österreichischen Gewaltschutzgesetze, die nun neuerlich verschärft werden sollen. Die mögliche Dauer der einstweiligen Verfügung, aufgrund derer ein Täter von der gemeinsamen Wohnung fernbleiben muss, soll von drei auf sechs Monate ausgeweitet werden. Dazu soll ein neuer Straftatbestand der "beharrlichen Gewaltausübung" geschaffen werden. "Die Frauen erleiden ja oft ein jahrelanges Martyrium.", erläuterte Bures, "und glauben oft schon, sie seien selbst daran schuld!".

Auch Innenminister Platter berichtete von steigenden Einsatzzahlen der Exekutive. Seit dem In-Krafttreten des ersten Gewaltschutzgesetztes vor 10 Jahren seien bereits über 100.000 Fälle registriert worden, "das sind durchschnittlich 17 Fälle pro Tag, Tendenz steigend!", konkretisierte er. Auch Platter konstatierte ein geschärftes Bewusstsein. "Doch die Dunkelziffer ist nach wie vor groß, in der Stadt, aber vor allem auch im ländlichen Bereich."

Doris Bures appellierte abschließend im Schulterschluss mit Ministerkollegen Platter: "Wir müssen das Bewusstsein für Machtmissbrauch weiter schärfen und die Zivilcourage stärken!"

Rückfragen & Kontakt:

Susanna Enk
Pressesprecherin der Bundesministerin für Frauen, Medien und Öffentlichen Dienst
Tel. (01) 531 15 - 2132

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBU0003