Bildung hat auch moralische Dimension

Neugebauer für Ethikunterricht ab September 2009

Wien (OTS) - Die Schule hat die verfassungsrechtliche Aufgabe,
allen Schülern, unabhängig ihres Religionsbekenntnisses, ethische Grundsätze und eine Wertebasis zu vermitteln. Die ÖVP setzt sich daher für die verbindliche Einführung eines Ethikunterrichtes ab September 2009 ein. In einer Diskussionsveranstaltung an der Politischen Akademie am 7. Mai bot sich die Gelegenheit, diese Initiative mit einem interessanten Podium zu diskutieren.

Verfassung fordert Wertevermittlung

Die österreichische Bundesverfassung erteilt der Schule den Auftrag, den Schülerinnen und Schülern eine Orientierung an religiösen und moralischen Werten zu ermöglichen. Jene Schüler, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, können nicht aus diesem Auftrag ausgegliedert sein. Es gibt einen verfassungsrechtlichen Auftrag zur Einführung eines Ethikunterrichtes, den die Politik nicht ignorieren darf. "Wir haben den Auftrag und die Verpflichtung, die soziomoralischen Einstellungen junger Menschen zu fordern", betonte ÖVP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer. Gerade in einer Zeit, in der eine ethische Orientierungslosigkeit von Jugendlichen zunimmt, müssen auch in der Schule Werte und Toleranz vermittelt werden. Dass ein Ethikunterricht diese Aufgabe wahrnehmen kann, unterstreichen die großen Erfolge der zahlreichen Schulversuche in Österreich. Fritz Neugebauer bestätigte damit das vorbehaltlose "Ja" der ÖVP zum Ethikunterricht als nachrangigem Pflichtgegenstand. Beim Ministerrat am 7. Mai wurde Bundesministerin Dr. Claudia Schmied daher aufgefordert, die Perspektiven des Ethikunterrichtes bis zum nächsten Unterrichtsausschuss im Juni 2008 darzulegen.

Jugend lernt durch Ethik Toleranz

Auch Martina Kaufmann von der Österreichischen Schülerunion fordert die rasche Einführung des Ethikunterrichts. Nicht jeder Schüler müsse sich mit dem angebotenen Religionsunterricht identifizieren, allerdings sollte allen Schüler der Zugang zu Grundwerten, Toleranz, Respekt vor anderen Kulturen und Religionen gewährt werden. "Wir Jugendliche sind zwar nur 10-15% der Gesamtbevölkerung, aber 100% der Zukunft. Alles, was wir in der Schule nicht mitbekommen, fehlt uns im späteren Leben", so Kaufmann. Die Bildungsziele Toleranz, Respekt und "die Lehre vom guten Leben" müssten daher im Zentrum des Curriculum des Ethikunterrichtes stehen.

Ethik vermittelt interkulturelle Kompetenzen

Der Hamburger Erziehungswissenschafter Alfred K. Treml verwies auf den großen Erfolg des Ethikunterrichts in Deutschland. Im Zentrum des Ethikunterrichts stehe vor allem die "diskursive Aufarbeitung von Konflikten, die sich unter anderem aufgrund unterschiedlicher moralischer und religiöser Werte ergeben." Der eigentliche Erfolg des Ethikunterrichtes liege in der Förderung eines gewaltfreien Umgangs zwischen Schülern unterschiedlicher Kulturen und Religionsbekenntnisse.

Ethik ist kein Religionsunterricht

Dass das Fach "Ethik" kein Ersatz für den Religionsunterricht sein könne, betonte die Leiterin des Schulamtes der Erzdiözese Wien, Christine Mann. Der Diskurs um den Ethikunterricht sei ein Spiegel der Veränderungsprozesse in unserer Gesellschaft. Auch in einer säkularen Gesellschaft seien Schulen gefordert, die ethische Dimension ihres Bildungsauftrages wahrzunehmen. Das systematische Lernen ethischer Grundsatzfragen sei unabdingbar. Auch seitens der katholischen Kirche werde die Einführung des Ethikunterrichtes als nachrangiger Pflichtgegenstand begrüßt. Der Ethikunterricht stehe in keinem Konkurrenzverhältnis zum Religionsunterricht, sondern wird als dessen Ergänzung wahrgenommen.

Erfolgreiche Schulversuche

Aus der Praxis berichtete der Direktor des BORG I Hegelgasse in Wien, Michael Jahn. Vor elf Jahren wurde der Schulversuch "Ethikunterricht" in der Hegelgasse gestartet. Die Ergebnisse der diesjährigen Evaluation bestätigen den Erfolg: Sowohl von den Schülern, als auch von den Eltern und den Lehrern anderer Fächer wurde der Ethikunterricht sehr positiv aufgenommen.

Fritz Neugebauer resümierte in seinen Schlussworten: Der Zug zum Ethikunterricht hat den Bahnhof bereits verlassen. Nun brauche es ein Zusammenwirken aller Beteiligten, um ihm kräftigen Schwung zu verleihen, damit eine baldige volle Fahrt der Umsetzung erreicht werden kann.

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