Bures: Budgetaufstockung im Kampf gegen Gewalt trägt Früchte

Personalaufstockung und neue Räumlichkeiten der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt

Wien (SK) - Die Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt konnte aufgrund der massiven Mittelaufstockung des Frauenministeriums und des Innenministeriums ihre neuen Räumlichkeiten beziehen und den Personalstand verdoppeln. Frauenministerin Doris Bures erklärte anlässlich der Präsentation der Räumlichkeiten am Donnerstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Innenminister Platter und der Leiterin der Interventionsstelle Rosa Logar: "Gemeinsam mit dem Innenminister habe ich das Budget für die österreichischen Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen um 60 Prozent erhöht. Heute geht es darum, die Früchte daraus zu ernten." ****

Bures betonte, dass es der Regierung ein wichtiges Anliegen gewesen sei, den Kampf gegen Gewalt in der Familie zu forcieren. Dafür benötige man Mittel und Ressourcen. In den letzten Jahren konnte die Wiener Interventionsstelle aufgrund von akutem Budgetmangel nicht mehr die Hilfestellung geben, die notwendig gewesen wäre. "2006 und 2007 konnten 450 bis 500 Frauen, die Opfer von Gewalt in der Familie geworden sind, aufgrund der Personal- und Raumknappheit leider nicht betreut werden", bedauerte Bures. "Mit dem heutigen Tag lässt sich sagen, dass in Österreich keine Frau, die betroffen ist, im Stich gelassen, sondern gut betreut und unterstützt wird. Alle Frauen, die Hilfe suchen, werden diese auch erhalten", zeigte sich Bures erfreut und betonte, dass zwei von zehn Frauen in Österreich zumindest einmal in ihrem Leben Opfer von männlicher Gewalt werden.

Die aktuellen Zahlen zeigen einen massiven Anstieg der Frauen, die Hilfe bei den Gewaltschutzzentren suchen. Im Jahr 2007 sind um 1.543 Personen mehr als im Jahr 2006 von den Interventionsstellen betreut worden. "Seit dem Jahr 2001 haben sich damit die Fallzahlen um 172 Prozent erhöht - also fast verdreifacht", sagte Bures. Die Wiener Interventionsstelle hat sogar einen Zuwachs von 225 Prozent an betreuten Personen. Das ist ein Anstieg von 1.622 auf 5.279 Betreuungen. Man müsse diesen Anstieg aber differenziert sehen - er bedeute nicht, dass die Gewalt proportional zunimmt. "Das zeigt nur, dass Frauen wissen, sie erhalten Hilfe, wenn sie sich aus einer Gewaltbeziehung lösen wollen."

Ganz wichtig sei die Sensibilisierung - deshalb hat die Frauenministerin rund um Weihnachten die Kampagne "verliebt.verlobt.verprügelt" zur Bewerbung der Frauenhelpline (0800/ 222 555) durchgeführt. Ebenso wichtig seien wirksame Gesetze. "Und ich bin sehr froh, dass wir noch vor dem Sommer das Gewaltschutzgesetz verbessern werden", so Bures. Denn obwohl es sich um ein hervorragendes Gesetz handelt, hätten die Erfahrungen nach 10 Jahren Gewaltschutzgesetz Verbesserungsbedarf ergeben. So soll etwa die Dauer der einstweiligen Verfügung von derzeit drei Monaten auf sechs Monate verlängert werden. "Die Opfer sollen Zeit haben, die Krisensituation zu bewältigen und Zukunftsperspektiven zu überlegen." Auch den neuen Tatbestand der "beharrlichen Gewaltausübung", der erstmals das Gesamtunrecht von Gewaltbeziehungen erfassen soll, sieht Bures positiv.

Die schrecklichen Vorfälle in Niederösterreich haben das Thema Gewalt in der Familie wieder in den Blickwinkel der Öffentlichkeit gerückt. Man müsse sich gemeinsam ansehen, wie eine so unglaubliche Gewaltausübung überhaupt möglich sein konnte, Fakten sammeln, aber auch der Frage nachgehen, wie so etwas jahrzehntelang unbemerkt bleiben konnte. Es gehe darum, hinzuschauen und nicht wegzuschauen, wenn es um Machtmissbrauch an Frauen und Kindern geht. "Wir können solche Vorfälle nie hundertprozentig ausschließen, aber wir müssen alles tun, damit Gewalt keine Chance hat, damit sie bereits in ihren Ansätzen unterbunden wird", betonte Bures und zeigte sich abschließend erfreut darüber, in Innenminister Platter "einen echten Mitstreiter" zu haben und dass es "so engagierte und tolle Frauen wie Rosa Logar gibt, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Frauen, die oft unglaubliches durchgemacht haben, wieder auf die Beine zu helfen, ihnen sozusagen einen Start zurück ins Leben zu geben".

Rosa Logar betonte, dass die Interventionsstelle ihren Personalstand aufgrund der finanziellen Aufbesserung von neun auf neunzehn Dienstposten mehr als verdoppeln konnte. Ihrer Aufgabe, auch Frauen zu betreuen, auf die sie aktiv zugegangen sind - etwa durch einen Hinweis von KollegInnen oder NachbarInnen, oder direkt über die Exekutive -, könne so leichter nachgegangen werden. Nun gibt es in der Interventionsstelle armenisch, georgisch, russisch, persisch, serbokroatisch und türkisch muttersprachliche Mitarbeiterinnen. Daneben werden auch Beratungen in anderen Sprachen (etwa Englisch, Spanisch) angeboten. (Schluss) up

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