Mann: Ethische Bildung wird zu "Überlebensfrage für Gesellschaft"

Leiterin des Interdiözesanen Amtes für Unterricht und Erziehung plädiert für verpflichtenden Ethikunterricht für alle Oberstufenschüler, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen

Wien, 8.5.08 (KAP) Für einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle Oberstufenschüler, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, hat sich die geschäftsführende Leiterin des Interdiözesanen Amtes für Unterricht und Erziehung, Christine Mann, ausgesprochen. Ethische Bildung werde zunehmend zu einer "Überlebensfrage für die Gesellschaft", sagte Mann am Mittwochabend im Gespräch mit "Radio Stephansdom". Es sei an Staat und Gesellschaft deshalb die Frage zu stellen, "was es ihnen wert ist, dass sich die heranwachsende Generation verlässlich und in einem systematischen Denkprozess ethisch bildet". Zugleich wies Mann aber auch darauf hin, dass ein solcher Ethikunterricht kein zusätzliches Pflichtfach sei, das die Gesamtstundenanzahl für die Schüler erhöht.

Die Schulamtsleiterin unterstrich auch, dass es inzwischen immer mehr Schüler ohne religiöses Bekenntnis gebe bzw. solche Schüler, die einer nicht gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgemeinschaft angehören. Dazu kämen noch jene Schüler, die sich vom konfessionellen Religionsunterricht abmelden. Der Staat dürfe es aber wohl nicht zulassen, so Mann, dass Schüler selbst entscheiden, ob sie sich ethisch bilden wollen oder eben auch nicht.

Für den Ethikunterricht seien ein einheitlicher Lehrplan und eine solide Lehrerausbildung Gebote der Stunde, sagte Mann. Eine Konkurrenz zum Religionsunterricht fürchte sie nicht. Das könne durchaus auch zu einer weiteren Qualitätssteigerung führen.

Zugleich betonte Mann aber auch, dass ein Ethikunterricht den Religionsunterricht nicht ersetzen könne: "Eine Teildisziplin kann nicht das Ganze ersetzen." Der demokratische Staat sei auf die Religionen als Wertespender angewiesen und könne es sich nicht leisten, diese aus den Schulen zu verbannen, gab sich Mann überzeugt.

Viel ethische Fragen, die in einem Ethikunterricht zu behandeln sind, würden auch im Religionsunterricht zur Sprache kommen, so Mann. Dieser unterscheide sich u.a. vom Ethikunterricht aber dadurch, dass er von einer klar definierten Wertebasis ausgeht. Beim Ethikunterricht bestehe das Probleme, letztlich nur auf eine recht schmale Basis von gesellschaftlich anerkannten Werten zurückgreifen zu können; dazu zählten etwa die Menschenrechte. Diese Basis werde zudem immer kleiner, warnte Mann, da sich in einer Zeit der zunehmenden Individualisierung "jeder sein eigenes Wertekonstrukt zusammenzimmert".

So wichtig die Vermittlung von grundlegenden ethischen Werten sei, die auch ein Ethikunterricht zu leisten vermag, bringe ein Religionsunterricht doch wesentlich mehr ein, hob die Schulamtsleiterin hervor. Religion öffne den Horizont des Menschen und gebe Antworten auf die Sinnfragen des Lebens. Religion entreiße letztlich durch den Verweis auf Verantwortung und Rechenschaft vor Gott sowie dessen ausgleichende Gerechtigkeit das Handeln des Menschen der Beliebigkeit. Vor allem motiviere Religion zur Verwirklichung asketischer Werte, die für die Zukunft der Gesellschaft bzw. etwa auch des ökologischen Systems unabdingbar seien, so Mann. (forts.)
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