- 08.05.2008, 09:38:32
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Erste Anzeichen für drohenden Ärztemangel in Niederösterreich erkennbar
Arbeitsbedingungen und Einkommen sind laut Ärztekammer mögliche Gründe für Abwanderungstendenzen
Wien (OTS) - Obwohl sich die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte in den
vergangenen zwanzig Jahren ungefähr verdoppelt hat, sind keine
Anzeichen einer "Überarztung" zu erkennen. "Der Fortschritt in der
Medizin, eine rasante Zunahme älterer Patientinnen und Patienten
sowie Zivilisationserkrankungen machen die derzeitige Anzahl an
MedizinerInnen notwendig", so Ärztekammerpräsident Dr. Christoph
Reisner. Die in Niederösterreich tätigen Kollegen können nicht über
mangelnde Auslastung klagen: In den Kliniken sind Arbeitszeiten
jenseits der Gesetzeslage, die für "normale" Staatsbürger gilt, durch
Betriebsvereinbarungen legalisiert. Im niedergelassenen Kassenbereich
sind Wochenarbeitszeiten von 60 bis 70 Stunden durchaus üblich.
Immer schwieriger wird es jedoch, diese Arbeitsplätze im
öffentlichen Gesundheitssystem zu besetzen. "Man kann bereits heute
in Abhängigkeit von Ort und Fach einen deutlichen Rückgang der
BewerberInnenzahl beispielsweise für Oberarztstellen feststellen", so
Präsident Dr. Reisner. Im Weinviertel konnte eine Oberarztstelle nur
auf Werksvertragsbasis durch einen bereits pensionierten Mediziner
ungarischer Staatsbürgerschaft besetzt werden. Selbst die Nachfrage
nach Turnusplätzen schwankt stark in Abhängigkeit von der Region.
"Wenn zu langen Arbeitszeiten, schlechten Arbeitsbedingungen und
geringer Entlohnung noch räumliche Nachteile hinzu kommen, überlegt
sich selbst ein junger, flexibler Turnusarzt in Ausbildung, ob er das
alles in Kauf nimmt"; so Turnusärztevertreter Dr. Stefan Halper.
Auch die KassenärztInnen klagen über zunehmend schlechtere
Arbeitsbedingungen im Verhältnis zu Ausbildung, Verantwortung und
Arbeitseinsatz. Vor allem durch eine immer schwieriger zu
bewältigende Bürokratie, die aus zeitlicher Sicht die eigentliche
Krankenbehandlung schon übertroffen hat. "Möglicherweise ist auch das
ein Grund, warum für frei werdende Kassenstellen die Bewerberzahl von
Jahr zu Jahr schrumpft. Heuer konnten schon mehrere Kassenstellen
nicht nachbesetzt werden, da offenbar in diesen Fällen die Summe der
Faktoren für niemanden so attraktiv war, dass es zu Bewerbungen kam",
so Präsident Dr. Reisner.
Währenddessen lockt das benachbarte Ausland mit teils attraktiven
Angeboten. Vor allem in Deutschland, aber beispielsweise auch in der
Schweiz und in Skandinavien finden österreichische ÄrztInnen immer
öfter Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen vor, die sie zu einer
Migration ermuntern, Tendenz steigend. "Durch den freien
Personenverkehr in der EU ist es daher auch niemandem möglich,
zuverlässige Vorhersagen über die Verfügbarkeit von Ärztinnen und
Ärzten in einem einzelnen Land zu machen." Im Rahmen der nun
angedachten Gesundheitsreform droht jedoch eine weitere
Verschlechterung der Arbeitsbedingungen vor allem der MedizinerInnen
im niedergelassenen Bereich. "Ich befürchte daher mittelfristig einen
hausgemachten Ärztemangel im Bereich des öffentlichen
Gesundheitswesens, wenn nicht von Seiten der Politik rasch
gegengesteuert wird", so Präsident Dr. Reisner abschließend.
Rückfragehinweis:
Michael Dihlmann, Pressesprecher
Tel. 0664/144 98 94
mailto:presse@arztnoe.at
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