"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Gesetze allein sind keine Lösung" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 08.05.2008

Wien (OTS) - Längere Tilgungsfristen im Sexualstrafrecht, Berufs-und Adoptionsverbot für die Täter: Das sind richtige Entscheidungen. Auch die Wortmeldungen im Parlament zu diesem Thema waren gestern über Parteigrenzen hinweg erfreulich korrekt, sieht man von der absurden BZÖ-Forderung nach verpflichtender vierteljährlicher (!) Untersuchung aller (!) Vorschulkinder ab.
Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack. Mit derlei Anlassgesetzgebung können zwar vergleichbare Verbrechen in Zukunft vielleicht verhindert werden.

Das ist aber zuwenig. Auch unter geltendem Recht hätten die Behörden spätestens beim dritten Adoptionsansuchen im Amstettner Inzestfall skeptisch werden und genauer nachforschen können. Dann wäre man dem Verbrechen wahrscheinlich schon früher auf die Spur gekommen.
Das Problem ist, dass kein Fall dem anderen gleicht. Behörden, Angehörige und Nachbarn müssen von sich aus zwischen hysterischen Verdächtigungen und gleichgültigem Wegschauen unterscheiden.
Nur dann wird es gelingen, Jugendliche zu schützen, ohne gleich alle Eltern und Bekannten als potenzielle Kinderschänder an den Pranger zu stellen.

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