"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ob Scheich oder Lufthansa, die AUA setzt zur Notlandung an" (Von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 08.05.2008

Graz (OTS) - Der Streit mit dem reichen Scheich aus dem Morgenland ist symptomatisch für das Verhalten der AUA in den letzten Jahren, das dem in Österreich oft gelebten Motto "ich will eigentlich, aber ich trau' mich nicht so recht" folgt. Daher gleicht die Flugroute der AUA, was mögliche Partnerschaften angeht, auch einem Zick-Zack-Kurs. Wirtschaftlich ist das Höhenruder sowieso auf Tiefflug gestellt, die Verluste überwiegen die Gewinne bei weitem. Dies gilt für die gesamte Zeit seit dem Erstflug 1958. Gerade erst musste die AUA im Jubeljahr zum 50jährigen Bestand horrende 60 Millionen Euro als Minus einbekennen.

Der Schluss, der sich daraus ergibt, ist einfach. Die AUA braucht einen starken Partner wie ein Dürstender den Schluck Wasser. Die Namen sind dabei Schall und Rauch, ausschlaggebend ist nur, dass im Rucksack eine Menge Geld steckt. Die Suche ist keine Entwicklung der letzten Wochen. Schon im Herbst 2006 sollten für die defizitäre AUA die Würfel fallen. Damals galt die Air France-KLM, Europas größte Fluglinie, als Wunschkandidat. Damals schwindelte man sich über eine Kapitalerhöhung um knapp 370 Millionen Euro über die Hürden. Die Finanzspritze hat das Leiden nur verlängert.

Die Zeiten nationaler Fluggesellschaften sind vorbei. In Europa, sind Luftfahrtexperten überzeugt, werden in nicht einmal zehn Jahren nur noch fünf bis sechs große Fluglinien bestehen. Die AUA ist bei einigen, wie Air France-KLM, Lufthansa oder auch British Airways als durchaus begehrter Zukauf gelistet. Mittelgroße Fluggesellschaften, wie eben die AUA eine ist, haben schlechte Karten. Sie sind quasi Gustostücke für die großen. Ein Blick zurück in die letzten vier Jahre zeigt, was die Realität ist.

Die einst stolze Schweizer Swissair ging in Konkurs und wurde von der Lufthansa aufgesaugt. Die holländische KLM hat sich rechtzeitig vor dem Flug in Turbulenzen an die Air France gebunden. Von der belgischen Sabena blieb nach der Pleite ein Regionalflieger über. Die Alitalia steht seit Jahren vor dem Konkurs, kann nur durch Staatshilfe künstlich am Leben gehalten werden. Auf die spanische Iberia und die portugiesische TAP fliegen Lufthansa, Air France-KLM und British Airways. Die nordeuropäische SAS kämpft mit letzter Kraft um ihre Eigenständigkeit.

In der AUA müssen sich Aufsichtsrat und Vorstand darauf einstellen, dass der Kurs in die Zukunft bald von einem reichen Onkel gesteuert wird. Ob Wien und der Flughafen Schwechat in dessen Konzept eine wichtige Rolle spielen, steht in den Sternen.****

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