Platter: Hinschauen statt Wegschauen!

Erklärung des Innenministers im Nationalrat

Wien (ÖVP-PK) - Als Innenminister kann und will ich den unfassbaren, brutalen und erschütternden Inzest- und Missbrauchsfall von Amstetten nicht unerwähnt lassen. Diesen Kriminalfall kann man nicht zum bestimmenden Faktor unserer Sicherheit und der Sicherheitspolitik unseres Landes machen. Es kann und darf nicht sein, dass ein unvorstellbar grausamer und brutaler Mensch als Synonym für die Sicherheit in unserem Land gesehen wird. Das sagte Innenminister Günter Platter heute, Mittwoch, im Rahmen seiner Erklärung zu aktuellen Fragen der inneren Sicherheit im Plenum des Nationalrates. ****

Platter weiter: "Dieses brutalste und abscheulichste Verbrechen hat die gesamte österreichische Bevölkerung zutiefst erschüttert. Es macht uns fassungslos, weil es nicht vorstellbar ist, dass ein Familienvater ein solches Verbrechen begehen kann. Und es macht uns fassungslos, weil wir uns fragen, wie es geschehen konnte, dass dieses fast ein Vierteljahrhundert währende Verbrechen unentdeckt blieb. Tatsache ist, dass der Täter eine unvergleichliche Legende inszeniert und geschrieben hat, mit der er alle getäuscht hat."

Was bis jetzt zu Tage gekommen ist, das übersteige das Vorstellungsvermögen selbst der hart gesottensten und erfahrensten Polizisten. Die Ermittlungen stehen noch relativ am Anfang, laufen auf Hochtouren. Viele Fragen sind offen, jedes noch so kleine Detail wird von den Ermittlern aufgegriffen, sagte Platter und bedankte sich bei den ermittelnden Beamten, die mit Akribie und großem Einsatz rund um die Uhr arbeiten, um die offenen Fragen zu klären.

In diesem Zusammenhang appellierte Platter an die Öffentlichkeit, den Opfern jetzt den nötigen Respekt zu zollen und sie vor allem in Ruhe zu lassen. "Sie brauchen jetzt neben der besten Betreuung, die wir ihnen bieten können, vor allem eine Privatsphäre, die vor neugierigen Blicken, vor Kameras und Mikrophonen sicher ist."

Für Platter stellen sich aber Fragen, die unsere Gesellschaft direkt betreffen: Was kann die Gesellschaft, was können wir alle beitragen? "Die Konsequenz kann nicht sein, dass wir präventiv jeden Keller, jedes Zimmer, jede Ecke, jeden Hohlraum rund um die Uhr kontrollieren und überwachen. Ich will keinen Überwachungsstaat, der jeden Menschen als Problemfall und Sicherheitsrisiko ansieht. Was wir aber brauchen, ist Zivilcourage! Die kann man nicht gesetzlich regeln oder vorschreiben - dazu braucht es viel mehr: nämlich Bewusstsein, Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und natürlich auch ein Stück Mut: Hinschauen, statt wegschauen. Die Polizei braucht die Bevölkerung als Partner. Hinweise aus der Bevölkerung sind ein wesentlicher Faktor für die Aufklärung von Verbrechen."

Zu oft sei immer noch die Meinung, "Das geht mich nichts an", oder "Was ich in meinen eigenen vier Wänden mache, hat niemanden zu interessieren", so Platter. "Aber wenn es um Gewalt und Missbrauch geht, sage ich dazu ein klares Nein. Es gibt bei häuslicher Gewalt und Missbrauch innerhalb der Familie eine große Dunkelziffer. Hier Licht ins Dunkel zu bringen muss Aufgabe, Auftrag und Ziel sein." (Fortsetzung)

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle des ÖVP-Parlamentsklubs
Tel. 01/40110/4432
http://www.oevpklub.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | VPK0007