Greenpeace: EU-Kommission muss Druck der Agrarkonzerne standhalten

Weichenstellung für eine gentechnikfreie EU-Landwirtschaft möglich

Wien/Brüssel (OTS) - Angesichts der heute stattfindenden Gentechnik-Orientierungsdebatte der EU-Kommission fordert die Umweltorganisation Greenpeace eine klare Weichenstellung für eine europäische Landwirtschaft ohne Gentech-Pflanzen. Über ein Jahrzehnt nach der ersten EU-Zulassung einer gentechnisch veränderten Pflanze haben fünf EU-Staaten ein Anbauverbot für Gentech-Mais, in weiteren sechzehn Mitgliedsstaaten werden de facto keine Gentech-Pflanzen angebaut. Die Anbaufläche für gentechnisch verändertes Saatgut innerhalb der EU beträgt momentan lediglich 0,119 Prozent des gesamten Ackerlandes. Die letzte EU-weite Umfrage durch das Eurobarometer vom März 2008 bestätigt die seit Jahren ablehnende Haltung der europäischen Bevölkerung gegenüber Gentechnik in der Landwirtschaft.

"Gentechnik in der europäischen Landwirtschaft ist alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Immer mehr EU-Staaten verbieten den Gentech-Anbau, die Anbauflächen stagnieren und die Menschen in der EU lehnen Genfood mehrheitlich ab", beschreibt Greenpeace-Gentechnikexperte Steffen Nichtenberger, "Die EU-Kommission, insbesondere die österreichische Kommissarin Ferrero-Waldner, muss diesen Handlungsauftrag wahrnehmen und die Weichen für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in der EU stellen." Als ersten diesbezüglichen Schritt fordert Greenpeace eine Reform des EU-Zulassungsverfahrens für gentechnisch veränderte Pflanzen.

Im Zuge der heutigen Orientierungsdebatte soll die EU-Kommission neben einer Reform des zunehmend unter Druck geraten Gentechnik-Zulassungsverfahren auch über die Anbauzulassung der beiden gentechnisch veränderten Maissorten Bt11 von Syngenta und 1507 von Pioneer sowie der Amflora-Kartoffel von BASF beraten. Auch die österreichischen Importverbote für die Maissorten MON 810 und T25 könnten auf der Tagesordnung stehen. Ein Ergebnis der Debatte wird für heute Abend erwartet.

"Angesichts dieses Szenarios ist es nicht verwunderlich, dass Agromultis wie Monsanto, Pioneer, oder BASF alle Register ziehen und den Druck auf die Kommission erhöhen, um schnelleren Zugang zum europäischen Markt zu erhalten", so Nichtenberger, " Die Kommission muss diesem Druck standhalten und die längst überfällige Reform des Gentechnik-Zulassungsverfahrens und der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA vorantreiben." Mehrere EU-Mitgliedsstaaten hatten sich in der Vergangenheit wiederholt für diese Reformen ausgesprochen.

"Das Zulassungsverfahren basiert auf eigenen Kurzzeitstudien der Gentech-Multis und missachtet das Vorsorgeprinzip", so Nichtenberger, "Während Pestizide vor einer EU-Marktzulassung zwei Jahre auf negative Effekte für Mensch und Umwelt getestet werden müssen, werden Gentech-Pflanzen, die selbst ein Pestizid produzieren, - wenn überhaupt - nur drei Monate getestet", so Nichtenberger abschließend.

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Greenpeace CEE
Steffen Nichtenberger, Gentechnikexperte
Tel: +43 (0)664 612 67 03
steffen.nichtenberger@greenpeace.at

Weblink zur Eurobarometer-Umfrage: http://ec.europa.eu/environment/barometer/pdf/report2008_environment_en.pdf

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