Zusatzversicherung verkürzt Wartezeit bei Operationen - AK fordert Maßnahmen gegen Zwei-Klassen-Medizin

Linz (OTS) - Wie wirkt sich eine private
Zusatz-Krankenversicherung auf die Wartezeiten bei geplanten Hüft-und Knieoperationen aus? Nach welchen Kriterien wird die Dringlichkeit beurteilt? Gibt es ein transparentes Wartzeiten-Management? Der Befund der Arbeiterkammer Oberösterreich ist niederschmetternd: "Die Grenze zur Zwei-Klassen-Medizin ist bereits überschritten", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Das Institut für Höhere Studien hat im vergangenen Jahr eine Studie zu Wartezeiten auf geplante Operationen veröffentlicht und festgestellt: Für "normale Kassenpatienten" ist die durchschnittliche Wartzeit bei der Hüftoperation doppelt so lang wie bei privat Versicherten, bei der Knieoperation sogar 3,5mal so lang! Patientinnen und Patienten ohne private Zusatzversicherung - und das ist der weit überwiegende Teil - werden also massiv benachteiligt.

Die Arbeiterkammer hat das vorhandene Datenmaterial für unser Bundesland analysiert und um eigene Recherchen ergänzt. Das Ergebnis deckt sich mit jenem der IHS-Studie: Eine private Zusatz-Krankenversicherung wirkt sich beschleunigend auf die Terminvergabe bei geplanten Operationen aus. Und: Von einem transparenten, gerechten Wartezeitenmanagement kann keine Rede sein.

AK-Präsident Kalliauer übt in diesem Zusammenhang Kritik am Gesundheitsministerium: "Obwohl das Gesundheitsqualitätsgesetz zu Transparenz und zur Erhebung von Qualitätsdaten im Gesundheitswesen verpflichtet, geschieht nichts. Es gibt keine bundesweite Erhebung zur Wartezeitenproblematik."

In Oberösterreich werden pro Jahr mehr als 5000 Hüft- und Kniegelenksprothesen eingesetzt. Die steigende Lebenserwartung und die immer bessere Operationstechnik lassen den Bedarf an solchen Operationen weiter ansteigen. Bei gleichbleibenden oder sogar reduzierten Spitalskapazitäten wird sich die Wartzeitenproblematik daher weiter verschärfen.

Die Arbeiterkammer fordert daher, dass das Gesundheitsqualitätsgesetz endlich umgesetzt wird. In der Steiermark, wo bereits 2004 ein Wartelistenmanagement eingeführt wurde, konnte die Wartzeit für dringende Fälle auf maximal sechs Wochen reduziert werden. Zum Vergleich: In ganz Österreich beträgt die durchschnittliche Wartzeit laut Gesundheitsbefragung 2006 in der allgemeinen Gebührenklasse 3,2 Monate (Hüfte) bzw. 2,6 Monate (Knie).

Bei nicht akuten Operationen muss es verbindliche Maximalwartezeiten geben, und die Dringlichkeit muss auf Grundlage transparenter, nachvollziehbarer Kriterien eingestuft werden. Ein österreichweit gültiges und regional umgesetztes Wartezeitenmanagement muss die Grundlage für eine gerechte Terminvergabe sein. "Die derzeitige Situation ist jedenfalls untragbar. Durch die langen Wartezeiten wird die Lebensqualität der Betroffenen massiv beeinträchtigt", so AK-Präsident Kalliauer.

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