60 Jahre Israel: Auch kirchliche Beiträge zum Staatsjubiläum

Bedeutung der Staatsgründung durch Ben Gurion beschäftigt Kirchen nicht zuletzt im Zusammenhang mit der vorangegangenen "Shoah"

Wien, 7.5.08 (KAP) Vor 60 Jahren, am 14. Mai 1948, ist der Staat Israel ausgerufen worden. Der Zeitrechnung des jüdischen Kalenders gemäß wird dieser Jahrestag aber in diesem Jahr bereits am 8. Mai gefeiert. Die Bedeutung dieser Staatsgründung beschäftigt - nicht zuletzt im Zusammenhang mit der vorangegangenen "Shoah" - bis heute auch die christlichen Kirchen.

So hatte vor drei Jahren Kardinal Christoph Schönborn in einem Vortrag an der Hebräischen Universität Jerusalem betont, Christen sollten die Heimkehr der Juden aus den verschiedenen Orten der Diaspora nach "Erez Israel", dem Land der Verheißung, als "Zeichen der Hoffnung" verstehen. Die Heimkehr nach "Erez Israel" dem "Verheißenen Land Israel", sei "ein heiliges Gebot, das sich aus dem bleibenden Bund ergibt"; freilich sei sie nicht mit einer eigenen Staatsgründung identisch. Das hindere aber nicht daran, den Wunsch nach einer nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes zu bejahen, "ja zu begrüßen und zu unterstützen, wie es vielfach von christlicher Seite geschah", so der Kardinal.

Die Staatlichkeit müsse aber auch der palästinensischen Bevölkerung wirklich gerecht werden. Der lange Weg zu einem dauerhaften Frieden sei jedenfalls noch nicht zum Ziel gelangt.

Ausstellung im Bibelzentrum

Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Staates Israels zeigt das Bibelzentrum beim Wiener Museumsquartier (Wien 7, Breite Gasse 4-8) seit Dienstag Bilder mit Motiven aus der Bibel. Gemalt wurden sie von Kindern und Jugendlichen aus Israel. Im Rahmen eines Wettbewerbs sind ausdrucksstarke und farbenfrohe Bilder zur hebräischen Bibel entstanden. Von der Erschaffung der Welt über den Turmbau zu Babel bis zu Abraham oder der Himmelfahrt des Propheten Elias reicht der Bogen der Darstellungen.

Dankbar für die gute Kooperation bei der Organisation der Ausstellung zeigte sich der israelische Botschafter in Wien, Dan Ashbel. Bei der Eröffnung der Ausstellung sagte Ashbel, die Bilder zeigten die Verbundenheit mit der Bibel. Für Kinder, die in Israel aufwachsen, sei das Land der Bibel nicht fremd, sondern Heimat. Ashbel wies darauf hin, dass mehrere Bilder von Kindern aus Sderot nahe dem Gaza-Streifen gemalt wurden. "Sie leben in einer Situation, wo der Weg zur Schule, das Schlafen im eigenen Bett, Gefahr bedeutet", so der Botschafter.

Die Direktorin des Bibelzentrums, Jutta Henner, sagte, die Ausstellung verstehe sich auch als Beitrag zum Schwerpunktjahr der evangelischen Kirche. Das Jahr thematisiere das Verhältnis zwischen Christen und Juden.

Der Vizepräsident der Bibelgesellschaft, der frühere methodistische Superintendent Prof. Helmut Nausner, verwies darauf, dass die Bibel das "Denken und Handeln Europas" geprägt habe. Die Bilder der Kinder und Jugendlichen wirkten, so Nausner, "unmittelbar" und brächten zum Ausdruck, "was in ihren Vorstellungen gewachsen ist". Gleichzeitig könnten die Bilder auch ein wichtiger Impuls für Erwachsene sein, "sich neu mit der Bibel zu beschäftigen". Rund um die Ausstellung wird in der "Langen Nacht der Kirchen" am 30. Mai im Bibelzentrum ein vielfältiges Rahmenprogramm geboten.

Mitschuld der Kirchen

Im Zeichen Israels steht auch das "Lange Nacht"-Programm der evangelischen Thomaskirche in Wien-Favoriten (Pichlmayergasse 2). Hier wird israelische Folklore geboten; um 20 Uhr gibt es eine Diskussion zur Frage der Mitschuld der evangelischen Kirche an der NS-Judenverfolgung. Teilnehmer sind der Präsident der jüdischen Vereinigung "B'nai B'rith", Victor Wagner, der Wiener Superintendent Hansjörg Lein und Pfarrer Andreas Carrara.

60 Fotos von David Rubinger am Judenplatz

Das Jüdische Museum Wien zeigt anlässlich des israelischen Staatsjubiläums Fotografien des gebürtigen Wieners David Rubinger, der die israelische Geschichte mit seiner Kamera begleitet hat. Die ab Mittwoch zugängliche Fotoinstallation "60 Jahre Israel" im Museum auf dem Judenplatz besteht aus 60 Fotografien; für jedes Jahr seit der Gründung Israels im Jahr 1948 wurde ein signifikantes Bild ausgewählt.

Der heute 84-jährige langjährige "Time Magazine"-Fotograf David Rubinger schoss das wohl berühmteste fotografische Zeugnis des Sechs-Tage-Krieges 1967, als die israelische Fallschirmjäger-Brigade die Jerusalemer Altstadt eroberte und ehrfürchtig, zum Teil mit abgenommenen Helmen, vor der Klagemauer standen. Er selbst "lag da und heulte", erzählte Rubinger über diese Heimkehr an einen der zentralen Orte jüdischer Identität. Anlässlich der Ausstellungseröffnung reiste er in seine Geburtsstadt, wo er bereits 1994 mit einer Ausstellung im Jüdischen Museum als "Zeuge einer Epoche" präsent war.

Die Schau "David Rubinger: 60 Jahre Israel" ist bis Anfang September 2008 im Museum Judenplatz zu sehen. (forts mgl)
K200804138
nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0001