"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die EU schützt weiter den Lkw" (Von PETER NINDLER)

Wenn die EU statt dem sektoralen Lkw-Fahrverbot generell Tempo 100 vorschlägt, ist das ein glatter Hohn. Ausgabe vom 7. Mai 2008

Innsbruck (OTS) - Die Verkehrspolitik der EU ist eine der unterschiedlichen Interessen. Einerseits werden die Länder dazu angehalten, die Grenzwerte für Luftschadstoffe einzuhalten, gleichzeitig behindert die Kommission Maßnahmen dagegen. Nicht, dass das sektorale Lkw-Fahrverbot Tirols Transitprobleme löst, zumal die Schadstoffbelastung dadurch nur um 1,5 Prozent im Jahr gesenkt wird. Aber es ist ein Signal für die Verlagerung auf die Schiene. Und das wird wiederum gewünscht, soll doch der geplante und von der EU mit einer Milliarde Euro geförderte Brennertunnel dereinst ausgelastet sein.
Europaweit höhere Mauttarife wären zweifellos die effizienteste Maßnahme. Nur die EU hat sie bis heute nicht verordnet. Deshalb ist jeder in den Brennertunnel investierte Euro ein vergeudeter, wenn die Lkw-Mauten in Italien und Deutschland nicht auf Tiroler Niveau angehoben werden. Vielleicht hält die neue Wegekostenrichtlinie, was die EU verspricht und macht das Lkw-Verbot obsolet.
Dass die EU als Alternative generell Tempo 100 auf der Inntalautobahn vorschlägt, darf hingegen als blanker Hohn verstanden werden. Die Transitwelle rollt durch Tirol, aber die EU tritt beim Pkw auf die Bremse und nicht beim Lkw. Die EU übersieht, dass in der Nacht ohnehin Tempo 110 gilt, wenn nicht gerade der Luft-Hunderter aufblinkt.
Die Belastung durch den Schwerverkehr lässt sich nicht so einfach wegdiskutieren. Trotzdem sollte Österreich einen EU-Vorschlag aufnehmen: das Verbot für Lkw der Schadstoffklasse drei. Denn es benötigt beides: mengenmäßige Obergrenzen für Transitfahrten mit möglichst schadstoffarmen Lkw.

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