Papst traf Mitglieder der Dialogorganisation des Iran (2)

Gewaltfreiheit von Religion bekräftigt

In einer gemeinsamen Schlusserklärung des Kolloquiums bekräftigten iranische und vatikanische Vertreter, dass Religion "in sich gewaltlos" ist. Weder Vernunft noch Glaube dürften für Gewalt benutzt werden. Leider sei dieser Missbrauch in der Vergangenheit geschehen. Dies könne aber nicht Vernunft oder Glauben in Frage stellen. Glaube und Vernunft seien "Gaben Gottes an die Menschheit" und könnten nicht in Widerspruch zueinander stehen. Der Glaube könne mitunter über der Vernunft stehen, "aber niemals gegen sie", betonten die katholischen und islamischen Theologen.

Beide Seiten verständigten sich auf eine stärkere Zusammenarbeit zur Förderung "echter Religiosität" und der entsprechenden Spiritualität. Dabei müsse man zu Respekt vor religiösen Symbolen und zur Wahrung moralischer Werte ermutigen. Über bloße Toleranz hinaus sollten Christen und Muslime Unterschiede akzeptieren und Gemeinsamkeiten erkennen. Ausdrücklich verurteilten beide Seiten ein Lächerlichmachen von religiösen Überzeugungen.

Weiter warnten die Theologen vor Generalisierungen im Gespräch über Christen und Muslime. Den unterschiedlichen Bekenntnissen innerhalb beider Religionen sowie den geschichtlichen Kontexten sei Rechnung zu tragen. Zudem dürften religiöse Traditionen nicht auf der Grundlage einzelner Aussagen der jeweiligen Heiligen Schrift beurteilt werden. Notwendig sei "eine ganzheitliche Sicht wie auch eine angemessene hermeneutische Methode".

Das nächste Kolloquium wird in zwei Jahren in Teheran gehalten werden. Delegationsführer auf vatikanischer Seite war Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Delegationsführer auf iranischer Seite Mahdi Mostafavi, der Präsident des ICRO. Der vatikanischen Delegation gehörten u.a. auch der Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Erzbischof Pier Luigi Celata, und der chaldäisch-katholische Erzbischof von Teheran, Ramzi Garmou, an. (ende)
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