"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Trügerische Sicherheit" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 01.05.2008

Wien (OTS) - Die Finanzmarktaufsicht will heimische Banken, Versicherungen und Wertpapierdienstleister künftig strenger prüfen. Das ist löblich, sollte aber Kunden und Anleger nicht in falsche Sicherheit wiegen.
Wie die Vorfälle rund um Meinl European Land gezeigt haben, verbergen sich die finanziellen Fallen oft irgendwo im Kleingedruckten. Da werden dann vom Geld der Anleger Millionenbeträge für die Verwaltung oder gar für Markenrechte abgezweigt, die im Zweifelsfall völlig wertlos sind.
Vor solchen formell völlig legalen Aktionen zu Lasten der Anleger kann auch die beste Aufsicht nicht schützen. Im Gegenteil: Übergroßes Vertrauen in die Allmacht der Kontrollore verleitet zu Leichtsinn. Die Prüfer können aber nur die Einhaltung der Gesetze und Ordnungsvorschriften überwachen, aber niemals den Kapitalverlust von Anlegern bei riskanten Produkten verhindern.
Das Platzen der diversen "Blasen" zeigt deutlich, wie schnell sich die Märkte drehen können. Da war um die Jahrtausendwende die "Internetblase". Damals wollten uns die Wertpapiergurus einreden, dass die alten Gesetze nicht mehr gelten: In der virtuellen Welt würden andere Werte zählen als in der Realwirtschaft. Dubiose Unternehmen mit klingenden Namen, aber ohne nennenswerte Umsätze oder gar nachhaltige Gewinne waren auf einmal an den Börsen mehr wert als Industriegiganten.
Das Erwachen war für viele Anleger schmerzhaft. Manche verloren die Hälfte, viele 80 Prozent und mehr des eingesetzten Kapitals.
Der Schock war nur kurzfristig heilsam. Es folgten praktisch zeitgleich die Immobilienblase und der Handel mit mehr oder weniger dubiosen "Kreditpaketen" ("asset backed securities"), von denen einige Immobilien betrafen und zur "Subprime-Krise" führen.
Als die Blasen geplatzt waren und die Banken einander selber - zu Recht! - nicht mehr vertrauten, explodierten der Goldpreis und die Notierungen für Erdöl, Rohstoffe und Nahrungsmittel. Auch diese Blase wird irgendwann in den nächsten Monaten wieder platzen, und keine Finanzmarktaufsicht kann etwas dagegen tun, weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene.
Eine Spur Vernunft genügt, um die Risiken zu erkennen. Von Privatanlegern dürfte man sich nach den diversen Crashs der jüngsten Zeit erwarten, bei großen Banken müsste man sie voraussetzen.
Seit Banken wie die Schweizer UBS oder Merrill Lynch tief in den Strudel gigantischer Fehlspekulationen gerissen wurden, gilt auch das nicht mehr. Selbst diese Giganten haben eine Grundregel vernünftigen Anlegens vernachlässigt: "Ein Produkt, das man nicht versteht, sollte man auch nicht kaufen." Für Kleinanleger gilt das erst recht.

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