Creditreform Unternehmensinsolvenzstatistik 1. Quartal 2008: Guter Start ins neue Jahr

Firmeninsolvenzen deutlich rückläufig; Österreichs Unternehmen trotzen (noch) der Finanzkrise

Wien (OTS) - Die Insolvenzstatistik von Creditreform mit den endgültigen Zahlen des 1. Quartals 2008 zeigt, dass die Unternehmensinsolvenzen stark rückläufig sind. 1.468 Unternehmen haben in den ersten drei Monaten Insolvenz angemeldet, das ist mit einem Minus von 16,3% der stärkste Rückgang seit zwei Jahren. Sowohl die Zahl der eröffneten Insolvenzen (730 Firmen, -6,6%) als auch die Zahl der mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge (716 Firmen, -26,3%) ist gesunken. "Die österreichischen Unternehmen haben in der guten Konjunktur ihre Chance zum weiteren Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit genützt, jetzt ist aber für die schlechter werdenden Zeiten vorzusorgen. Gefragt ist nun Risikomanagement", sagt Rainer Kubicki, Geschäftsführer von Creditreform Österreich.

Weniger "schlechte" Insolvenzen

Bemerkenswert ist die rückläufige Entwicklung bei den mangels Masse abgewiesenen Konkursanträgen, da in diesen Fällen nicht einmal der Kostenvorschuss oder ein hinreichendes Vermögen für die Verfahrenseröffnung von durchschnittlich Euro 4.000 nachgewiesen werden kann und somit zu einem 100%igen Forderungsausfall führt. Diese für die Gläubiger besonders negativen Verfahren sind um 26,3% auf 716 Fälle gesunken. Dies ist umso mehr zu begrüßen, als nur ein ordentlich abgewickeltes Insolvenzverfahren zu einer wenigstens teilweisen Befriedigung der Gläubiger führt.

23 insolvente Unternehmen pro Tag, 4 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen

Statistisch gesehen kam es im 1. Quartal 2008 zu 23 Insolvenzen pro Werktag, 4 von 1.000 Unternehmen wurden zahlungsunfähig. Fast jede zweite Insolvenz betraf einen Gewerbebetrieb, der weniger als fünf Jahre alt war.

Insolvenzquote - Wien am stärksten betroffen

Setzt man die Zahl der Unternehmen in einem Bundesland ins Verhältnis zur Zahl der Insolvenzen erhält man die Insolvenzquote. Die höchste Insolvenzbetroffenheit wiesen demnach Wien (5,4), das Burgenland (4,9) und Kärnten (4,5 je 1.000 Unternehmen) auf. Im Bundesländervergleich behielt Wien auch absolut betrachtet mit 447 insolventen Unternehmen die Spitzenposition. Die geringste Insolvenzbetroffenheit herrschte unter den Unternehmen in Oberösterreich und Salzburg mit jeweils 3,2 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen. Die stärksten Rückgänge verzeichneten Salzburg (-37,3%), Niederösterreich (-24,1%) und Wien (-20,5%). Lediglich im Burgenland (+11,5%) und Kärnten (+6,9%) stiegen die Insolvenzen.

Branchenranking

Creditreform hat zum objektiven Vergleich der Branchen eine Brancheninsolvenzquote errechnet. Diese ergibt sich aus dem Verhältnis der Zahl der Insolvenzen in einer Branche zur Gesamtzahl aller Branchenunternehmen. Die Bauwirtschaft führt dieses Ranking mit 11,3 Insolvenzen je 1.000 Branchenunternehmen an und verzeichnete mit 273 Insolvenzen in den ersten drei Monaten einen Anstieg um 14,7%. Den stärksten Rückgang gab es in der Branche der unternehmensbezogenen Dienstleistungen mit Minus 41% auf 349 Insolvenzen. Der gesättigte und umkämpfte Markt scheint sich in den vergangenen beiden Jahren konsolidiert zu haben. Erfreulich für das Tourismusland Österreich ist, dass die Branche "Beherbergungs- und Gaststättenwesen" - eine für die österreichische Volkswirtschaft wichtige Schlüsselbranche - einen Rückgang bei den Insolvenzen um 3,3% (232 Insolvenzen) verbuchte. Zurückzuführen ist das auf umfassende Investitionen (Thermal- und Wellnesstourismus, mehr Qualitäts- als Massentourismus) und vor allem auf den verstärkten Zustrom von Gästen aus Osteuropa.

Conclusio 1. Quartal 2008 - Besseres Management, weniger Risiko

Österreichs Unternehmen haben die Gunst der Stunde genutzt und in den vergangenen Jahren der wirtschaftlichen Prosperität ein gesundes Fundament aufgebaut. Die Kreditkrise in den USA trifft sie daher aufgrund der nicht mehr so stark vorhandenen Abhängigkeit vom amerikanischen Markt und dem US-Dollar nur sehr abgeschwächt. Der EU-Erweiterung sei Dank. Die internationalen Auswirkungen aber, welche sich in anderen Ländern in einer Kreditkrise und teueren Krediten niederschlagen, werden möglicherweise auch nicht vor der heimischen Unternehmenslandschaft spurlos vorüberziehen. Die Konjunktur flacht ab, die Inflation steigt. Besonders wichtig ist daher finanzielles Risikomanagement. Eine Creditreform-Erhebung hat nämlich gezeigt, dass bei 75% der Insolvenzen Managementfehler wie Fahrlässigkeit, Fehler im innerbetrieblichen Bereich und persönliches Verschulden die Ursachen sind. Daher sind gut ausgebildete Unternehmer und Manager die beste Insolvenzprophylaxe. Unternehmen ist zu raten, generell vorsichtig zu agieren, indem sie ihre Kunden sorgfältiger auf deren Zahlungsfähigkeit prüfen und auf die eigene Liquidität Bedacht nehmen. Damit machen sie ihre Geschäfte sicherer. Besondere Vorsicht ist aufgrund der steigenden Privatinsolvenzen bei Privatkunden und Konsumenten zu üben. Rechtzeitiges Mahnen und Betreiben der Forderung, somit professionelles Forderungsmanagement, ist ein Gebot der Stunde, will man zu seinem Geld kommen. "Ohne Risiko- und Forderungsmanagement sind Unternehmen geschäftlich im Blindflug unterwegs und riskieren damit die eigene Insolvenz," sagt Rainer Kubicki und rät zu mehr Umsicht im Geschäftsverkehr.

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