Creditreform Privatinsolvenzstatistik 1. Quartal 2008: Ernüchternde Bilanz

Trotz guter Konjunkturlage und rückläufiger Gesamtinsolvenzen hält der Negativtrend bei Privatinsolvenzen an

Wien (OTS) - Die endgültigen Zahlen der Insolvenzstatistik von Creditreform für das 1. Quartal 2008 bestätigen den Negativtrend der letzten Jahre bei den Privatinsolvenzen. Während die Unternehmensinsolvenzen weiterhin rückläufig sind, stiegen die Privatinsolvenzen im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres um 10,7% an und erreichten einen neuen Rekordstand von 2.365. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. "Angesichts der etwa 300.000 überschuldeten Haushalte in Österreich ist leider großes Potential auch weiterhin an neuen Insolvenzkandidaten vorhanden", sagt Rainer Kubicki, Geschäftsführer von Creditreform Österreich. Bereits jetzt kommt es durchschnittlich zu 37 Privatinsolvenzverfahren pro Werktag, auf 10.000 erwachsene Österreicher entfallen statistisch mehr als drei insolvente Schuldner. Die durchschnittliche Verschuldung beträgt je Insolvenz ca. Euro 40.000.

Privatinsolvenzen: Das Bundesländerranking

Im Bundesländervergleich verzeichneten Vorarlberg (+25%, 195 Fälle) und Wien (+23,9%, 840 Fälle) den höchsten Zuwachs an Privatinsolvenzen. Ein niedriger Anstieg ließ sich in Salzburg (+3,1%, 133 Fälle) beobachten. Wirklich positiv fiel in diesem Vergleich nur Tirol auf, das als einziges Bundesland einen Privatinsolvenz-Rückgang (-18,9%, 227 Fälle) vorweisen konnte.
In Vorarlberg gab es mit fast 7 insolventen Privatpersonen pro 10.000 erwachsene Einwohner doppelt so viele Insolvenzen wie im österreichischen Durchschnitt (3,5 je 10.000 Einwohner). Auch hier lag Wien mit 6,2 Insolvenzen je 10.000 Erwachsenen auf Platz zwei. Die niedrigste Insolvenzbetroffenheit herrschte im Burgenland (1,7 Insolvenzen je 10.000 Erwachsene).

Positiv: Rückgang bei mangels Masse abgewiesenen Konkursanträgen

Ein Lichtblick dieser Statistik ist der Rückgang an mangels Masse abgewiesenen Privatkonkursanträgen um immerhin 11,3% auf 297 Fälle. Diese Tendenz ist erfreulich, da nur ein ordentliches Schuldenregulierungsverfahren sicher stellt, dass überschuldete Haushalte und Personen entlastet werden und einen Neustart unternehmen können. Die anerkannten Schuldnerberatungsstellen leisten hier durch ihre professionelle Beratung und Vorbereitung gute Arbeit.

Conclusio 1. Quartal 2008 - Mehr Information, weniger Risiko

Während sich die österreichischen Unternehmen über einen guten Start ins neue Jahr freuen können, ist die Bilanz bei den Privatinsolvenzen ernüchternd. Hinter der Zahl von 2.365 Privatinsolvenzen stehen Menschen bzw. Familien, die für die nächsten Jahre mit dem Existenzminimum auskommen müssen. Die Ursachen dieser ernüchternden Bilanz liegen nicht nur in der Inflation und den steigenden öffentlichen Gebühren, sondern schlicht in der Tatsache, dass viele Österreicher über ihren Möglichkeiten leben und es am privaten Finanzmanagement fehlt. Unüberlegte Ratenvereinbarungen und leicht zu erlangende Konsumenten-Kredite machen es vielen dabei zu leicht. Dazu kommt mangelnde Kenntnis im richtigen Umgang mit Geld. Auch bei Konsumenten müssten daher objektive Kriterien der Risikoprüfung und damit Kreditvergabe gelten. Kreditnehmer müssen einfach genauer unter die Lupe genommen werden (können). Um hier schlechte Zahler schneller zu erkennen, sollten Wirtschaftsauskunfteien und Inkassoinstitute Zugang zum Exekutionsregister der Gerichte erhalten. Wer nicht zahlt und bei wem die Forderung gerichtlich eingetrieben werden muss, soll nicht noch weiter auf Kosten der Gläubiger leben können. Auch die EU-Kommission fordert in einem Grünbuch zur Stärkung der Rechte der Gläubiger einen besseren Austausch von Informationen über den Vermögensstand von Schuldnern.

"Scheidung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit sind nicht schuld an der hohen Anzahl der Privatkonkurse. Hierbei handelt es sich hauptsächlich eher um 'Insolvenzkatalysatoren', die zu einer Beschleunigung der Schuldenspirale führen. Deshalb plädieren wir dafür, dass Kreditnehmer strenger geprüft werden und dass eine Bonitätsprüfung für Privatpersonen möglich wird", sagt Rainer Kubicki. Ein weiterer Aspekt, der nicht vergessen werden darf ist, dass einige schlechte Zahler auch die Existenz ihrer Gläubiger massiv gefährden. Letztlich würden die Maßnahmen des Gläubigerschutzes aber auch dem Selbstschutz der Schuldner vor weiterer Verschuldung dienen.

Anhänge zu dieser Aussendung finden Sie als Verknüpfung im AOM/Original Text Service sowie im Volltext der Aussendung auf http://www.ots.at .

Rückfragehinweis:

Rückfragen & Kontakt:

nd Insolvenzstatistik:
Mag. Gerhard M. Weinhofer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit
Creditreform Österreich
Tel.: +43-1-218 62 20-551
g.weinhofer@wien.creditreform.at
www.creditreform.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | CDR0001