Erstes "Ö1-Dossier" und ORF-DialogForum: Arbeit - "Und wovon leben Sie?"

"Lernen, leisten, leben" als neues Credo der Wissensgesellschaft? - Chancen und Risiken neuer Arbeitsformen

Wien (OTS) - Das ORF-DialogForum widmete sich im Rahmen des ersten "Ö1-Dossiers" unter dem Titel "Und wovon leben Sie?" am Montag, dem 28. April 2008, dem für die Menschen und die moderne Gesellschaft immer wichtiger werdenden Thema Arbeit. Unter der Leitung von Ö1-Redakteur Wolfgang Ritschl diskutierten die Wirtschaftsforscher und Arbeitsmarktexperten Jörg Flecker (Wissenschaftlicher Leiter von FORBA), Michael Meyer (Vorstand des Instituts für Organisation und Verhalten in Organisationen an der Wirtschaftsuniversität Wien), Andrea Schober (Interessengemeinschaft work@flex in der Gewerkschaft der Privatangestellten-DJP), Anna Schopf (Mitbegründerin der Internet-Plattform generation-praktikum.at) und Peter Zellmann (Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung) im ORF KulturCafe über den Arbeitsmarkt der Zukunft, die "Generation Praktikum", das Prekariat und die Chancen und Risiken zunehmender Flexibilisierung.

Flexibilisierung - zwischen Risiko und Chance

Im Mittelpunkt der Diskussion standen prekäre Arbeitsverhältnisse, die den Betroffenen oft viele Opfer für vergleichsweise geringe Gegenleistungen abverlangen: schlechte Bezahlung, hoher Erfolgsdruck, wenig bis keine Sozialleistungen. Jörg Flecker sieht davon große Teile der Gesellschaft betroffen und hält es nicht nur für ein Problem einer kleinen Bevölkerungsgruppe: "Es gibt in Österreich rund 230.000 Arbeitstätige, die unter anderem durch die zunehmende Flexibilisierung armutsgefährdet sind. Das heißt, es wird zusehends zu einem gesellschaftlichen Problem, keinen sicheren Job zu haben und nicht genug Geld zu verdienen." Andrea Schober sieht in der zunehmenden Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse häufig ein strategisches Vorgehen von Unternehmen, die die Abhängigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausnutzen: "Viele Angestellte entscheiden sich nicht freiwillig für flexible Arbeitsverträge. Die meisten wollen arbeiten und akzeptieren oft aus Unwissenheit oder Unsicherheit für sie schlechte Arbeitsbedingungen oder sind einfach nicht in der Lage, ihre Rechte geltend zu machen."

In diesem Zusammenhang verwies Anna Schopf auf die sogenannte "Generation Praktikum", junge Menschen, die oft trotz guter Qualifikationen von einem Praktikum zum nächsten wechseln, um überhaupt den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen: "Junge Leute sind oftmals hoch motiviert und wollen arbeiten, sehen sich aber aufgrund mangelnder Alternativen dazu genötigt, unterbezahlte Praktika anzunehmen. Meist handelt es sich dabei aber um normale Arbeitsverhältnisse, die dementsprechend auch arbeitsrechtlich abgesichert sein sollten. Momentan sehe ich die Risiken eines Praktikums höher als die damit verbundenen Chancen."

Schlagworte der Zukunft: Lebenslanges Lernen und Work-Leisure-Balance

Auf der anderen Seite bieten flexible Arbeitsverhältnisse aber auch Vorteile für die Arbeitnehmerschaft: "Nicht alles an der aktuellen Entwicklung ist schlecht", gibt Michael Meyer zu bedenken. "Es gibt durchaus Menschen, die diese neuen Formen der Beschäftigung wollen und auch zu ihrem Vorteil nutzen, um Arbeit und Privatleben besser vereinen zu können. Dennoch tun Unternehmen gut daran, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pfleglich und respektvoll zu behandeln, da sich das in the long run positiv niederschlagen wird." Auch Peter Zellmann sieht in der Flexibilisierung eine Chance für eine positive Entwicklung der Gesellschaft: "Es geht eigentlich darum, Formen selbstbestimmter Arbeit zu fördern. Wenn man das schafft, dann ist die Flexibilisierung eine große Chance." Für ihn liegt der Schlüssel in lebenslangem Lernen: "Wissen wird immer mehr wert. Man muss sich die nötigen Kompetenzen aneignen, seinen Horizont erweitern und Wissen wie ein Schwamm aufsaugen: Lernen, leisten, leben."

"Ö1-Dossier"

Das erste "Ö1-Dossier" - vom 23. April bis 4. Mai 2008 - widmet sich dem Thema Arbeit. Zwei Wochen lang gestaltet die Ö1-Wissenschaftsredaktion schwerpunktartig Sendungen, die sich unter verschiedenen Blickwinkeln dem Thema widmen und anschließend im Internet unter http://oe1.ORF.at zu einem "Dossier" zusammengefügt werden. Auch künftige Sendungen zum Thema und aktuelle Debattenbeiträge werden in diesem redaktionell betreuten Archiv abrufbar sein.

Das ORF-DialogForum

Das ORF-DialogForum ist eine Initiative im Rahmen der ORF-Public-Value-Maßnahmen, um das Gespräch mit seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der Zivilgesellschaft zu beleben. Im Mittelpunkt der Diskussionsreihe stehen Herausforderungen und Perspektiven gesellschaftlicher Verantwortung in den unterschiedlichen Lebensbereichen der Menschen. Weitere Veranstaltungen zu den Themenbereichen Jugend, Umwelt und Wirtschaft sind für dieses Jahr geplant.

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