Vierte Verleihung des Klaus-Liebscher-Preises

Wien (OTS) - Im Rahmen der 36. Volkswirtschaftlichen Tagung der Oesterreichischen Nationalbank überreichte Präsident Schimetschek heute zum vierten Mal den Klaus-Liebscher-Preis. Dieser Preis wurde 2005 anlässlich des 65. Geburtstages von Gouverneur Liebscher in Anerkennung seiner Leistungen für Österreichs Teilnahme an der Europäischen Währungsunion und für die europäische Integration eingerichtet.

Der Preis wird jährlich vergeben und es werden maximal zwei Arbeiten mit jeweils EUR 10.000,- ausgezeichnet, die von jungen ÖkonomInnen aus EU-Mitglieds- oder EU-Kandidatenländern verfasst wurden und die sich in hervorragender wissenschaftlicher Weise mit Themen der europäischen Integration und Währungsunion auseinandersetzen. Der Klaus-Liebscher-Preis ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung, welche die Oesterreichische Nationalbank zu vergeben hat.

Aus einer Vielzahl hochwertiger Einreichungen wurden zwei Studien von hoher wirtschaftspolitischer Aktualität ausgewählt, nämlich:

1.) "The Real Consequences of Financial Market Integration when Countries are Heterogeneous" von Kerstin Gerling, Universität Mannheim, setzt sich mit den Auswirkungen der Finanzmarktintegration auf die Struktur internationaler Kapitalflüsse und wirtschaftlicher Entwicklung auseinander. Gerling entwickelt eine Theorie aus der hervorgeht, dass die Integration von Ländern in den internationalen Finanzmarkt ambivalente Ergebnisse zeitigen kann. Einerseits ist solch eine Integration zwar insgesamt ökonomisch vorteilhaft, andererseits können einzelne Länder über den Effekt der Finanzmarktintegration auf die Struktur von Kapitalflüssen und die Verfügbarkeit von Kreditfinanzierung auch Nachteile aus der Integration haben. Aus der Theorie lassen sich Bedingungen ableiten, unter denen es für ein Land vorteilhaft ist, eine Integration in den internationalen Finanzmarkt aktiv anzustreben und voranzutreiben.

2.) "Testing the Tax Competition Theory: How elastic are National Tax Bases in Western Europe", verfasst von Aleksandra Riedl and Silvia Rocha-Akis, Wirtschaftsuniversität Wien, analysiert die Theorie des Steuerwettbewerbs zwischen Ländern an Hand von Daten aus 14 Westeuropäischen Ländern. Die empirische Evidenz zeigt, dass die Steuerbasis kleiner Länder relativ schwach auf die Steuersätze in Nachbarländern reagiert und hauptsächlich von den inländischen Steuertarifen abhängt. Im Gegensatz dazu zeigen die Daten, dass die Steuerbasis großer Länder sehr stark auf Steuersätze in den umliegenden Ländern reagiert. Diese empirischen Fakten sind vor allem für die wirtschaftspolitische Diskussion um Steuerwettbewerb und Steuerharmonisierung in Europa von großer Bedeutung.

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