Wlodkowski: Welternährung durch Mehr-Produktion sichern

Heute beginnt "Woche der Landwirtschaft" - Motto: Lebensmittel - sicher - wertvoll

Wien (OTS) - "Die Ursachen für die Ernährungskrisen in Ländern der Dritten Welt sind zwar mit Dürrekatastrophen, Missernten, Bevölkerungswachstum, veränderten Ernährungsgewohnheiten in den Schwellenländern, massiver Landflucht, aber auch Börse-Spekulationen und förmlich explodierenden Erdölpreisen klar umrissen und außer Diskussion. Dennoch müssen immer wieder die EU-Agrarpolitik und der Bio-Treibstoff fälschlicherweise als Sündenböcke herhalten. Die EU hat mit der Aufhebung der Flächenstilllegung und der Minimierung der Markteingriffe durch Intervention und Exportstützung bereits reagiert, und für Biotreibstoffe werden in Europa nur 1,5% der Agrarrohstoffe verwendet. Die Unwetter haben im Vorjahr das Zehnfache, also 15% Ernteeinbußen, verursacht", stellte heute Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, anlässlich des Beginns der "Woche der Landwirtschaft" klar, wo die wahren Gründe für die gestiegenen Lebensmittelpreise zu finden sind und wo auf gar keinen Fall.

Niedrig-Preise führten zu Landflucht

Jene Länder, in denen derzeit die Nahrung knapp ist, sind überwiegend agrarisch dominiert, der Agrar-Anteil an der Bevölkerung liegt jenseits der 50%. In den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten stieg die Produktivität der Landwirtschaft vor allem in den Industriestaaten stark an. Gleichzeitig sorgten politische Entscheidungen, wie die EU-Agrarreform und internationale Übereinkommen wie WTO für weltweit sinkende Agrarpreise. "Das hat zwar bei uns die Inflation deutlich gedämpft und den Konsumenten gefallen, doch die Bauern vor allem in den Entwicklungsländern verarmten. Die Folge war eine massive Landflucht: Seit dem vergangenen Jahr leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Die Agrarproduktion ging gerade in den von Hunger am meisten berührten Ländern als Folge der Niedrigpreispolitik deutlich zurück. Dazu kamen massive Nahrungsmittelhilfen, die in den meisten Fällen Markträumungsmaßnahmen der Industriestaaten und/oder Militärhilfe unter anderem Vorzeichen waren. Auch das wirkte sich verheerend auf die lokale Agrarproduktion in den ärmsten Ländern aus", skizzierte Wlodkowski die Ursachen für die Entwicklung der vergangenen Wochen.

Höhere Preise als Produktionsanreiz

"Steigende Agrarpreise bewirken, dass sich in den Entwicklungsländern eine landwirtschaftliche Erzeugung wieder lohnt. Die Bauern können in produktionsfördernde Güter wie Landmaschinen, Pflanzenschutzmittel oder Dünger investieren und so die dringend benötigten Nahrungsmittel aus eigener Kraft zur Verfügung stellen. Die Landflucht kann gestoppt, ja sogar umgedreht werden: Denn weltweit liegen laut FAO über eine Milliarde Hektar Ackerland brach und könnten sofort in Produktion genommen werden", stellte Wlodkowski fest. "Wenn in den reichen Industrienationen die Lebensmittelpreise steigen, so muss man wissen, dass nach wie vor nicht mehr als 14% des Einkommens für Essen und Trinken ausgegeben werden", gab der Präsident zu bedenken.

Erdölpreis treibt Lebensmittelpreise

"Der Erdölpreis, den Experten der Internationalen Energieagentur IEA oder des kanadischen Finanzdienstleisters CIBC in ein paar Jahren bereits jenseits der 200-Dollar-Marke je Barrel sehen, treibt die Lebensmittelpreise in die Höhe. Denn je höher ein Nahrungsmittel verarbeitet ist, umso mehr Energie wird dafür benötigt. Da der Rohstoffanteil bei Lebensmitteln im Schnitt deutlich unter 10% liegt, sind Preissteigerungen in erster Linie die Folge der unaufhörlich kletternden Energiekosten, die andere Kosten, wie Betriebsmittel und Löhne, nach oben ziehen. Mit einem Wort: Der Erdölpreis treibt den Lebensmittelpreis", ergänzte Wlodkowski.

Gezieltes Maßnahmenbündel notwendig

"Nur ein ganzes Bündel an Maßnahmen kann aus der jetzigen Situation herausführen: Die Politik muss auf diese Situation mit Rahmenbedingungen reagieren, die die Landwirtschaft wettbewerbsfähiger werden lässt. Die internationalen Abkommen dürfen Wirtschaftswachstum nicht mit dem ziemlich fragwürdigen Instrument immer niedrigerer Agrarpreise ankurbeln. Die Welt-Klimapolitik muss endlich ernst genommen werden und es sind spürbare Maßnahmen zu setzen, denn die Ernteschwankungen sind um ein Vielfaches größer als die Verwendung von Agrarrohstoffen für energetische Zwecke. Schließlich ist auch die Forschung aufgefordert, Sorten und Rassen zu entwickeln, die den gestiegenen Anforderungen und dem veränderten Klima-Umfeld gleichermaßen entsprechen", so Wlodkowski.
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