"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wir Servicekräfte an der reich gedeckten Heuschrecken-Tafel" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 26.04.2008

Graz (OTS) - Als der damalige SPD-Chef Franz Müntefering vor drei Jahren manche Investoren als Heuschrecken bezeichnete, wusste er wohl noch nicht, wie realistisch diese Metapher einmal werden würde. Müntefering bezog sich auf so genannte Hedgefonds, die Firmen günstig aufkaufen, deren Umsatzrendite bis an die Schmerzgrenze treiben, um danach die oft skelettierten Unternehmen wieder zu veräußern oder in die Pleite zu schicken. Strukturkrisen und Scharen von Arbeitslosen sind nicht selten die Folge. Der Staat, somit wir alle, muss dann das sozial Ärgste verhindern.

Die neuen Heuschrecken fressen den Ärmsten buchstäblich ihre Nahrung weg. Und drangsalieren weltweit mit explodierenden Lebensmittelpreisen. Vereinfacht geht das so: Die Fonds kaufen Ernten im Voraus zu einem bestimmten Preis auf, horten die Produkte, was den Preis in die Höhe treibt, und verkaufen danach wieder mit exorbitanten Gewinnen. Hilfreich sind den Spekulanten dabei die Biosprit-Produktion und schier unersättliche neue Märkte wie China.

Gezockt wurde immer schon, neu ist das Ausmaß, im Rahmen dessen auch Millionen Kleinanleger mitnaschen, und der Fokus auf Grundnahrungsmittel. Während der globale Ölfluss durch Organisationen wie die Opec zumindest ein wenig zentral gesteuert werden kann, sind Millionen von Bauern weltweit den Aufkäufern ihrer Produkte und deren Machenschaften ausgeliefert. So gelang es den Heuschrecken, den Preis für Reis in den vergangenen acht Monaten zu verdoppeln. Man ahnt, warum Caritas-Präsident Franz Küberl kürzlich von einer nahenden Katastrophe sprach.

Wie das Magazin Der Spiegel berichtet, haben der auch in Agrarprodukte involvierte New Yorker Dwight Anderson und seine Manager für ihren Hedgefonds in letzten Jahr 3,7 Milliarden Dollar Gewinn angehäuft. Gleichzeitig verlangt die UNO von der internationalen Staatengemeinschaft, von uns allen also, bis Mai mindestens 500 Millionen Dollar für die am stärksten betroffenen Länder zur Verfügung zu stellen.

Einige wenige machen Riesenprofite, die die Ärmsten in einen Abgrund treiben, aus dem sie das Heer durchschnittlicher Steuerzahler wieder herauszuholen versucht. Umverteilung nach oben. Wenn sich die internationale Staatengemeinschaft nicht auf massive Steuerabgaben auf solche Geschäfte einigt, sind neuer Hunger - und mittelfristig Krieg - nicht mehr auszuschließen. - Und auch an ihnen werden Hedgefonds gewinnen.****

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