Greenpeace: Atompannen 22 Jahre nach Tschernobyl

Ausstieg der Erste Bank ein wichtiger Etappensieg im Kampf gegen die Atomlobby

Wien (OTS) - Während in Finnland die Kosten für die Errichtung des Atomkraftwerkes Olkiluoto explodieren und im spanischen AKW Ascó 1 erst vor wenigen Monaten durch ein großes Leck Strahlung ausgetreten ist, jährt sich die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl zum 22. Mal, so die Umweltorganisation Greenpeace heute in einer Aussendung. Die von der Nuklear-Lobby herbeigesehnte Atomrenaissance gestaltet sich indes weitaus schleppender als ursprünglich gewünscht, weil immer weniger Banken bereit sind, Atomkraftwerke zu finanzieren.

Beim Flaggschiff dieser gewollten Atomrenaissance, dem European Pressurised Reactor (EPR) im finnischen Olkiluoto, beträgt die Bauverzögerung nach zweieinhalb Jahren bereits über zwei Jahre. Darüber hinaus ist mit Mehrkosten von bis zu eineinhalb Milliarden Euro zu rechnen, weshalb die Errichtung dieses Atomkraftwerkes für die Firma Siemens allmählich zu einem finanziellen Debakel wird. In Bezug auf das AKW Flamanville in Frankreich wiederum wurden zwar Verbesserungen versprochen, doch treten inzwischen auch dort ähnliche Probleme auf: Die französische Atombehörde ASN hat auf zahlreiche Mängel hingewiesen, darunter Risse im Reaktor-Fundament sowie grobe Fehler bei einem Viertel der Schweißnähte entlang der Reaktorhülle.

Auch bei den Kraftwerken, die bereits in Betrieb sind, läuft die Pannenserie weiter: Die deutschen AKW Krümmel und Brunsbüttel sind nach einem Brand im Sommer 2007 nach wie vor am Netz. Und im November 2007 machte Greenpeace bekannt, dass durch ein Leck im nordspanischen AKW Ascó 1 radioaktives Material freigesetzt wurde: Aufgrund einer Fehlbedienung wurden am 26. November in der Periode des Brennelemente-Wechsels rund fünfzig Liter hochkontaminiertes Wasser und Schlamm in das Notbelüftungssystem geleitet. Nach einem weiteren Bedienungsfehler am 29. November gelangte dieses Material dann über das Lüftungssystem in die Atmosphäre. Die spanische Atombehörde dementierte das Fiasko zunächst, musste aber schließlich eingestehen, dass das Leck im AKW viel größer war als ursprünglich behauptet.

"Die angekündigte Atomrenaissance entwickelt sich allmählich zu einem massiven Fehlschlag", kommentiert Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof die Entwicklung. "Der Bau und Betrieb von Atomkraftwerken wird zunehmend von einer Serie von Pannen, Fehlkalkulationen, Lügen und Vertuschungen begleitet. Da bleibt nur mehr die Hoffnung, dass die Baustellen von heute nicht zu den Tschernobyls von morgen werden", so Westerhof.

In diesem Zusammenhang begrüßt Greenpeace die Entscheidung der Erste Bank, sich nicht an der Finanzierung des slowakischen Atomkraftwerkes Mochovce zu beteiligen. "Die aktuelle Entwicklung in Finnland zeigt, dass auch ein AKW-Bau zu einem finanziellen Debakel führen kann. Und deshalb ist die Entscheidung der Erste Bank auch ein wichtiger Etappensieg im Kampf gegen die Atomlobby", schließt Westerhof.

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