Europarat will Adoptionsrecht ausdehnen

Überarbeitetes Europaratsabkommen zur Adoption von Kindern soll auch Paaren "in stabiler Partnerschaft" Adoption ermöglichen - Staaten können Geltungsbereich auf homosexuelle Paare erweitern - Kritik der Kirche: "Das dient nicht dem Kindeswohl"

Straßburg-Wien, 24.4.08 (KAP) Der Europarat plant eine Neufassung des "Europäischen Übereinkommens über die Adoption von Kindern". Nach dem geltenden Vertrag - er stammt aus dem Jahr 1967 - ist die Adoption eines Kindes ausschließlich zwei miteinander verheirateten Personen oder einer Person allein möglich. In Zukunft sollen auch ein Mann und eine Frau, die zusammen in einer "eingetragenen Partnerschaft" oder in einer "stabilen Partnerschaft" leben, gemeinsam adoptionsberechtigt sein. Außerdem sieht der neue Entwurf vor, dass die einzelnen Unterzeichner-Staaten den jeweiligen Geltungsbereich der Adoptions-Konvention auf gleichgeschlechtliche Paare, die entweder verheiratet sind, in einer "eingetragenen Partnerschaft" oder in einer "stabilen Beziehung" leben, ausdehnen können.

Sowohl den Wegfall der Beschränkung von Adoptionen auf Ehepaare, als auch die Möglichkeit zur Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare kritisiert der Direktor des kirchlichen "Instituts für Ehe und Familie" (IEF), Günter Danhel. "Beides dient nicht dem Kindeswohl", betont er im Gespräch mit "Kathpress". Die Ehe sei die beste Voraussetzung für das Heranwachsen von Kindern in einer Adoptivfamilie, so der IEF-Direktor.

Die überarbeitete Fassung des Adoptionsabkommens soll nach dem Beschluss bei der nächsten Sitzung des Ministerkomitees des Europarats am 5./6. Mai zur Unterzeichnung durch die Europaratsstaaten aufgelegt werden.

An der Neufassung des Europäischen Adoptionsabkommens wird seit 2002 gearbeitet. Ausgangspunkt für die Änderung ist, dass etliche Vorschriften des Vertrages aus 1967 überaltert sind und in Konflikt mit gesellschaftlichen und gesetzlichen Entwicklungen stehen. So widersprechen einige Regelungen des Vertrages der aktuellen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.

Beispielsweise sieht der geltende Vertrag vor, dass nur bei Kindern, die in einer Ehe geboren worden sind, der Vater sein Einverständnis zur Adoption geben muss. Künftig müssen Väter in allen Fällen ihr Einverständnis zur Adoption geben, Ausnahmen davon werden nur bei "außergewöhnlichen Umständen" möglich sein. Auch die Position der Kinder soll aufgewertet werden: Sobald sie ausreichend verstehen können, was bei der Adoption passiert, muss ihr Einverständnis zur Adoption eingeholt werden.

Österreich hat das aus 1967 stammende "Europäische Übereinkommen über die Adoption von Kindern" 1980 ratifiziert. Derzeit ist es in Österreich nicht gesetzlich vorgeschrieben, dass Adoptiveltern verheiratet sein müssen, in nichtehelichen Lebensgemeinschaften kann das Kind jedoch nur von einem Elternteil adoptiert werden. Auch alleinstehende Personen dürfen ein Kind adoptieren. (ende) K200803762
nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0002