Südosteuropa: Freiheit der Presse oder Freiheit der Investoren?

Internationale Medienkonferenz im Rahmen des EU-Canada- Kooperationsprogramms der FHWien-Studiengänge der WKW

Wien (OTS) - Westliche Investoren im Mediensektor in den Südosteuropäischen Ländern sind willkommen, haben allerdings selbst kein Interesse daran, die Entwicklung einer demokratischen Zivilgesellschaft voranzutreiben. So eine der Schlussfolgerungen aus der hochkarätigen Konferenz zum Thema "Can Media Boost Democracy?", die von den Instituten für Kommunikationsmanagement und für Journalismus und Medienmanagement der FHWien-Studiengänge der WKW gestern veranstaltet wurde. Die Teilnehmerrunden der Panel-Diskussionen waren einerseits Medienmacher aus südosteuropäischen Ländern, wie Zrinka Vrabec-Mojzes aus Kroatien, Boris Bergant aus Slowenien oder Agron Bajrami aus dem Kosovo und Marta Palics aus Serbien, andererseits österreichische und deutsche Korrespondenten, wie Christian Wehrschütz (ORF), Oliver Vujovic (SEEMO) und Klaus Prömpers (ZDF). Das Eingangsstatement hielt Marijana Grandits, Gründungsmitglied der Grünen in Österreich und Direktorin des WT 1 für Demokratie und Menschenrechte des Stabilitätspaktes für Südosteuropa.

Alle PanelteilnehmerInnen malten zur Rolle der Medien bei der Etablierung demokratischer Strukturen im südosteuropäischen Raum ein eher düsteres Bild. "Freiheit der Presse ist Fiktion. Die Freiheit der Presse ist hauptsächlich Freiheit der Eigentümer", brachte es Klaus Prömpers auf den Punkt. "Es fehlt vor allem an Qualitätsmedien, an Aus- und Weiterbildung für JournalistInnen sowie einer starken Wirtschaft, die die Medienunternehmen entsprechend unterstützen können", meinte Südosteuropa-Experte Oliver Vujovic. Ein brennender Punkt für alle waren die undurchsichtigen Eigentümerverhältnisse. Oft stehen hinter scheinbar privaten Medienunternehmen regionale Politiker oder Parteien. Als Beispiel nannte Boris Bergant eine Brauerei als Besitzer eines Medienunternehmens, deren Eigentümer Politiker ist.

Besonders investigative JournalistInnen und Herausgeber leben in diesen Ländern nach wie vor gefährlich. Attacken, Morddrohungen und Bombenanschläge gehören zum Journalistenalltag. Morde an Journalisten werden nur selten bis gar nicht aufgeklärt.

Wie im übrigen Europa ist das beliebtestes Medium in der Region das Fernsehen. Im Bereich Print überwiegen die Boulevardmedien. Qualitätsmedien lassen sich laut Vujovic für den gesamten Raum an einer Hand abzählen. Der öffentlich-rechtliche Medienbereich wird von den übermächtigen Privatmedien sowohl im Print, wie Fernsehen und Radio überrollt. Die Recherche von Daten und Fakten ist laut Wehrschütz ein Spießrutenlauf. Von offiziellen Stellen werden kaum Daten geliefert, oft bleiben nur Gerüchte. Filmmaterial von öffentlich-rechtlichen Anstalten ist meist veraltet, sodass auf Material von privaten Anbietern zugegriffen wird, so Prömpers. "In dieser Region braucht man als Journalist den Glauben an bestimmte Werte, um in dem Beruf überhaupt bestehen zu können", so Agron Bajrami. Und in Anspielung an ausländische Investoren im Kosovo stellte er lakonisch fest: "Wenn sie bei uns Geld verdienen wollen, machen sie eine Tankstelle auf aber gründen sie keine Zeitung".

Die Konferenz fand im Rahmen einer Kooperation von sechs Hochschulen aus der EU und Kanada statt. Wirtschaftsstudierende aus Österreich, Frankreich, Holland und Kanada setzen sich im Rahmen eines Austauschprogramms mit Unternehmen und Märkten des jeweiligen Gastlandes auseinander. Moderiert wurden die Diskussionen von Dr. Anneliese Rohrer, Fachbereichsleiterin am Institut für Journalismus und Medienmanagement und Univ.-Prof. Dr. Thomas A. Bauer (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften Universität Wien). Die FHWien-Studiengänge der WKW beteiligen sich damit bereits zum zweiten Mal seit 2003 an einem bilateralen Bildungsprogramm mit Drittstaaten.

FHWien-Studiengänge der Wirtschaftskammer Wien (WKW)

Die FHWien-Studiengänge der WKW zählen zu den größten Anbietern im Bereich Management & Kommunikation in Österreich. Rund 2.400 Studierende erwerben derzeit ihren Magister (FH), Bachelor (BA) oder Master (MA) an den FHWien-Studiengängen der WKW. Rund die Hälfte davon studiert berufsbegleitend. Bereits an die 2.800 AbsolventInnen beweisen in der Wirtschaft die Qualität ihrer Ausbildung.

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