Armenier gedenken der Opfer des Völkermords

Am Donnerstag wird in Köln an den 24. April 1915 erinnert, an dem die Armenierverfolgung im damaligen Osmanischen Reich begann

Frankfurt, 21.4.08 (KAP) Mit einer Gedenkfeier in der Frankfurter Paulskirche erinnern die Diözese der armenisch-apostolischen Kirche in Deutschland und der Zentralrat der Armenier in Deutschland am Donnerstagabend an die Opfer des Völkermords an den Armeniern ab 1915 im damaligen Osmanischen Reich. Zu der Gedenkfeier werden unter anderen die Botschafterin Armeniens in der Bundesrepublik, Karine Kazinian, und Erzbischof Karekin Bekdjian erwartet.

Der 24. April ist bei den Armeniern Tag des Gedenkens an die Opfer der Massaker, weil am 24. April 1915 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion im damaligen Konstantinopel von einer Sondereinheit des Innenministeriums Hunderte führende armenische Repräsentanten verhaftet wurden, unter ihnen Senatoren, Abgeordnete, Universitätsprofessoren, Chefredakteure, hohe Staatsbeamte und Künstler. Die Verantwortung für diese Aktion und den nachfolgenden Völkermord lag bei der vom jungtürkischen "Komitee für Einheit und Fortschritt" (Ittihad ve Terakki) gestellten kaiserlich-osmanischen Regierung, die im Ersten Weltkrieg mit dem damaligen Deutschen Reich und Österreich-Ungarn verbündet war.

Mehmed Talat (ab 1917 als Großwesir Talat Pascha) setzte als Innenminister durch Codetelegramme an alle Valis (Gouverneure) die Armenierdeportationen in Gang, die offiziell als kriegsbedingte Umsiedlung einer unzuverlässigen Minderheit begründet wurden. Zugleich sorgte er "inoffiziell" durch die ittihadistischen Provinzsekretäre dafür, dass diese Befehle als Genozid-Anweisungen verstanden und umgesetzt wurden. Zu diesem Zwecke wurde vor allem die "Teskilat-i-Mahsusa" (Spezialorganisation) eingesetzt, eine Miliz, die aus entlassenen Häftlingen und muslimischen Flüchtlingen vom Balkan und aus dem Kaukasus bestand. Gouverneure, die sich querlegten, wurden abgesetzt oder liquidiert. Der Palast wurde offensichtlich nicht informiert, der Sultan hatte keine Möglichkeit zum Eingreifen.

Die Gesamtzahl der Opfer der "Massnahmen" wird auf 1,5 bis zwei Millionen geschätzt. Außer den Armeniern waren vor allem auch die altsyrischen Christen in Ostanatolien und die Pontus-Griechen betroffen. (ende)
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