WirtschaftsBlatt-Leitartikel: China macht nur Business as usual - von Alexis Johann

Im ökonomischen Sinn handelt China immer noch vernünftig

Wien (OTS) - Ees gibt Länder, da verschweigt man es besser, wenn man als Journalist einreisen will. Neben kriegsführenden Staaten gilt dieses Prinzip für die USA - und auch für China. Denn damit beginnt ein Hürdenlauf durch die Institutionen. Während die USA den Lebenslauf genau durchleuchten und sogar die Waffengattung abfragen, an der man beim Bundesheer augebildet wurde, geht es den Chinesen um die Details der journalistischen Berichterstattung. Geschäftsreisende hatten in beiden Ländern mit wenig Restriktionen zu rechnen. Die Regierung in Peking hat im Vorfeld der Olympischen Spiele die Schraube fester gezogen und vergibt genrell nur noch Monats-Visa.

Das überrascht, weil wir bisher naiv angenommen haben, dass der Führung ein gutes Geschäfts- und Handelsklima wichtiger wäre als die Sicherung der politischen Nomenklatur. Die weltweiten Tibet-Proteste müssen der Führung klar gemacht haben, dass mit den Olympischen Spielen die Aufmerksamkeit wieder zu den Menschenrechten zurückkehrt. Für Jahre war dieses Thema verschwunden, das marktwirtschaftliche Angebot an die Industrienationen zu verlockend. Jetzt wird diese Lücke geschlossen und klar gemacht, dass in China nach chinesischen Spielregeln gehandelt wird. Damit wird Stabilität hergestellt, die schließlich auch die Investoren und Geschäftspartner des Landes erwarten.

Auf der anderen Seite mag es eine Hoffnung gegeben haben, dass durch die Spiele den Menschenrechten mehr Stellenwert gegeben würde - als Dank für das eingeräumte Vertrauen. Diese Hoffnung war leer, das ist nun erwiesen. So wie die Marktöffnung nicht mit Demokratie zu verwechseln ist, kann 2008 daher nur als das gewertet werden, was es ist: Ein Beweis, in die Top-Liga der Industrienationen aufgestiegen zu sein. Sportlich war China schon immer unter den Top drei.

Es gibt daher keinen Grund zur Panik. Peking macht Business as usual. Und diesbezüglich können wir davon ausgehen, dass nach Ende der Spiele die Wirtschaft wieder die Beziehung zum Rest der Welt bestimmen wird. Und dazu gehört, dass es Kapital,Mensch und Waren leicht gemacht wird, die Grenzen zu passieren.

Wenn es den westlichen Demokratien tatsächlich ernst mit der persönlichen Freiheit der Menschen in China ist, könnten sie das auch erreichen. Es braucht dazu nicht einmal Mut. Auch wenn ein Land konsequent seine Stimme gegen Menschenrechtsverletzungen in China erhebt, wird es keine Sanktionen gegen es geben. Die chinesische Führung agiert nutzenmaximierend, im ökonomischen Sinn also vernünftig

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