"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Protest gegen die da oben" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 16. April 2008

Innsbruck (OTS) - Machtverschleiß nagt an den absoluten Mehrheiten von Südtiroler Volkspartei, ÖVP und Bayerns CSU.

Tirol, Südtirol und Bayern: In allen drei Ländern gibt es einen Trend gegen "die da oben". Und es trifft die seit Jahrzehnten mit absoluter Mehrheit ausgestatteten Volksparteien ÖVP, SVP und CSU. Sie müssen bei den Landtagswahlen im Herbst mit (großen) Verlusten rechnen, während vor fünf Jahren allenthalben darüber spekuliert wurde, wie groß die Absolute wohl ausfallen wird: In Südtirol erreichte Luis Durnwalders SVP 55,6 Prozent, die bayerische CSU mit Edmund Stoiber schaffte gar 60,7 Prozent und LH Herwig van Staa musste sich mit 49,9 Prozent begnügen.Heute beschäftigen sich Durnwalder, van Staa und Stoibers Erben hingegen mit der Frage, warum die Menschen unzufrieden geworden sind. Und warum die großen Volksparteien in die Defensive gedrängt werden, obwohl die drei Länder wirtschaftlich sehr gut dastehen und zu den Topregionen Europas zählen. Die Antwort darauf ist aber nicht mit Hirnschmalz zu begreifen, sondern mit Herzblut. Denn oft verändert Macht - egal, welcher Partei man angehört. Wer mächtig ist, umgibt sich vor allem mit den Mächtigen. Kleine Machtzirkel entscheiden über das Wohl und Weh der Bevölkerung, nicht transparente Entscheidungsprozesse. Die Demut vor dem Wähler wird durch die Arroganz der Macht und Postenschacher ersetzt. Das spürt die Bevölkerung und nicht so sehr die wirtschaftlichen Erfolge, die als gegeben hingenommen werden. Die Politik in Tirol, Südtirol und in Bayern leidet deshalb am schleichenden Machtverschleiß und an mangelnder Bürgernähe. Letztere lässt sich auch im Wahlkampf nicht zurückplakatieren.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung,
Chefredaktion,
Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0002