WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Jetzt mucken die Klimakriminellen auf - von Robert Gillinger

Umweltschutz ja, aber nicht um jeden Preis

Wien (OTS) - Jetzt haben wir den Salat. Klimaschutz ist spätestens seit dem Film "The day after tomorrow" in - und damit ein Thema für die Politik. Leider. Denn Politik versucht zwar dem Bürger nach dem Mund zu reden, bleibt dabei aber zumeist in einer Metaebene hängen, die schnurstracks in eine Richtung vorangetrieben wird. Nebenbaustellen werden nicht umschifft, sondern ignoriert. Zweifler sind dann entweder Idioten oder Klimakriminelle. Oder sie gehen auf die Straße und protestieren gegen die haussierenden Lebensmittelpreise.

Doch wir marschieren unseren Weg: Öl gehört verbannt, der Ausweg sind Biotreibstoffe. Ähnlich ergeht es der Kohle: Solar, Wind und Biomasse sind die Antwort auf das Übel. Ohne Rücksicht darauf, ob überhaupt genug Leitungskapazitäten für diese dezentrale Stromerzeugungsart zur Verfügung stehen. Oder wie im Fall der Biotreibstoffe, ob die Autos dafür überhaupt geeignet sind - die Industrie wird’s schon richten.

Die Frage der Kosten ist dabei nebensächlich. Dass der Bürger ein neues Auto braucht, auch wenn er sich gerade gar keines leisten will oder kann, ist wurscht; auch angesichts steigender Lebenshaltungskosten in Form von in die Höhe schießenden Nahrungsmittelpreisen. Aber vielleicht steckt hinter all dem
ohnehin eine gigantische Verschwörung der Agrarlobby. Strom könnte in Österreich noch viel mehr aus Wasser produziert werden - CO2-frei übrigens. In der Biomasse landet hingegen unter anderem Holz. Hat eigentlich schon mal jemand darüber nachgedacht, dass Holz CO2 speichert, das zuvor mittels Fotosynthese aus der Luft geholt wurde? Werden Wälder gerodet, bleibt das CO2 in der Luft und der Strom aus Biomasse ist eigentlich dieselbe Dreckschleuder wie aus Kohle, überspitzt formuliert. Dieses Holz fehlt dann auch als natürlicher Baustoff, was auch dessen Preis verteuert und zur Suche nach alternativen Baustoffen führt. Macht nichts, bauen wir mit Stahl und Beton - ob das der Umwelt hilft?

Natürlich müssen wir nicht zwingend Wälder roden, um zu CO2-günstigem Strom oder Treibstoff zu kommen. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? Alternative Anbaufläche könnte jene sein, die zurzeit für die Nahrungsmittelproduktion verwendet wird. Klar, für Landwirte ein gutes Geschäft und umweltpolitisch super. Aber ist es moralisch und ethisch vertretbar, Nahrungsmittel zu verfeuern? Möge der aufstehen, der das fordert und dann den Blick in jene Regionen richten, wo Menschen an Hunger leiden und sterben: Weltweit gibt es keinen Nahrungsmittelüberschuss! Wir müssen sie also nicht auch noch vertanken - Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

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