Industrie: Forschungsförderung Schlüsselfaktor für nachhaltige Standortsicherung

IV-GS Beyrer: Effektivitätssteigerung der Forschungsförderung notwendig, um 3%-Ziel zu erreichen

Wien (OTS) - (PdI) "Forschung, Entwicklung, Innovation und Bildung sind insbesondere in den vergangenen Jahren international stark in den Mittelpunkt gerückt, wenn es um Sicherung des Wohlstandes, Beschäftigung und Erhalt bzw. Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit geht. Österreich konnte sich als erfolgreicher Standort positionieren, die Investitionen in Forschung & Entwicklung (F&E) stiegen deutlich, die Exporte boomen, neue Arbeitsplätze wurden geschaffen und die Industrie hat sich am Weltmarkt stärker etablieren können", betonte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Markus Beyrer, heute, Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz gemeinsam mit Mag. Brigitte Ederer, Generaldirektorin der Siemens AG Österreich, Mag. Monika Kircher-Kohl, Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies Austria AG und KR Klaus Stochl, Generaldirektor der Boehringer Ingelheim Austria GmbH zum Thema "Forschungsförderung als Schlüsselfaktor für nachhaltige Standortssicherung".

"Die Forschungsförderung war und ist ein maßgebliches Instrument und Argument für Investitionen in F&E in Österreich, nicht zuletzt im konzerninternen Standortwettbewerb um Forschungskompetenzen, der zunehmend härter geführt wird", so Beyrer weiter. Daher unterstütze die Industriellenvereinigung die Systemevaluierung, die derzeit in Österreich durchgeführt wird und die direkte und die indirekte Forschungsförderung eingehend untersucht. "Eine Effizienz- und Effektivitätssteigerung der österreichischen Forschungsförderung ist wichtig für die weitere Stärkung des Standortes und hängt auch von der Evaluierung, deren Ergebnisse und deren Umsetzung ab", erklärte der IV - Generalsekretär Beyrer.

Die beachtlichen Ziele, die sich im Regierungsprogramm finden, werden auch in der Evaluierung adressiert und haben einen maßgeblichen Effekt auf die Industrie:

  • Österreich soll sich in den nächsten Jahren zunehmend zu einem eigenständigen Produzenten von Spitzentechnologie entwickeln.
  • Österreich soll als Standort für Headquarter konsequent attraktiv gemacht werden.
  • Mit den öffentlichen Mitteln sollen möglichst hohe private Forschungsinvestitionen ausgelöst werden. Die Ausgaben des Bundes sollen jährlich um 10% angehoben werden.
  • Eine effizient abgewickelte und effektive Forschungsförderung ist weiter zu sichern.

Zur Erreichung der im Regierungsprogramm verankerten Ziele sei aber eine aktive Politik notwendig, welche die IV unterstütze, da diese notwendige Entwicklungspfade seien, um auch für zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sein.

"Österreich konnte sich einen Wettbewerbsvorsprung über die hohe Qualifikation erarbeiten. Dieser Wettbewerbsvorteil wird im Vergleich zu anderen Erdteilen zunehmend geringer, da andere Länder massiv in Aus- und Weiterbildung investieren und darauf erfolgreiche Wirtschaftskonzepte aufbauen, wie beispielsweise Südkorea, Taiwan, Singapur, China und Malaysien", warnte Beyrer. Somit kämen anderen Faktoren und Instrumenten im globalen Wettbewerb eine größere Bedeutung zu, insbesondere der Forschungsförderung als zentrales Element zur Standortsicherung, sowie für Wachstum und Beschäftigung.

Die Industrie trete daher für eine weitere Verbesserung der gesamten Forschungsförderung ein. Damit würde folgendes erreicht werden:

  • Erreichung der 3% F&E Quote
  • Erhöhung der Planungssicherheit
  • Stärkung der Innovationsnetzwerke und des Arbeitsmarkts für hochqualifizierte Arbeitskräfte
  • Zufluss von Know-How und damit Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit.

Die notwendigen Maßnahmen im Detail

"Bei der indirekten Forschungsförderung hat sich Österreich noch vor ein paar Jahren im Spitzenfeld befunden, mittlerweile haben andere Länder stark aufgeholt und uns überholt. Spitzenreiter sind nunmehr Spanien, Frankreich, Portugal, Großbritannien und Ungarn", erklärte Beyrer. Daher sei es notwendig, den internationalen Kontext bei der Evaluierung der indirekten Forschungsförderung zu berücksichtigen. Das System der steuerlichen Forschungsförderung habe sich bewährt, daher sei es auch notwendig, das steuerliche Forschungsförderungssystem attraktiver zu gestalten:

  • Erhöhung der bestehenden Freibeträge um 10%-Punkte
  • Erhöhung der bestehenden Forschungsprämie auf 10% von derzeit 8%
  • Verdoppelung des Deckels bei der Auftragsforschung von 100.000 Euro auf 200.000 Euro

"Mit diesen Maßnahmen würden nicht nur bestehende F&E-Einrichtungen der Industrie gestärkt, sondern auch neue F&E-Einheiten nach Österreich verlagert werden, mit den zuvor erwähnten positiven Auswirkungen auf Beschäftigung und Wertschöpfung", betonte Beyrer abschließend.

Ederer: Klare und planbare Rahmenbedingungen notwendig

Mag. Brigitte Ederer, Generaldirektorin der Siemens Österreich AG wies vor allem auf zwei zentrale Herausforderungen in Bezug auf die Forschungsförderung für den Standort Österreich hin: "Erstens müssen wir in Österreich den Nachteil eines kleinen Marktes durch ein starkes Fördersystem kompensieren. Zweitens stehen wir vor der Notwendigkeit, die zweite Herausforderung, nämlich die Tatsache, dass in Österreich wenige Konzernzentralen situiert sind, auszugleichen." Letzterer Punkt sei vor allem deshalb relevant, da F&E grundsätzlich sehr eng an die Headquarter angebunden sei, oftmals sowohl organisatorisch als auch geographisch.

Aus der spezifischen Situation in Österreich ergäben sich somit, so Ederer weiter, eine Reihe politischer Forderungen und Notwendigkeiten. So sollen die tatsächlich gewährten Förderquoten bei den FFG Basisprogrammen auf zumindest 25% erhöht werden, um die Förderung risikoreicher Projekte zusätzlich zu unterstützen. Längere Zeitdauer von Förderprogrammen, regelmäßige Ausschreibungen, rechtzeitig klare und transparente Ausschreibungsunterlagen sowie rasche Auszahlungen von Fördermitteln seien weitere, wichtige Anliegen. Abschließend forderte Ederer einen mehrjährigen Ausschreibungsplan für Förderprogramme: "Je besser die Planung, desto besser das Ergebnis. Ein mehrjähriger Ausschreibungsplan könnte eine entsprechende Planbarkeit auf Unternehmensebene gewährleisten."

Kircher-Kohl: Österreich braucht Standort- und Technologierelevanz

Mag. Monika Kircher-Kohl, Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies Austria AG, nahm anschließend zur Bedeutung der österreichischen Forschungsförderung für den Standort in Österreich aus Sicht des Unternehmens Stellung. Seitens der Industrie würden die Instrumente der direkten und indirekten Forschungsförderung in ihrer Wirkung als komplementär erachtet. Kircher-Kohl: "Indirekte Forschungsförderung unterstützt die hohe Standortrelevanz, die direkte Forschungsförderung hingegen die hohe Technologierrelevanz. In Österreich brauchen wir beides!"

An die Politik richtete Kicher-Kohl die Forderung, die Forschungsförderung in Österreich müsse sich stärker an den Interessen der Industrie orientieren, und das Zusammenspiel zwischen bottom-up und top-down Förderung zu optimieren. Des weiteren, "müssen weitere Angebote für exzellente Großunternehmensforschung und zur Verbreiterung der Forschungsbasis mit Fokus KMU erarbeitet werden", so Kircher-Kohl.

Stochl: Gezielte Förderung schafft Selbstbestimmung

Kommerzialrat Klaus Stochl, Generaldirektor der Boehringer Ingelheim Austria GmbH., erklärte in seinem Statement die Bedeutung der Standortadditionalität - nur durch die öffentliche Förderung werde eine F&E-Investition an einem spezifischen Standort durchgeführt -für Österreich: "65 % der gesamten unternehmerischen F&E Ausgaben werden durch Unternehmen in nicht-österreichischem Eigentum (d.h. im Wesentlichen durch Konzernzentralen im Ausland) bestimmt!" Durch die somit eingeschränkte Selbstbestimmtheit müssten effektive Instrumente zur Standortattraktivität eine herausragende Rolle spielen. Denn die Forschungsförderung habe somit wesentliche Auswirkungen auf den Standort Österreich, etwa auf das nationale Universitätssystem oder die Verfügbarkeit hochqualifizierter Jobs.

"Forschungsförderung sollte sich stärker an den Interessen der Industrie orientieren", forderte auch Stochl, denn: "Die Industrie ist der Konjunkturmotor unseres Landes." Die wirtschaftsorientierte Förderung sollte prinzipiell genauso außer Streit gestellt werden, wie die dafür benötigten Budgetmittel. Zudem sei auch eine Optimierung des Zusammenspiels zwischen bottom-up und top-down Förderung notwendig.

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