Kreisky-Preis: Gusenbauer lobt Qualität, thematische Vielfalt und Aktualität der Preisträger

Gusenbauer und Swoboda verleihen Kreisky-Preis für das politische Buch an Simon Montefiore, Ditha Brickwell und Henriette Mandl

Wien (SK) - Im "Wien Museum Karlsplatz" wurde Montagabend auf Initiative von Renner-Institut, SPÖ-Bildungsorganisation und SPÖ-Parlamentsfraktion der Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2007 vergeben. Der Hauptpreis ging an Simon Sebag Montefiore für sein Buch "Der junge Stalin". Mit den beiden Anerkennungspreisen wurden Ditha Brickwell für "Die Akte Europa. Eine Utopie geht verloren" sowie Henriette Mandl als Herausgeberin des Buches "Maximilian und Emilie Reich. Zweier Zeugen Mund" bedacht. Der Präsident des Renner-Instituts, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, unterstrich in seiner Laudatio, dass "alle drei PreisträgerInnen für eine außerordentlich aktuelle und anregende Lektüre" stehen. SPÖ-Europaabgeordneter und Vorsitzender der Jury, Hannes Swoboda, sprach angesichts der drei ausgezeichneten Werke in seiner Jurybegründung von einer "präzisen Charakterstudie", von einem "spannenden Buch über Europa" und von "sich ergänzenden Zeitzeugen-Berichten". ****

Einmal mehr würden mit dem heuer bereits zum 15. Mal vergebenen Bruno-Kreisky-Preis Werke ausgezeichnet, die "Qualität, thematische Vielfalt und Aktualität trefflich miteinander zu verbinden wissen", bekräftigte Gusenbauer. So sei Henriette Mandls Buch auch deshalb so aktuell, weil wir hier "eine der authentischen und erschütternden Stimmen der Opfer hören, die wir uns immer wieder - und nicht nur in Gedenkjahren - vergegenwärtigen sollten". Gerade vor dem Hintergrund des Generationenwechsels und dem Versterben der Zeitzeugen sei festzuhalten: "Die selbstkritische Auseinandersetzung mit der Shoa muss weitergehen", so Gusenbauer, der festhielt, dass es eine gleichermaßen literarische und politische Entscheidung war, Mandls Buch auszuzeichnen.

Mit Blick auf Brickwells Buch "Die Akte Europa" unterstrich der Bundeskanzler neuerlich, dass die EU-Mitgliedschaft Österreich "eine Reihe von Vorteilen" gebracht habe. Bezüglich der jüngsten Debatten rund um die Nettobeitragzahlungen Österreichs an die EU erinnerte Gusenbauer daran, dass "Österreich wie kein anderes Land von der EU-Erweiterung profitiert". Auch werde nur allzu oft die zentrale Rolle Europas als Friedensprojekt vergessen - für Gusenbauer eine "Meisterleistung der Zivilisation und ein Symbol, das aus der Geschichte gelernt wurde". Gleichwohl gelte es, den "Kern der EU" -nämlich das Streben um "umfassendes Wohl für die Menschen" stärker ins Zentrum zu rücken. Die EU müsse jedenfalls die "Interessen der Menschen ernst nehmen, sodass die Menschen ihre Vorteile klar sehen". Für die Erlangung einer starken und handlungsfähigen Europäischen Union habe es auch des EU-Reformvertrags bedurft, für den sich die SPÖ-geführte Regierung eingesetzt hatte.

Vom Werk des Preisträgers Montefiore - einem vielschichtigen Porträt des jungen Stalin - zeigte sich Gusenbauer "außerordentlich begeistert" - damit reihe sich der englische Historiker in die Reihe jener "vorzüglichen Autoren" ein, die mit dem Kreisky-Preis bedacht wurden.

Swoboda präsentiert Jurybegründung

Ebenso wie Bundeskanzler Alfred Gusenbauer gratulierte auch Swoboda allen PreisträgerInnen ganz herzlich. Montefiore demonstriere beispielgebend in seinem Werk, dass "geschichtliche Entwicklungen immer von objektiven, gesellschaftlichen sowie subjektiven, persönlichen Faktoren bestimmt sind". Das heute ausgezeichnete Porträt über Stalin sei "spannend, nie aber verlässt es historisch fundierte Pfade", so Swoboda. Dank der "ausführlichen Analyse des wechselvollen Lebens Stalins wissen wir jetzt besser, wie es zur furchtbaren Herrschaft Stalins gekommen ist".

Aber auch die "Akte Europa" von Ditha Brickwell werfe durch die "Verschränkung von Außen- und Innenansicht" wesentliche Fragen auf -etwa die Frage der EU-Erweiterung. In Österreich "herrscht große Erweiterungsskepsis, was den Balkan betrifft", so Swoboda, der klarmachte: "Und daran wird auch die plötzliche Liebe der extremen Rechte für die Serben oder besser für den serbischen Nationalismus, der für den Kampf gegen den Islam missbraucht wird, nichts ändern". Für Swoboda gilt es indes, "mit Geduld und den notwendigen Reformen an der Verwirklichung der Utopie eines Europas unter Einschluss der Balkanländer zu arbeiten". Damit die drei großen Religionen des Kontinents - Judentum, Christentum und Islam - zu einem friedlichen Europa beitragen können, müssten sie sich zuvor "mit der Aufklärung und damit mit der Religionsfreiheit verbinden und verbünden", hielt Swoboda fest.

Henriette Mandl und der Theodor Kramer Gesellschaft sei es zu danken, dass die sich "ergänzenden Berichte von Max und Emilie Reich endlich herausgeben wurden", so Swoboda, der aufzeigte, dass Max Reich mit seiner Warnung vor den Verbrechen des Nationalsozialismus im Jahr 1938 keinen Verleger gefunden hatte.

Der Direktor des Renner-Instituts, Karl Duffek, unterstrich, dass man mit dem "Kreisky-Preis auf besonders herausragende Bücher hinweisen" wolle. Er hoffe, dass sei auch heuer wieder gelungen, ergänzte Duffek.

Preisträger bedanken sich für Kreisky-Preis, der "ganz besonders guten Namen" hat

Henriette Mandl stelle in ihrer kurzen Dankesrede klar, dass der "Preis eigentlich an meine Eltern geht. Ich habe es nunmehr mit dem Buch erreicht, meinen Eltern, die 1938 nicht gehört wurden, jetzt Gehör zu verschaffen". Ditha Brickwell bedankte sich herzlich für den Bruno-Kreisky-Preis, der einen "ganz besonders guten Namen" habe. Und sie enthüllte in ihren Dankesworten auch die "geheime Botschaft" des Buches: So leiste Österreich einen ganz besonderen Nettobeitrag an die EU - denn mit seinem "geistigen Schatz" trage Österreich ganz entschieden zur "Seele Europas" bei.

Hauptpreisträger Montefiore zeigte sich ebenfalls sehr über den Preis erfreut und hielt zu seinem Ziel als Autor und Historiker fest:
"Ich möchte Geschichte erzählen, so wie sie war - und vor allem vor der Wiederholung der Geschichte warnen".

Service: Simon Sebag Montefiore: Der junge Stalin. Das frühe Leben des Diktators 1878-1917. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2007, 537 S., Euro 24,90. Ditha Brickwell: Die Akte Europa. Eine Utopie geht verloren. Essay. Klagenfurt/Celovec: Wieser, 2007
171 S., Euro 14,80. Henriette Mandl (Hrsg.:) Maximilian und Emilie Reich. Zweier Zeugen Mund. Verschollene Manuskripte aus 1938. Wien -Dachau - Buchenwald. Wien: Theodor-Kramer-Gesellschaft, 2007, 306 S., Euro 21. (Schluss) mb

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