Buchinger plant bessere Einstufung von Demenzerkrankten bei Pflegegeld

Derzeit 100.000 Demenzerkrankte in Österreich, Tendenz steigend - Neues "Demenzhandbuch" präsentiert

Wien (SK) - Sozialminister Erwin Buchinger hat am Montag in einer Pressekonferenz einen Überblick darüber gegeben, was sein Ministerium unternimmt, um die Situation demenzerkrankter Personen und ihrer Angehörigen zu verbessern. Dazu laufen derzeit drei Pilotprojekte, die mit verschiedenen Ansätzen die Unterstützung optimieren sollen. Außerdem hat Buchinger heute das "Demenzhandbuch" vorgestellt, mit allen wichtigen Informationen über diese Krankheit und einem umfangreichen Serviceteil für Betroffene und Angehörige. Schließlich kündigte der Minister auch einen baldigen Vorschlag für die bessere Einstufung von Demenzerkrankten beim Pflegegeld an. ****

Das Grundproblem sei, dass das Pflegegeldgesetz bis einschließlich Stufe 5 nur den Pflegebedarf, nicht aber den Betreuungs- oder Beaufsichtungsbedarf für die Zuerkennung der Geldleistung berücksichtige. Daher seien Demenzerkrankte vorwiegend in niedrigeren Pflegestufen. Daher wurden jetzt drei Modelle für eine bessere Einstufung von Demenzerkrankten in einem Praxistext erprobt; dabei wurde von Jänner bis März bei 1.328 Fällen von Pflegegeldeinstufungen von demenziell Erkrankten parallel untersucht, wie sich diese drei Modelle, die den Betreuungsbedarf stärker einrechnen, auf die Einstufung aufwirken würden, wie praxistauglich sie sind und wie die finanziellen Auswirkungen aussehen.

Am Mittwoch werden die Ergebnisse in der ministeriellen Unterarbeitsgruppe präsentiert, danach wird es seitens des Ministeriums einen Vorschlag für die Novelle des Pflegegeldgesetzes geben. Mit einem Inkrafttreten sei spätestens am 1. Jänner 2010 zu rechnen, möglicherweise aber auch schon ein Jahr früher, erklärte Buchinger. Klar sei, dass eine verbesserte Einstufung höhere Ausgaben bedeuten und bei den Budgetverhandlungen Thema sein müsse. Das gelte auch für die geplante Verbesserung bei der Einstufung von Kindern-und Jugendlichen.

Vom Umfang her sei Demenz ein großes und weiter wachsendes Aufgabengebiet, so der Minister. Derzeit gibt es rund 100.000 Betroffene, bis 2050 wird mit doppelt so vielen Erkrankten gerechnet. Im Demenzhandbuch werden nun alle relevanten Informationen über die Krankheit sowie eine umfassender Überblick über die Förderungen und Pflegelandschaft geboten. (Im Internet unter www.bmsk.gv.at oder www.pflegedaheim.at zum Downloaden oder bestellen unter E-Mail broschuerenservice@bmsk.gv.at bzw. Tel.: 0800 20 20 74)

Drei neue Modelle zur Unterstützung von Demenzerkrankten werden derzeit erprobt. So setzt man in der steirischen Region Weiz unter Federführung der Caritas auf Familien- und Gemeinschafts-Netzwerke. Dabei soll ein Pool von ehren- und hauptamtlichen Helfern aufgebaut werden, mit deren Hilfe eine regelmäßige und langfristige Entlastung von Angehörigen erreicht werden soll. Im Salzburgischen Pinzgau gibt es vom Diakoniewerk eine mobile Demenzberatung. Und im Burgenland kommen mobile, multiprofessionelle Teams in Einsatz, die die Familien zuhause aufsuchen und ihnen in allen möglichen Belangen Beratung, Unterstützung und Behandlungspläne anbieten.

Der Sozialminister hat auch eine Bilanz über das seit zehn Jahren bestehende Pflegetelefon gezogen. Im Vorjahr gab es mit 8.877 Personen und 11.512 Gesprächen einen neuen Rekord an Anfragen. Hauptthemen waren dabei Fragen zum Pflegegeld (40 Prozent), finanzielle Hilfen (12 Prozent), Sozial- und Arbeitsrecht (11 Prozent), Überforderung (10 Prozent). 70 Prozent der Anrufer waren Frauen, das spiegle auch ihren weit überproportionalen Einsatz in der Pflege wider, so Buchinger. (Pflegetelefon: 0800 20 16 22; gebührenfrei aus ganz Österreich)

Schließlich gab der Minister auch die jüngsten Beschäftigungszahlen zur 24-Stunden-Betreuung bekannt. Mit Stand 10. April waren 4.291 selbständiger Betreuer angemeldet und 99 unselbständige. Buchinger rechnete damit, dass noch im April der Wert von 5.000 überschritten wird. (Schluss) wf

Rückfragen & Kontakt:

SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Tel.: 01/53427-275,
Löwelstraße 18, 1014 Wien, http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NSK0002